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Startseite Urgent Actions 2014 04 Woman on trial for allegedly aiding displaced
UA 077/14
Syrien
Abgeschlossen am 13. Mai 2014

Frau wegen Hilfe für Vertriebene vor Gericht

AI-Index: MDE 24/016/2014

Die Syrerin Yara Faris wurde am 8. Dezember 2013 von Mitgliedern des syrischen Staatssicherheitsdienstes festgenommen. Sie wird im ‘Adra-Gefängnis festgehalten und wartet dort darauf, wegen ihres angeblichen Mitwirkens an der Bereitstellung von Hilfe und Nahrungsmitteln für Vertriebene vor das Antiterrorgericht gestellt zu werden.

Laut einer Kontaktperson vor Ort wurde Yara Faris am 8. Dezember 2013 an einem Kontrollpunkt des Staatssicherheitsdienstes in der Nähe ihres Zuhauses in Sahnaya, einem Vorort von Damaskus, angehalten. Sie trug ihren Personalausweis zu der Zeit nicht bei sich und kehrte nach Hause zurück, um ihn zu holen. Von ihrem Haus aus schickte sie anscheinend Kurznachrichten an Verwandte, in denen sie ihre Sorge über eine mögliche Festnahme ausdrückte. Anschliessend wurde beobachtet, wie sie von einigen der für den Kontrollpunkt zuständigen Menschen mitgenommen wurde.

Berichten zufolge wurde Yara Faris während der ersten zehn Tage ihrer Haft in einer Zweigstelle des Staatssicherheitsdienstes festgehalten. Anschliessend wurde sie einem Ermittlungsrichter eines Strafgerichts in Reef Dimashq (in der Nähe von Damaskus) vorgeführt, der ihren Fall an das Antiterrorgericht verwies und sie in das ’Adra-Gefängnis verlegte, wo sie derzeit in Haft gehalten wird. Ihr wird die „Finanzierung terroristischer Handlungen“ unter Artikel 4 des Antiterrorgesetzes von 2012 vorgeworfen. Grundlage hierfür ist anscheinend die Tatsache, dass sie geholfen hatte, Binnenvertriebene, die vor dem Konflikt in andere Landesteile geflohen waren, mit Nahrungsmitteln und Hilfe zu versorgen. Sollte sie ausschliesslich aus dem Grund strafrechtlich verfolgt werden, dass sie vertriebenen Zivilpersonen humanitäre Hilfe leistete, würde Amnesty International sie als politische Gefangene betrachten.

Der Ermittlungsrichter am Antiterrorgericht beschloss kürzlich, sie nicht zu verhören, da sie bereits durch den Strafrichter verhört worden war, doch der Fall scheint weiter verfolgt zu werden. Obwohl sie Zugang zu ihren AnwältInnen hat, konnten ihre Angehörigen sie nur zweimal besuchen. Sie sagte ihnen, es gäbe nicht ausreichend Nahrungsmittel für die grosse Zahl der Gefangenen. Bloss diejenigen, die von ihren Familien Geld bekämen, könnten zusätzliche Lebensmittel erhalten.

Ihr Ehemann, Maher Tahan, wurde am 20. September 2012 Opfer des Verschwindenlassens, als er mit einer Delegation der Nationalen Koalition für demokratischen Wandel von einem offiziellen Besuch in China zurückkehrte.

Hintergrundinformationen

Yara Faris teilt sich Berichten zufolge einen grossen Raum mit etwa 45 anderen Frauen, von denen einige wegen strafbarer Handlungen verurteilt worden sind. Einige dieser Frauen sind anscheinend schwanger; einige bekamen im Gefängnis ein Kind, andere werden mit ihren Kindern festgehalten. Anscheinend gibt es einen Mangel an Kleidung und anderen persönlichen Gütern. In den Mindestgrundsätzen für die Behandlung der Gefangenen aus dem Jahr 1957 wurde festgelegt, dass Personen in Untersuchungshaft getrennt von verurteilten Gefangenen in Haft gehalten werden müssen.
Yara Faris‘ Ehemann ist Mitglied des Nationalen Koordinationskomitees für demokratischen Wandel, einer grösstenteils säkularen Koalition von politischen Gruppen und AktivistInnen, darunter Linke und arabische NationalistInnen, mit dem Ziel eines friedlichen Machtwechsels. Weiterführende Informationen finden Sie hier: Syrien: Oppositionelle verschwunden (https://www.amnesty.de/urgent-action/ua-063-2013/oppositionelle-verschwunden).

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