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Startseite Urgent Actions 2014 05 Abducted political activist at risk of death
UA 132/14
Pakistan
Abgeschlossen am 30. Juni 2014

Aktivist in Lebensgefahr

AI-Index: ASA/033/008/2014

Zahid Baloch, Vorsitzender der Belutschischen Studierendenorganisation Azad (Baloch Student Organisation-Azad – BSOA), ist am 18. März in Quetta, Belutschistan, entführt worden. Seine Familie weiss nicht, wo er sich befindet oder was mit ihm geschehen ist. Er ist in ernster Gefahr, misshandelt, gefoltert oder gar getötet zu werden. In den vergangenen Jahren sind zahlreiche ähnliche Fälle gemeldet worden, die hunderte andere AktivistInnen betrafen.

ZeugInnen gaben an, Zahid Baloch sei am 18. März mit vorgehaltener Waffe in dem Viertel Satellite Town in Quetta, Belutschistan, von Angehörigen des Grenzkorps (Frontier Corps), einer bundesweit agierenden paramilitärischen Gruppierung, mitgenommen worden. Die Behörden haben keine Auskunft über seine Entführung gegeben und sie nicht angemessen untersucht. Zahid Baloch ist der Vorsitzende der BSOA, einer Studierendenorganisation, die sich für die Abspaltung der Provinz Belutschistan von Pakistan einsetzt. Sie wurde im März 2013 von der pakistanischen Regierung verboten, weil sie „an Terrorismus beteiligt“ sein soll.

Die Entführung von Zahid Baloch folgt einem Muster des Verschwindenlassens in der Provinz Belutschistan, bei dem politische AktivistInnen, MenschenrechtsverteidigerInnen, JournalistInnen, AnwältInnen und mutmassliche Aufständische aus Belutschistan von den Staatssicherheitskräften aufgegriffen und nie wieder gesehen werden. In der gesamten Provinz sind viele der Opfer von Verschwindenlassen tot aufgefunden worden, oftmals mit Schussverletzungen und Spuren von Folter. AktivistInnen, die mehr Autonomie für die belutschische Bevölkerung fordern, welche die pakistanische Regierung als „staatsfeindlich“ ansieht, sind in besonders grosser Gefahr, Opfer dieser Menschenrechtsverletzungen zu werden. Angehörige und AugenzeugInnen bezichtigen häufig die Sicherheitskräfte, insbesondere das Grenzkorps und die Geheimdienste, dieser Menschenrechtsverletzungen.

Hintergrundinformationen

Politische AktivistInnen, die der ethnischen Gruppe der Belutschen angehören, werden in der pakistanischen Provinz Belutschistan Opfer von Entführungen, Verschwindenlassen und aussergerichtlichen Hinrichtungen. Berichten zufolge sind Hunderte Opfer dieser Menschenrechtsverletzungen geworden, doch die genauen Zahlen lassen sich aufgrund der geheimen Natur der Entführungen und Tötungen und der allgemeinen Unzugänglichkeit der Region Belutschistan nicht nachprüfen. Lateef Johar, ein Mitglied der BSOA, befindet sich seit dem 22. April in einem Protestcamp in Karatschi im Hungerstreik, um sich dafür einzusetzen, dass Zahid Baloch wohlbehalten wieder auftaucht.
AktivistInnen, JournalistInnen, AnwältInnen und führende studentische Persönlichkeiten sowie Mitglieder bewaffneter Gruppierungen zählen zu denen, gegen die sich Verschwindenlassen, Entführungen, Folter und rechtswidrige Tötungen hauptsächlich richten. Die Gewalttaten ereignen sich im Kontext zunehmender politischer Unruhen und innerstaatlicher militärischer Operationen in Belutschistan. Belutschistan erstreckt sich über die Grenze zu Afghanistan und dem Iran und ist die geographisch grösste, aber am dünnsten besiedelte Provinz Pakistans. In der Vergangenheit hat es oft Aufstände gegeben, bei denen örtliche Gruppen sich für mehr Selbstbestimmung und eine grössere Beteiligung an den Einnahmen einsetzten, die durch die natürlichen Ressourcen der Provinz, insbesondere Erdgas, erzielt werden und die zurzeit ihrer Meinung nach in überproportionalem Umfang anderen Provinzen zugute kommen.
Die mit Schussverletzungen übersäten Leichen der Entführten, von denen viele Zeichen von Folter aufweisen, werden in verschiedenen Teilen Belutschistans und manchmal in der Stadt Karatschi, der Hauptstadt der angrenzenden Provinz Sindh, aufgefunden. Angehörige und belutschische Gruppierungen beschuldigen die Sicherheitskräfte Pakistans, insbesondere das Grenzkorps und die Geheimdienste, diese Entführungen und Tötungen zu verüben. Im Dezember 2013 gab der Ministerpräsident von Belutschistan, Dr. Abdul Malik Baloch, zu, dass staatliche „Behörden“ für die „illegale Inhaftierung“ belutschischer AktivistInnen verantwortlich seien. RichterInnen am Obersten Gerichtshof Pakistans, die höchsten RichterInnen des Landes, darunter der ehemalige Oberste Richter Iftikhar Muhammad Chaudhry, haben das Grenzkorps ebenfalls beschuldigt, für viele Fälle des Verschwindenlassens in der Provinz verantwortlich zu sein.
Das Grenzkorps ist diejenige Sicherheitstruppe, die für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung in der Provinz Belutschistan hauptsächlich verantwortlich ist. Der Konflikt zwischen belutschischen NationalistInnen und dem Staat ist von Menschenrechtsverletzungen bzw. -verstössen auf beiden Seiten geprägt.

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