Benutzerspezifische Werkzeuge
Amnesty Urgent Actions
Startseite Urgent Actions 2015 02 Afro-descendant leaders threatened
UA 033/15
Kolumbien
Abgeschlossen am 27. März 2015

Morddrohungen gegen Mitglieder von Afro-kolumbianischer Gemeinde

AI-Index: AMR 23/006/2015

In Kolumbien sind führende Mitglieder der Gemeinde La Toma im Municipo Suárez im Departamento Cauca von Paramilitärs bedroht worden. Die Gemeinde setzt sich gegen illegale Bergbauprojekte auf ihrem Land ein.

Am 8. Februar erhielt Sabino Lucumi, Präsident des Gemeinderats (Consejo Comunitario) der afro-kolumbianischen Gemeinde La Toma, per SMS eine Morddrohung. In der Nachricht wurden Eduar Mina, Koordinator des Menschenrechtskomitees von La Toma, Jhon Jairo Valverde, ihr Finanzverwalter, und Francia Márquez, Rechtsvertreterin der Gemeinde, ebenfalls explizit bedroht. Die Drohung, für die die paramilitärische Gruppierung Águilas Negras (schwarze Adler) verantwortlich ist, lautet: «Wir haben alle Verräter des Gemeinderats von La Toma, die der Entwicklung der Gemeinde zuwider arbeiten […] und die für die Zerstörung unserer Maschinen verantwortlich sind, bereits ausfindig gemacht. Wir wissen, wo sich eure Anführer und ihre Familien aufhalten […] und wir sind angewiesen, im Süden von Valle Cauca diejenigen zu beseitigen, die die Strassen blockieren […].»

Diese Drohung ist die letzte in einer Reihe von Morddrohungen gegen führende Gemeindemitglieder in den letzten Monaten, nachdem diese die staatlichen und kommunalen Behörden aufgefordert hatten, gegen die illegalen Bergbauprojekte in La Toma vorzugehen und die Bagger entfernen zu lassen, die von den Bergbauarbeitern genutzt werden. Offensichtlich bezieht sich die neuerliche Drohung auf eine Aktion der Gemeindemitglieder aus dem Dezember 2014, bei der man die Benutzung zweier Bagger gestoppt hatte. Die Maschinen waren daraufhin von den kolumbianischen Behörden beschlagnahmt worden, eine wurde anschliessend zerstört. Über den Verbleib des anderen Baggers liegen der Gemeinde keinerlei Informationen vor. Seitdem wurden vermehrt Bagger in die Region verbracht. Die Nachricht bezieht sich darüber hinaus offenbar auf einen Protestmarsch von Cauca in die Hauptstadt Bogotá, der von Frauen aus La Toma im November 2014 organisiert worden war und mit dem die Regierung aufgefordert wurde, gegen die illegalen Bergbauprojekte vorzugehen.

Hintergrundinformationen

MenschenrechtsverteidigerInnen , indigene und afro-kolumbianische sowie kleinbäuerliche Gemeinschaften sind nach wie vor diejenigen, die am stärksten unter dem anhaltenden bewaffneten Konflikt im Land zu leiden haben. Alle Konfliktparteien – zum einen die kolumbianischen Streitkräfte, die entweder allein oder im Einvernehmen mit den Paramilitärs agieren, zum anderen die verschiedenen Guerillagruppen – begehen Menschenrechtsverstösse und Verstösse gegen das humanitäre Völkerrecht. Hierzu zählen Tötungen sowie Verschwindenlassen und Verschleppung, Folter, Vertreibung und Sexualstraftaten.
Ende November 2014 organisierte eine Gruppe Frauen aus der afro-kolumbianischen Gemeinde La Toma im Municipio Suárez einen Protestmarsch aus dem Departamento Cauca nach Bogotá. Die Frauen protestierten damit gegen den Einsatz von Baggern, die zum illegalen Goldabbau auf dem Gebiet der afro-kolumbianischen Gemeinschaft genutzt wurden. Sie forderten von der Regierung ein entschiedenes Vorgehen zur Entfernung der Maschinen. Ausserdem verlangten sie, dass nationalen und internationalen Bergbauunternehmen gemäss einer verfassungsgerichtlichen Entscheidung vom 14. Dezember 2010 ihre Goldschürfrechte entzogen werden. Das Gericht hatte den Lizenzentzug angeordnet, da die Lizenzen vergeben worden waren, ohne dass die Gemeinde im Vorfeld hierüber unterrichtet wurde und in einem angemessenen Konsultationsprozess die Möglichkeit gehabt hätte, ihre Zustimmung zu geben. Ferner riefen sie die Regierung auf, den Schutz der Gemeindemitglieder zu gewährleisten.
In den zurückliegenden Jahren haben führende Mitglieder der Gemeinde La Toma wiederholt Morddrohungen erhalten, weil sie sich für die Einhaltung der territorialen Rechte der Gemeinde und gegen den Goldabbau in La Toma durch nationale und internationale Bergbauunternehmen einsetzen. Am 11. Dezember 2014 einigten sich die Regierung und die Gemeinde darauf, dass die illegalen Bergbauprojekte in La Toma beendet werden, bisher ist diesbezüglich allerdings kaum ein Fortschritt zu verzeichnen. Am 29. Dezember 2014 hielten BewohnerInnen von La Toma Minenarbeiter von ihrer Arbeit ab, die sie mit Hilfe zweier Bagger verrichteten und informierten die kolumbianischen Behörden, die daraufhin die Bagger beschlagnahmten und einen der Bagger zerstörten. Am 4. Januar 2015 und in den vergangenen Tagen wurden die führenden Gemeindemitglieder Licifrey Ararat und Francia Márquez ebenfalls bedroht.

9 Briefe verschickt  
My Urgent Actions
Fürs Mitzählen lassen Ihres Briefes und Update-Funktion zu nutzen müssen Sie sich
einloggen oder
anmelden
Downloads
UA 033/15 english
Microsoft Word Document, 61.5 kB
UA 033/15 deutsch
Microsoft Word Document, 63.5 kB
UA 033/15 espagnol (corr)
Microsoft Word Document, 191.5 kB
UA 033/15 français
Microsoft Word Document, 68.5 kB