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Startseite Urgent Actions 2015 02 Indigenous people threatened and killed
UA 043/15
Kolumbien
Abgeschlossen am 10. März 2015

Indigene bedroht und getötet

AI-Index: AMR 23/1045/2015

Im Norden des Departamento de Cauca im Südwesten Kolumbiens sind vier indigene Männer getötet worden. Zahlreiche Personen sollen Opfer des Verschwindenlassens geworden sein, weitere sollen Morddrohungen erhalten haben.

Am 6. Februar beendeten Gerardo Velasco Escue und Emiliano Silva Oteca aus dem Indigenenreservat Toéz ihre Arbeit auf den Zuckerrohrfeldern in Caloto im Departamento de Cauca. Sie machten sich auf den Heimweg in ihre Gemeinde, kamen dort aber nie an. Ein Zeuge sah, wie sie von fünf bewaffneten Männern etwa 200 Meter von einem Militärkontrollpunkt unweit des Dorfes La Selva angehalten und mitgenommen wurden. Am 8. Februar fanden GemeindebewohnerInnen in der Nachbargemeinde Guachené ihre Leichen. Sie wiesen Spuren von Folter auf. Zuvor hatte am 5. Februar eine Morddrohung der paramilitärischen Gruppierung Aguilas Negras in den Gemeinden Caloto, Guachené und Santander de Quilichao kursiert. In ihr hiess es, es sei „Zeit für soziale Säuberungen im Norden Caucas.“ Alfredo Campo Lectamo, Gouverneur des Reservates Toéz, sowie weitere IndigenensprecherInnen erhielten erneut Morddrohungen, nachdem sie die Morde öffentlich verurteilt hatten.

Am 13. Februar fand man die Leichen von Arturo Andrés Galindo Bastos und Carlos Albeiro Mera Pino, beide Angehörige der indigenen Gemeinschaft der Nasa, im Reservat Cerro Tijeras in der Gemeinde Suarez im Departamento de Cauca. Arturo Andrés Galindo Bastos war seit dem 30. Januar verschwunden gewesen. Neben den Leichen fand man ein Schild mit der Aufschrift: „Weil ihr Verräter seid“ (Por [ser] sapos).

Seit dem 14. Dezember 2014 besetzen indigene Gemeinschaften im Norden des Departamento de Cauca Land. Sie fordern Entschädigungen, auch in Form von Land, für zahlreiche Massentötungen an Indigenen, darunter das Massaker von El Nilo aus dem Jahr 1991.

Hintergrundinformationen

In dem seit 50 Jahren währenden internen bewaffneten Konflikt in Kolumbien kämpfen Sicherheitskräfte und Paramilitärs gegen zahlreiche Guerillagruppierungen. Trotz des fortschreitenden Friedensprozesses begehen alle Konfliktparteien weiterhin schwere Verstösse gegen das Völkerrecht und Menschenrechtsverletzungen. Die indigenen Gemeinschaften sind von diesem Konflikt mit am stärksten betroffen. Nach Angaben der Indigenenorganisation ONIC (Organización Nacional Indígena de Colombia) sind in den ersten neun Monaten des Jahres 2014 zehn Indigene im Zusammenhang mit diesem Konflikt getötet worden, mindestens 2.819 Personen wurden vertrieben. Die Vereinigung der Indigenen Räte von Nord-Cauca ACIN (Asociación Cabildeo Indígenas del Norte de Cauca) gibt an, dass seit 1999 mehr als 600 Indigene im Norden des Departamento de Cauca getötet worden sind.
Am 16. Dezember 1991 wurden 20 Angehörige der indigenen Gemeinschaft der Nasa, unter ihnen auch Kinder, während eines gemeinsamen Einsatzes von Polizei und Paramilitär auf der Farm El Nilo in der Gemeinde Caloto getötet. Die Untersuchung des Massakers von El Nilo wurde im Dezember 1992 der Interamerikanischen Kommission für Menschenrechte (IACHR) übergeben. Nach einer Vereinbarung zwischen der kolumbianischen Regierung und der IACHR wurde ein Untersuchungskomitee gebildet, welches im Jahr 1996 die Empfehlung aussprach, dass die kolumbianische Regierung die Verantwortlichen vor Gericht stellen müsse und den Familien der Opfer eine Entschädigung zu zahlen habe. Im August 2014 ordnete Kolumbiens Oberster Gerichtshof an, dass die Ermittlungen gegen einen General und einen Major im Zusammenhang mit dem Massaker wieder aufgenommen werden sollten. Der Fall war im Juli 1999 von einem Militärgericht zu den Akten gelegt worden. Anfang Februar 2015 stellten sich beide den Behörden. Der Indigenenrat Huellas Cabildo, die oberste politische Autorität innerhalb ihrer Gebiete, forderte am 5. Februar offiziell Gerechtigkeit und umfassende Entschädigungsleistungen.
Seit die Indigenengemeinschaft Toéz im Jahr 1994 nach einem Erdrutsch das Tal des Flusses Paéz in der Gemeinde Paéz verlassen musste, lebt sie in der Gemeinde Caloto. Ihr Gemeinderat ist Mitglied der ACIN.

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