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Startseite Urgent Actions 2014 05 Death row inmate seeks commutation to life
UA 140/14
USA (Florida)
Abgeschlossen am 8. Juli 2014

Todeskandidat beantragt Umwandlung des Urteils

AI-Index: AMR 51/033/2014 ISSUE

Der 45-jährige Michael Zack, der sich in Florida im Todestrakt befindet und seine Rechtsmittel vor ordentlichen Gerichten ausgeschöpft hat, stellt beim Begnadigungsausschuss ein Ersuchen auf Umwandlung seines Urteils in eine lebenslange Haftstrafe. In Florida wird ein Hinrichtungstermin festgelegt, sofern und sobald ein Gnadengesuch abgelehnt wird.

Michael Duane Zack, damals 27 Jahre alt, wurde am 16. Juni 1996 festgenommen und wegen Raubüberfalls, sexueller Misshandlung und Mordes an Ravonne Kennedy Smith angeklagt, die drei Tage zuvor in ihrem Haus in Pensacola, Florida, getötet worden war. Als Michael Zack 1997 vor Gericht gestellt wurde, erbrachte die Staatsanwaltschaft auch Beweise für seine Beteiligung an einem anderen Mord, an Laura Rosillo, der in etwa zur gleichen Zeit verübt worden war. Die Jury befand ihn des Mordes an Ravonne Kennedy Smith für schuldig. Die Verteidigung legte Beweise für Michael Zacks von schwerer Misshandlung geprägte Kindheit vor. Vier ExpertInnen für psychische Krankheiten sagten aus, dass er ihrer Meinung nach an Posttraumatischer Belastungsstörung, chronischer Depression, Fetalem Alkoholsyndrom, Sucht und möglichem Hirnschaden leide. Zudem besitze er das geistige und emotionale Alter eines zehn- oder elfjährigen Kindes. Seine Fähigkeit, sich der Strafbarkeit seiner Taten bewusst zu sein, sei stark beeinträchtigt gewesen. Die Jury empfahl mit elf Stimmen bei einer Gegenstimme ein Todesurteil, welches der Richter annahm und am 24. November 1997 verhängte.

Laut seinem Gnadengesuch bereut Michael Zack sein kriminelles Verhalten in der Vergangenheit und hat im Todestrakt eine gute Führung vorzuweisen. Dort lernte er lesen und schreiben sowie «die traumatischen Ereignisse in seiner Jugend zu bewältigen». Dem Gnadengesuch zufolge kam Michael Zack zu früh zur Welt, nachdem seine Mutter einen Autounfall hatte. Während der Schwangerschaft hatte sie regelmässig grosse Mengen Alkohol konsumiert. Sein Vater, ein Soldat, verliess sie kurz nach Michael Zacks Geburt und seine Mutter heiratete daraufhin einen anderen Soldaten. Sein Stiefvater misshandelte Michael Zack und seine Schwestern schwer. Wenn der Junge zum Beispiel das Bett nässte, wie er es im Alter von etwa acht bis mindestens zwölf Jahren jede Nacht tat, bestrafte ihn sein Stiefvater unter anderem, indem er ihn schlug, ihm mit einer Heizdecke Stromschläge versetzte, ihn zwang, sich das nasse Laken um den Hals zu legen, und einen Löffel erhitzte, bis dieser glühend heiss war, und ihn gegen den Penis des Jungen hielt. Unter anderem warf sein Stiefvater ihn zudem «gegen die Wand und trat mit Stiefeln, an denen Sporen befestigt waren, auf ihn ein», versuchte, «ihn zu ertränken»,«ihn mit einem Auto zu überfahren» und «ihn zu vergiften». Als der Junge drei Jahre alt war, wurde er ins Krankenhaus eingeliefert, nachdem er eine Flasche Wodka getrunken hatte; er «nahm eine Überdosis Drogen, die [sein Stiefvater] ihm gegeben hatte» und der Stiefvater «drohte, ihn zu erschiessen und zu erstechen». Der Stiefvater soll Michael Zack zudem sexuell missbraucht und seine Schwestern vergewaltigt haben. Als Michael Zack elf Jahre alt war, wurde seine Mutter mit einer Axt getötet, offenbar von seiner 16-jährigen Schwester. Damals war Michael Zack in ein psychiatrisches Krankenhaus in Louisiana eingeliefert worden, wo er ein Jahr lang blieb. Später wurde er in einer Reihe von Kinder- und Jugendheimen untergebracht. In einigen soll er weiteren sexuellen Missbrauch erfahren haben.

