Benutzerspezifische Werkzeuge
Amnesty Urgent Actions
Startseite Urgent Actions 2013 11 LGBTI organization’s office attacked
UA 320/13
Haiti
Abgeschlossen am 7. Januar 2014

Angriff auf LGBTI-Büro

AI-Index: AMR 36/021/2013

Das Büro der haitianischen LGBTI-Organisation Kouraj ist von drei bewaffneten Männern überfallen worden. Sie griffen zwei Mitglieder der Organisation für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender und Intersexuellen tätlich an, durchsuchten die Büroräume und eigneten sich vertrauliche persönliche Daten an. Seither erhalten AktivistInnen von Kouraj ausserdem homophobe Drohungen per Telefon.

Am 21. November griffen bewaffnete Männer das Büro von Kouraj an. Kouraj ist eine Organisation, die sich für die Förderung der Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgendern und Intersexuellen in Haiti einsetzt und eine öffentliche Diskussion über die Diskriminierung und die Stigmatisierung gleichgeschlechtlicher Paare anstösst. Gegen 13 Uhr erzwangen sich drei mit Macheten und Schusswaffen bewaffnete Männer Zutritt zum Büro der Organisation in Port-au-Prince. Sie taten dort ihre Überzeugung kund, dass das Büro nicht betrieben werden dürfe. Darüberhinaus schlugen und fesselten sie die beiden anwesenden Mitglieder von Kouraj und beschimpften sie mit homophoben Äusserungen. Anschliessend durchsuchten die Angreifer das Büro und eigneten sich Büromaterial, darunter zwei Laptops und persönliche Gegenstände, an. Die Mitarbeiter von Kouraj befürchten, dass diese Männer auch Dateien und Unterlagen mitgenommen haben, die Kontaktdaten, wie Adressen, E-Mail-Adressen und Telefonnummern der Mitglieder der Organisation enthalten. Es ist nicht bekannt, wie viele Daten entwendet wurden und daher auch nicht, wie viele Mitglieder der Organisation in Gefahr sein könnten, ebenfalls angegriffen zu werden.

Wenige Tage vor dem Angriff hörten Kouraj-AktivistInnen, wie Personen vor dem Büro sagten, dass dies ein Homosexuellenbüro sei und drohten, das Büro bald anzugreifen. Seit dem Überfall haben AktivistInnen von Kouraj mehrere anonyme Drohanrufe erhalten in denen sie mit homophoben Äusserungen beschimpft werden und weitere Angriffe angedroht werden. Das Büro von Kouraj ist seit dem Angriff geschlossen. Ein Friedensrichter (juge de paix) hat die Büroräume aufgesucht, um einen Bericht über den Vorfall zu verfassen, und Kouraj hat den Vorfall auch der Polizei gemeldet.

Die Demonstrationen gegen gleichgeschlechtliche Beziehungen im Juli und August 2013 und die damit einhergehende Debatte über Homosexualität in Haiti hat die Bekanntheit der Organisation Kouraj und ihres Einsatzes für LGBTI erhöht. Nach diesen Demonstrationen erhielten Kouraj-AktivistInnen auch bereits zahlreiche Drohungen.

Hintergrundinformationen

Kouraj (Haitianisches Kreolisch für „courage“ - Mut) wurde 2009 unter dem Namen „Amis-Amis“ (Freunde-Freunde) gegründet und im Dezember 2011 in Kouraj umbenannt. Es handelt sich um AktivistInnen, „die sich für die Förderung der Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgendern (LGBT)“ (auf haitianischem Kreolisch bekannt als M for Masisi, Madivin, Makomer oder Mix) auf Haiti einsetzen und ein öffentliches Bewusstsein für die Diskriminierung und die Stigmatisierung ihrer Gemeinschaft schaffen wollen.
Im vergangenen Sommer fanden in Port-au-Prince und anderen Teilen des Landes Demonstrationen gegen gleichgeschlechtliche Beziehungen und Ehen in Haiti statt. Sie führten zur Bedrohung von LGBTI-MenschenrechtsverteidigerInnen und zu Angriffen und der Schikanierung von LGBTIs und Menschen, die als LGBTIs wahrgenommen werden. So erhielten beispielsweise Kouraj-AktivistInnen und insbesondere ihr Vorsitzender Drohungen, nachdem religiöse VertreterInnen zu einer ersten Demonstration gegen Homosexualität aufgerufen hatten (siehe UA-186/2013 und weitere Informationen http://www.amnesty.de/urgent-action/ua-186-2013/lgbti-aktivistinnen-gefahr). Sie wurden per Telefon, über Facebook und in ihrem Büro in Port-au-Prince bedroht. Daraufhin beschlossen sie, das Büro zu verlegen. In den neuen Büroräumen sind sie jetzt überfallen worden.
AktivistInnen von Kouraj berichteten Amnesty International, wie sich die Situation von LGBTI-Menschen seit dem Erdbeben am 12. Januar 2010 verschlechtert hat, besonders dadurch, dass viele religiöse Gruppen aus Nordamerika nach Haiti gekommen sind. Viele dieser religiösen Gruppen nennen Homosexualität auf Haiti als einen der Gründe für das Erdbeben und den Ursprung der Probleme des Landes.

12 Briefe verschickt  
My Urgent Actions
Fürs Mitzählen lassen Ihres Briefes und Update-Funktion zu nutzen müssen Sie sich
einloggen oder
anmelden
Downloads
UA 320/13 english
Microsoft Word Document, 61.0 kB
UA 320/13 français
Microsoft Word Document, 61.5 kB
UA 320/13 deutsch
Microsoft Word Document, 62.5 kB
Mehr zum Thema

LGBTI

Jeder Mensch hat die gleichen Rechte – doch trotzdem werden Homosexuelle in vielen Ländern bedroht, ins Gefängnis gesteckt oder gar zur Hinrichtung verurteilt. Mehr