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Startseite Urgent Actions 2015 10 Fate of captured Ukrainian officer unknown
UA 231/15
Ukraine
Abgeschlossen am 1. Dezember 2015

Schicksal von ukrainischem Offizier unbekannt

AI-Index: EUR 50/2680/2015

Ivan Bezyazykov wurde am 16. August 2014 in der Ostukraine von prorussischen Separatist_innen gefangen genommen, schwer geschlagen und gefoltert. Seine Frau nahm am 2. Oktober 2015 Kontakt mit seinen Entführer_innen auf. Sie geht davon aus, dass sein Leben in Gefahr ist. Über den Aufenthaltsort und das Schicksal von Ivan Bezyakyov ist derzeit nichts bekannt.

Ivan Bezyazykov, Oberst des militärischen Nachrichtendienstes der Ukraine, wurde am 16. August 2014 bei Verhandlungen über einen Waffenstillstand mit prorussischen Separatist_innen in der Ostukraine zusammen mit zwei anderen Soldaten gefangen genommen.

Ivan Bezyazykov hatte von dem befehlshabenden Offizier die Anordnung erhalten, eine weisse Fahne zu hissen und sich der anderen Seite zu nähern, um einen vorübergehenden Waffenstillstand auszuhandeln. Dieser sollte dazu dienen, nach zweitägigen Kämpfen in der Nähe der Ortschaft Stepanivka die Toten und Verletzten zu bergen. Die separatistischen Kämpfer_innen entwaffneten Ivan Bezyakyov und zwei weitere Männer, die ihn begleitet hatten, und nahmen sie gefangen. Die beiden anderen Männer wurden im September bzw. im Dezember 2014 freigelassen. Sie berichteten Margarita Kushnirova, der Frau von Ivan Bezyazykov, dass sie alle, besonders aber ihr Ehemann, geschlagen und gefoltert worden seien. Ihnen zufolge war Ivan Bezyazykov wiederholt Scheinhinrichtungen unterzogen worden. Zudem habe er einige Rippenbrüche davongetragen und Schwellungen am ganzen Körper.

Margarita Kushnirova konnte bis zum 22. Mai 2015 mehrfach telefonisch mit Ivan Bezyazykov sprechen. Danach hatte sie nur noch Kontakt zu seinen Entführer_innen. Einer von ihnen, Eduard Basurin, teilte ihr am 2. Oktober mit, dass ihr Ehemann sie weder sprechen noch sehen wolle. Um ihn zu treffen, müsse sie sich persönlich nach Donezk begeben. Margarita Kushnirova hat drei kleine Kinder und fürchtet bei einer Reise nach Donezk um ihre Sicherheit. Bisher hat man ihr weder gestattet, erneut mit Ivan Bezyakyov zu reden, noch weiss sie, ob ihn seine Verletzungen daran hindern, mit ihr zu sprechen, oder ob er überhaupt noch am Leben ist.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Der bewaffnete Konflikt in der Ostukraine begann im Frühjahr 2014 nach der Annexion der Halbinsel Krim durch Russland. Im April und Mai 2014 hatten Gegner_innen der neuen Regierung in Kiew Gebäude der lokalen Verwaltungen und Strafverfolgungsbehörden in verschiedenen Städten der Regionen Donezk und Luhansk in der Ostukraine (Donbass) besetzt. Die Organisator_innen der Proteste, die mehr lokale Autonomie bzw. die Unabhängigkeit von der Ukraine (und eine engere Anbindung an Russland) forderten, bildeten bewaffnete Gruppen und begründeten ihr Vorgehen mit der Sorge um die Rechte der russischsprachigen Bewohner_innen der Region. In Donezk und Luhansk sowie kleineren Städten in der Nähe, in denen bewaffnete Gruppen effektiv die Kontrolle übernommen hatten, wurden die sogenannte „Volksrepublik Donezk“ (DNR) und die „Volksrepublik Luhansk“ (LNR) ausgerufen. Daraufhin begannen die Behörden in Kiew eine „Anti-Terror-Operation“ (antiteroristichna operatsiya, ATO), eine militärische Operation die zum Ziel hatte, die Kontrolle über das Gebiet wiederzuerlangen. Der daraus resultierende Konflikt führte zu mehr als 8.000 Toten und fast zwei Millionen Vertriebenen.
Nach monatelangen international vermittelten Verhandlungen zwischen Vertreter_innen der Behörden in Kiew und der De-facto-Behörden in Donezk und Luhansk, die im belarussischen Minsk stattfanden, kam es am 11. Februar 2015 zu der Unterzeichnung des sogenannten „Minsk II“-Abkommens, das zu einem Waffenstillstand führte. Zwar wurde das Abkommen noch nicht vollständig umgesetzt, doch hat die Intensität der Kämpfe im Donbass seither wesentlich abgenommen.
Die Berichte über Folter und andere Misshandlungen von Gefangenen auf beiden Seiten des Konflikts in der Ostukraine sind nicht nur schockierend, sondern auch an der Tagesordnung. Im März und im April 2015 befragte Amnesty International 33 ehemalige Gefangene, von denen 17 von separatistischen Kräften und 16 von Kiewer Militär- und Polizeiangehörigen gefangen genommen worden waren. Bis auf einen berichteten alle von Schlägen oder anderen schweren Misshandlungen, insbesondere in den ersten Tagen ihrer Gefangenschaft. Den englischsprachigen Bericht finden Sie unter https://www.amnesty.org/en/documents/eur50/1683/2015/en/.
Ivan Bezyazykov wurde mutmasslich wegen seines hohen militärischen Rangs und seiner Zugehörigkeit zum militärischen Nachrichtendienst der Ukraine (voennaya razvdeka) gefoltert. Wie die beiden anderen Männer, die mit ihm gefangen genommen und später freigelassen wurden, berichteten, wurden sie an jedem Kontrollpunkt, den sie passierten, brutal geschlagen. Ivan Bezyazykov sei besonders schlecht behandelt und mindestens fünf Mal einer Scheinhinrichtung unterzogen worden. Seine Frau teilte Amnesty International mit, dass ihr Mann mehrere gebrochene Rippen habe und in den ersten Monaten seiner Gefangenschaft wegen der schweren Schläge nicht richtig sprechen konnte.

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