Hintergrundinformationen

Nachdem der Staatsanwalt während der Auswahl der Geschworenen für das Verfahren gegen Michael Zack zwei afroamerikanische Frauen als mögliche Geschworene ausschloss, wandte die Verteidigung ein, dass dies möglicherweise rassistisch motiviert sei. Der Staatsanwalt nannte für den Ausschluss Gründe, die nicht auf ethnischen Grundlagen basierten. Beide Frauen waren bei einer Institution in Pensacola angestellt, die, so der Staatsanwalt, «psychologische Unterstützung, Therapie, Beratung in einem weiten Spektrum - die ein weites Spektrum psychologischer Bedürfnisse in der Gemeinde abdeckt.» Eine der Frauen verfüge laut dem Staatsanwalt über «Wissen über Posttraumatische Belastungsstörungen». Da «es viel psychologisches Beweismaterial während der Festlegung des Strafmasses und eventuell während der Feststellung der Schuld oder Unschuld geben wird, ist mir nicht wohl dabei, [die betreffenden Frauen in der Jury sitzen zu haben].». Der Richter äusserte angesichts dieser Erklärung – «der alleinigen Tatsache, dass sie einer Arbeit nachgeht, bei der sie über ein gewisses Fachwissen verfügt, das die anderen Geschworenen nicht haben» – Besorgnis, doch er liess den Ausschluss der beiden Frauen dennoch zu.
In einer eidesstattlichen Erklärung erinnerte sich Michael Zacks ältere Halbschwester 2011 daran, dass «Michael sehr unter [seinem Stiefvater] gelitten hat», der «Michael regelmässig gegen die Wand warf und ihm auf den Kopf schlug und trat. Nach diesen Schlägen war Michael oft geschockt und benommen». Ihren Angaben zufolge gab der Stiefvater «Michael oft Tabletten und Alkohol, die ihn ohnmächtig werden liessen. Einmal sah ich, wie [der Stiefvater] Michael Drogen spritzte, die ihn in einen so starken Rausch versetzten, dass er gar nicht mehr wusste, wo er war.» Sie fügte hinzu: «So lange ich denken kann, hat Michael sich vor- und zurückgewiegt. Das einzige Mal, als ich mit Michael im Erwachsenenalter gesprochen habe, war, als ich nach Florida kam, um für ihn als Zeugin auszusagen. Als ich ihn im Gefängnis sah, wiegte er sich hin und her und flehte mich an, nicht zuzulassen, dass ‚sie‘, die Behörden, ihm wehtun. Da war mir bewusst, dass Michael es immer noch nicht verstand.» In einer anderen, 2011 unterzeichneten Aussage erinnerte sich seine jüngere Halbschwester, dass er als Kind «sehr begriffsstutzig» gewesen sei, «immer Schwierigkeiten in der Schule gehabt» habe, «unfähig zu lernen» schien, ein «Mitläufer» gewesen sei und dass «Michael als Erwachsener sehr kindlich war; es war so, als sei er nie erwachsen geworden». Sie erinnerte sich daran, dass «Michael als Kind ständig Kopfverletzungen erlitt. Michaels Stiefvater schlug ihn viele Male bewusstlos. [Er] schlug Michael oft auf den Rücken und seitlich auf den Kopf, weil dies zu weniger Blutergüssen führte und nicht bemerkt werden würde. Einmal blutete Michael nach diesen Schlägen so stark, dass er genäht werden musste. Doch anstatt ihn ins Krankenhaus zu fahren, schloss [sein Stiefvater] die Wunde in Michaels Kopf selbst mit einem Klammergerät.»
In einer sein Gnadengesuch begleitenden Aussage verlieh Michael Zack seiner Reue Ausdruck: «Ich möchte zunächst den Familien der Opfer, dem Begnadigungsausschuss und meiner Familie sagen, wie leid es mir tut, was ich getan habe und dass ich zwei Leben beendet habe, und dass ich ehrlich verstehe, wieso die Familien der Opfer wollen, dass ich hingerichtet werde. Ich verstehe auch all den Kummer und das Leid, das ich ihnen zugefügt habe.»
Im Jahr 2012 wurde ein Viertel aller Todesurteile in den USA in Florida verhängt und 2013 entfielen beinah 20% aller Todesurteile in den USA in dem Jahr auf Florida. Im Jahr 2013 wurden in Florida mehr Menschen hingerichtet, als in irgendeinem anderen Jahr seit 1984. Seit 1976, als der Oberste Gerichtshof der USA neue Gesetze zur Todesstrafe billigte, darunter auch das von Florida, haben nur Texas, Virginia und Oklahoma mehr Todesurteile vollstreckt.
Seit 1976 hat es 1.379 Hinrichtungen in den USA gegeben, 86 davon in Florida. In diesem Jahr hat es 20 Hinrichtungen gegeben, fünf davon in Florida. Amnesty International richtet sich in allen Fällen bedingungslos gegen die Todesstrafe.
In Florida wird ein Hinrichtungstermin festgelegt, wenn die ordentlichen Rechtsmittel, die ein Gefangener vor Gericht einlegen kann, ausgeschöpft wurden und ein Gnadengesuch abgelehnt wurde. Michael Zacks Gnadengesuch wird derzeit vom Gouverneur und anderen RegierungsvertreterInnen, die dem Begnadigungsausschuss angehören, betrachtet. Es ist nicht bekannt, wann eine Entscheidung in diesem Fall getroffen wird.

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