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Startseite Urgent Actions 2014 04 Human rights lawyer arrested during trial Waleed Abu al-Khair starts hunger strike
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Saudi Arabien
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News 14.06.2016

Waleed Abu al-Khair hat den Hungerstreik beendet, nachdem er in ärztliche Behandlung überführt worden ist und wieder Zugang zu Büchern hat.

Der Musterbrief wurde entsprechend aktualisiert.

Waleed Abu al-Khair Im Hungerstreik

AI-Index: MDE 23/4221/2016

Waleed Abu al-Khair ist am 7. Juni in den Hungerstreik getreten. Der bekannte Menschenrechtsverteidiger und Anwalt protestiert so gegen seine anhaltende Misshandlung und dagegen, dass die Gefängnisverwaltung ihm keine angemessene medizinische Versorgung ermöglicht.

Der bekannte Menschenrechtsverteidiger und Anwalt Waleed Abu al-Khair leistet derzeit im Briman-Gefängnis in Dschidda eine 15-jährige Haftstrafe ab, zu der er wegen seines friedlichen Aktivismus verurteilt wurde. Am 7. Juni ist er in den Hungerstreik getreten, um so gegen seine anhaltende Misshandlung durch die Gefängnisverwaltung zu protestieren, die ihm unter anderem eine angemessene medizinische Versorgung verweigert. Er muss aufgrund seiner Diabetes und einer Darmerkrankung medizinisch behandelt werden und benötigt eine spezielle Ernährung. Beides wird ihm von der Gefängnisverwaltung verwehrt.

Waleed Abu al-Khair ist darüber hinaus noch weiteren Formen der Drangsalierung ausgesetzt. Die Gefängnisverwaltung verweigert ihm den Zugang zu seinen Büchern und er darf nur einmal die Woche Zeitunglesen. Am 18. April 2015 ist er im Gefängnis al-Ha’ir in Riad von einem Mithäftling angegriffen und geschlagen worden, nachdem er sich über die schlechten Haftbedingungen beklagt hatte. Unter anderem prangerte er den Mangel an angemessener Nahrung und fehlende Grundversorgungsleistungen sowie die im Gefängnis herrschende Korruption an. Nachdem er auf der Krankenstation des Gefängnisses medizinisch versorgt worden war, reichte er bei den Gefängnisbehörden eine Beschwerde über den Angriff ein. Am darauffolgenden Tag führten drei WärterInnen eine willkürliche Durchsuchung seiner Zelle durch. Unter dem Vorwand, verbotene Gegenstände beschlagnahmen zu wollen, durchsuchten sie jeden Winkel und nahmen dabei keinerlei Rücksicht auf die Habseligkeiten von Waleed Abu al-Khair.

Waleed Abu al-Khair war nach seiner Festnahme am 15. April 2014 zunächst in die Hafteinrichtung der Kriminalpolizei (Criminal Investigation Department) in Riad gebracht. Dort hielt man ihn mehrere Tage lang in Einzelhaft fest und setzte ihn dauerhaft hellem Licht aus, was zu Schlafentzug führte. Später wurde er immer wieder in verschiedene Hafteinrichtungen verlegt. Er gibt an, geschlagen und anderweitig misshandelt worden zu sein.

HINTERGUNDINFORMATIONEN

Waleed Abu al-Khair ist ein bekannter Menschenrechtsanwalt und Vorsitzender des Menschenrechtsmonitors Saudi-Arabien, einer unabhängigen Menschenrechtsorganisation, die 2008 gegründet wurde. Er hat viele Betroffene von Menschenrechtsverletzungen vor Gericht vertreten. Unter seinen Mandanten befindet sich auch Raif Badawi.
Waleed Abu al-Khair wird bereits seit 2011 gezielt drangsaliert, überwacht und ist schon mehrfach von den saudi-arabischen Behörden festgenommen und verhört worden. Gegen ihn wurde ein Reiseverbot verhängt und man hat ihn in mindestens zwei Fällen vor Gericht gestellt. Am 15. April 2014 ist er inhaftiert worden, nachdem er zur fünften Anhörung seines Verfahrens vor dem Sonderstrafgericht in Riad erschienen war. Derzeit leistet er seine Haftstrafe im Briman-Gefängnis in Dschidda ab. Das Sonderstrafgericht, das sich mit Terrordelikten und Straftaten gegen die Staatssicherheit befasst, dessen genaue Zuständigkeit und interne Regeln jedoch unspezifiziert bleiben, befand ihn der folgenden Anklagepunkte für schuldig: „Ungehorsam gegenüber dem Herrscher und der Versuch, seine Legitimität zu untergraben“, „Beleidigung der Justiz und Infragestellung der Integrität der Richter“, „Gründung einer nicht genehmigten Organisation“, „Schädigung des Rufs des Staates durch den Austausch mit internationalen Organisationen“ und „Aufbereitung, Speicherung und Übermittlung von Informationen, die die öffentliche Ordnung beeinträchtigen“.
Das Sonderstrafgericht verurteilte Waleed Abu al-Khair am 6. Juli 2014 zu 15 Jahren Haft, einem anschliessenden Reiseverbot von 15 Jahren und einer Geldstrafe von 200.000 Saudi-Rial (etwa 47.000 Euro). Obwohl er zu 15 Jahren Haft verurteilt wurde, ordnete das Gericht an, dass er nur zehn Jahre ableisten müsse. Der zuständige Berufungsrichter entschied bei der Bestätigung des Urteils gegen Waleed Abu al-Khair am 12. Januar 2015 jedoch, dass er die gesamten 15 Jahre in Haft verbringen müsse, weil er sich geweigert habe, sich für seine „Straftaten“ zu entschuldigen. Der Menschenrechtsanwalt erkennt nach wie vor die Legitimität des Sonderstrafgerichts nicht an.
Dutzende weitere MenschenrechtsverteidigerInnen und AktivistInnen der Zivilgesellschaft im Allgemeinen haben in den vergangenen Monaten die Hauptlast der behördlichen Drangsalierungen erfahren. Unter ihnen befinden sich Mitglieder der im Oktober 2009 gegründeten saudi-arabischen Organisation für bürgerliche und politische Rechte (ACPRA), die über Menschenrechtsverletzungen berichtet und Familien von Personen, die ohne Anklage inhaftiert sind, unterstützt. Mindestens zwölf Mitglieder von ACPRA befinden sich ohne Anklage in Haft, sind zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden oder erst nach vielen Jahren im Gefängnis freigelassen worden.
Zahlreiche der derzeit inhaftierten MenschenrechtsverteidigerInnen und AktivistInnen berichten von Drangsalierungen und Misshandlungen in Haft. Die meisten beklagen sich über schlechte Haftbedingungen und diskriminierende Behandlung. Ihre Bücher und persönlichen Habseligkeiten werden willkürlich beschlagnahmt. Die saudi-arabischen Gefängnisse sind oftmals in höchstem Masse überbelegt. Häufig befinden sich in Trakten, die Platz für 80 Häftlinge bieten, 300 Gefangene oder mehr. Die Häftlinge müssen dann oft ohne Matratzen oder Decken auf dem Boden schlafen und lange anstehen, wenn sie zur Toilette müssen. Einige Häftlinge erhalten über lange Zeiträume unzureichende Nahrung und kommen nur selten ans Tageslicht. Viele AktivistInnen werden zusammen mit StraftäterInnen inhaftiert, darunter auch solche, die Gewaltverbrechen begangen haben.

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