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Startseite Urgent Actions 2014 05 Children’s Rights Defender beaten, detained
UA 122/14
Honduras
Abgeschlossen am 23. Juni 2014

Menschrechtler in Gefahr

AI-Index: AMR 37/006/2014

Der Leiter von Casa Alianza Honduras, einer Kinderrechtsorganisation, wurde am 8. Mai von Angehörigen der Militärpolizei geschlagen und inhaftiert. Er glaubt, dass seine Misshandlung eine Vergeltungsmassnahme dafür war, dass er sich gegen Gewaltverbrechen an Kindern in Honduras ausgesprochen und die Untätigkeit der Regierung diesbezüglich verurteilt hatte.

José Guadalupe Ruelas ist der Leiter von Casa Alianza, einer Wohltätigkeitseinrichtung für Kinder in Honduras. Am späten Abend des 8. Mai fuhr er mit dem Wagen der Organisation und in Kleidung mit deren Aufschrift, als er an einem Kontrollpunkt des Militärs vor dem Amtssitz des Präsidenten in der honduranischen Hauptstadt Tegucigalpa aufgefordert wurde, anzuhalten. José Guadalupe Ruelas sagt, sein Auto hätte gestanden, als ein Polizist auf einem Motorrad einen Zusammenstoss verursachte. Er gab an, dass ein Angehöriger der Militärpolizei ihn aus dem Auto gezogen und ins Gesicht, auf den Kopf, in die Rippen und gegen die Beine geschlagen habe. Dann soll man ihn mit dem Gesicht nach unten gewandt an den Beinen über den Boden gezogen und geschlagen haben. Die Polizei habe zudem seinen persönlichen Besitz, einschliesslich eines Laptops, beschlagnahmt, bevor man ihn dann zu einer Polizeiwache gebracht habe. Als örtliche Menschenrechtsorganisationen eingriffen, wurde José Guadalupe Ruelas in ein Krankenhaus gebracht, wo er untersucht wurde und bis zum Abend des 9. Mai in Polizeigewahrsam blieb.

José Guadalupe Ruelas glaubt, dass man ihn so dafür bestrafen will, dass er die Regierung in den Wochen zuvor kritisiert hatte. Im April hatte er einen Bericht veröffentlicht, der die hohe Anzahl an Tötungen von Kindern und Jugendlichen in Honduras anprangert. In den ersten vier Monaten des Jahres 2014 sind bereits mindestens 270 Personen unter 23 eines gewaltsamen Todes gestorben. Ruelas schrieb, dass „organisierte Personen, die Zugang zu teuren Fahrzeugen, Waffen und Ausrüstung haben, Kinder und Jugendliche systematisch aus armen Familien entführen, foltern und töten, meist ohne dafür bestraft zu werden.“ Nachdem die zerstückelten Leichen von vier Kindern gefunden worden waren, interviewten Medien José Guadalupe Ruelas im Mai. Er sagte dabei, dass aufgrund von Korruption und Straflosigkeit keines der zahlreichen honduranischen Gesetze, die dem Schutz von Kindern dienen sollen, von der Regierung umgesetzt werde.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Laut offiziellen Statistiken gab es 2012 in keinem Land so viele gewaltsame Tötungen wie in Honduras, wo es 85,5 pro 100.000 EinwohnerInnen waren. Der Nationale Menschenrechtsausschuss (Comisionado Nacional de los Derechos Humanos – CONADEH) dokumentierte zwischen 2010 und 2013 insgesamt 458 gewaltsame Todesfälle von Kindern unter 14, wobei es 2010 92 Fälle und 2013 bereits 146 Fälle waren.
MenschenrechtsverteidigerInnen sind in Honduras grosser Gefahr ausgesetzt. Laut dem honduranischen Menschenrechtsombudsmann sind seit 2010 insgesamt 30 JournalistInnen und 70 RechtsanwältInnen getötet worden. Unter den Dutzenden Fällen von Menschenrechtsverstössen und –verletzungen, die in den vergangenen fünf Jahren gegen MenschenrechtsverteidigerInnen verübt wurden, gab es nach Amnesty International vorliegenden Informationen nur einen einzigen Fall, bei dem die Verantwortlichen vor Gericht gestellt, für schuldig befunden und verurteilt wurden. Weitere Informationen hierzu finden Sie in englischer Sprache in dem offenen Brief von Amnesty International an die Präsidentschaftskandidaten in Honduras aus dem Jahre 2013 unter: http://www.amnesty.org/en/library/info/AMR37/014/2013/en.
Im April 2013 erklärte der damalige Generalstaatsanwalt dem Nationalkongress, dass die Generalstaatsanwaltschaft nur die Kapazität habe, 20 Prozent der Tötungen in Honduras zu untersuchen. Die Generalstaatsanwaltschaft ist angesichts der hohen Gewalt- und Verbrechensrate des Landes überfordert und verfügt nicht über die erforderlichen Mittel, um seinen Aufgaben wirksam nachzukommen. In einigen Fällen hatten sogar die StaatsanwältInnen selbst wegen der gefährlichen Umstände Angst davor, zu handeln. Das Justizsystem des Landes sollte gestärkt und angemessen finanziert werden.

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