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Startseite Urgent Actions 2015 02 New doubts about conviction as execution set
UA 039/15
USA (Texas)
Abgeschlossen am 24. Februar 2015

Grosse Zweifel an Schuld eines zum Tode Verurteilten

AI-Index: AMR 51/010/2015

Rodney Reed soll am 5. März in Texas hingerichtet werden. Er war 1998 wegen Mordes zum Tode verurteilt worden. Er bestreitet die Tat jedoch. Nachdem bereits ernsthafte Zweifel an seiner Schuld bestanden, haben nun auch drei forensische GutachterInnen die Rechtmässigkeit der Verurteilung in Frage gestellt.

Die Leiche der 19 Jahre alten Stacey Stites wurde am Nachmittag des 23. April 1996 in der Nähe einer Strasse in Bastrop County im ländlich geprägten Zentraltexas gefunden. Sie war an diesem Morgen als vermisst gemeldet worden, nachdem sie nicht zur Arbeit erschienen war. Als Hauptverdächtiger galt ursprünglich ihr Verlobter, bis knapp ein Jahr später bei einem DNA Abgleich Spermaspuren an der Leiche Rodney Reed zugeordnet werden konnten. Er wurde angeklagt, schuldig gesprochen und zum Tode verurteilt. Zuerst hatte er angegeben, das Opfer nicht gekannt zu haben, räumte jedoch später ein, mit ihm eine sexuelle Beziehung gehabt zu haben. Dies hatte er der Polizei zunächst verschwiegen, da er befürchtete, in Verdacht zu geraten, «wenn die Polizei gewusst hätte, dass wir uns treffen«. Rodney Reed ist schwarz, Stacey Stites war eine Weisse und ihr Verlobter ein weisser Polizeibeamter.

Neue Einschätzungen von GutachterInnen und weitere Beweise schüren nun Zweifel an der Version der Staatsanwaltschaft und den forensischen Beweisen, auf die sie sich stützt. Die Staatsanwaltschaft hatte argumentiert, dass die DNA Spuren von Rodney Reed an der Leiche von einer Vergewaltigung stammen, die zeitgleich mit dem Mord um etwa 03:00 Uhr am 23. April 1996 stattgefunden haben soll. Der forensische Gutachter der Staatsanwaltschaft bestätigte diese Version vor Gericht. Inzwischen hat er eine Stellungnahme unterzeichnet, in der er der Staatsanwaltschaft vorwirft, sein Gutachten missbraucht zu haben und erklärt, dass seine Einschätzung «vor Gericht nicht als präzise Feststellung des Todeszeitpunktes von Miss Stites hätte verwendet werden dürfen» und dass sich das Sperma schon seit mehr als 24 Stunden vor ihrem Tod in ihrem Körper hätte befunden haben können. Dies deckt sich zudem mit der Aussage Reeds, in diesem Zeitraum einvernehmlichen Geschlechtsverkehr mit dem Opfer gehabt zu haben. Drei führende forensische PathologInnen kommen nach der Untersuchung aller verfügbarer Hinweise ebenfalls zu dem Schluss, dass es keine Beweise dafür gibt, dass Stacey Stites Opfer eines sexuellen Übergriffes geworden ist, sondern dass sie vielmehr 24 Stunden oder mehr vor ihrem Tod einvernehmlichen Geschlechtsverkehr hatte. Sie stellten fest, dass sie vor 24:00 Uhr am 22. April 1996 getötet wurde und dass sie etwa vier bis sechs Stunden mit dem Gesicht nach unten auf dem Boden gelegen haben muss, bevor sie zur Fundstelle der Leiche gebracht wurde. Einer der Gutachter führte an, dass dieser forensische Beweis die Version der Staatsanwaltschaft über den Todeszeitpunkt «medizinisch und wissenschaftlich unmöglich» macht. Ein anderer kam zu dem Ergebnis, «dass es auf Grundlage der forensischen Beweise aus medizinischer Sicht an Sicherheit grenzt, dass Mister Reed für ein Verbrechen hingerichtet werden soll, das er nicht begangen hat.»

Kürzlich haben zwei Personen Aussagen unterzeichnet, in denen sie bestätigen, dass ihnen die Beziehung zwischen Rodney Reed und Stacey Stites bekannt war. Frühere Zeugen, die die Beziehung bezeugt hatten, wurden vom Gericht für unglaubwürdig erachtet, entweder weil sie mit dem Angeklagten in Verbindung standen oder aus anderen Gründen. Die zwei jüngst aufgetretenen Zeugen sind ehemalige Arbeitskollegen des Opfers. Zahlreiche Verwandte von Stacey Stites haben ebenfalls erklärt, dass sie Rodney Reed nicht für den Mörder halten.

Hintergrundinformationen (auf englisch)

In 2012, a US magistrate judge recommended after reviewing the case that Rodney Reed’s habeas corpus petition, which had been pending before him for 10 years while other litigation was in train, be denied by the US District Court, which then did so. The magistrate judge wrote: “Reed was never a suspect. Never, that is, until the sperm found in Stacey Stites body was discovered to be a match to Reed’s DNA… Without reliable evidence demonstrating that this happened consensually, the DNA evidence effectively condemns Reed”. The new expert forensic evidence would appear to call the magistrate judge’s recommendation into serious question. UN safeguards guaranteeing protection of the rights of those facing the death penalty state: “Capital punishment may be imposed only when the guilt of the person charged is based upon clear and convincing evidence leaving no room for an alternative explanation of the facts”. The new expert opinion of the three forensic pathologists, coupled with post-conviction clarification by the state’s forensic expert of his the trial testimony, and the additional statements from the victim’s co-workers, open “room for an alternative explanation of the facts”.
The new evidence is currently pending before the Texas courts. There is also a petition for clemency pending before the Governor and the Texas Board of Pardons and Paroles. The governor cannot commute a death sentence without a recommendation to do so from the state Board of Pardons and Paroles, but can issue a temporary reprieve.
Numerous relatives of Stacey Stites have written to Governor Abbott to ask for clemency. For example, an uncle has written: “It is important that justice be done for her murder, but I do not believe that Rodney Reed is guilty and I believe that her murderer has yet to face prosecution for this terrible crime”. A cousin has written: “I and other members of my family do not believe that justice has been served for Stacey. It is our belief that Rodney Reed did not murder Stacey”. Another cousin has written on behalf of herself and other named family members: “There can be no closure for our family with the wrongful execution of Rodney Reed”. Yet another cousin has written: “My family will not be at peace or comforted by the capital sentence and execution of Rodney Reed. I am sure you do not wish to execute an innocent man”.
Eight retired state and federal judges filed a brief in 2014 in the US Supreme Court expressing “serious concern” that the Fifth Circuit had “deprived Reed of the opportunity to develop the facts needed to prove his ineffective assistance of counsel claims”.
On 17 February 2015, outgoing US Attorney General Eric Holder said that the justice system “is comprised of men and women who do the best they can, get it right more often than not… But there’s always the possibility that mistakes will be made”. He pointed out that “there is no ability to correct a mistake where somebody has in fact been executed. And that is from my perspective the ultimate nightmare”. Four days earlier, the governor of Pennsylvania announced a moratorium on executions in that state, as had the governors of Oregon and Washington State in recent years. The Pennsylvania governor noted that the capital justice system was “anything but infallible” and that his state accounted for six of the 150 cases of death row inmates in the USA since 1973 found to have been wrongfully convicted. Texas accounts for 12 of the 150 cases.
Texas also accounts for 521 of the 1,402 executions in the USA since the US Supreme Court approved revised capital statutes in 1976. There have been eight executions in the USA so far this year, three of them in Texas. Amnesty International opposes the death penalty in all cases, unconditionally.

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