Benutzerspezifische Werkzeuge
Amnesty Urgent Actions
Startseite Urgent Actions 2013 09 Community leader killed, others at risk
UA 266/13
Kolumbien
Abgeschlossen am 7. November 2013

Gemeindesprecher getötet, weitere Personen in Gefahr

AI-Index: AMR 23/044/2013

Im Nordwesten Kolumbiens wurde ein Gemeindesprecher getötet, der seine Rückkehr in die Gemeinde Ituango plante. Von dort sind hunderte GegnerInnen eines Staudammprojekts vertrieben worden.

Der Gemeindesprecher und Bergarbeiter Nelson Giraldo wurde am 17. September am Ufer des Flusses Cauca in der Region Sardinas der Gemeinde Ituango im Departamento Antioquia getötet. Er war ein führendes Mitglied der Ríos Vivos Antioquia-Bewegung, die die Interessen der seit März 2013 aus mehreren Gemeinden im Norden und Westen des Departmento Antioquia Vertriebenen vertritt. Nelson Giraldo wurde mit Schusswunden in Brust und Beinen und durchgeschnittener Kehle aufgefunden. Er war in die Gemeinde gereist, um zu prüfen, ob für ihn und seine Familie die Möglichkeit einer Rückkehr bestand. Am 9. September hatte ein Gericht in der Stadt Medellin die Behörden dazu aufgefordert, die von Mitgliedern der Ríos Vivos-Bewegung geforderten Schutzmassnahmen umzusetzen.

Infolge einer Reihe von Zwischenfällen, darunter Drohungen durch Paramilitärs, Guerilla-Angriffe, Kämpfe zwischen den Streitkräften und Guerillagruppen sowie Massenfestnahmen von GegnerInnen eines Staudammprojekts am Fluss Cauca, bekannt als Hidroituango, sind rund 250 BergarbeiterInnen und weitere Gemeindeangehörige, für die der Fluss den Lebensunterhalt sichert, aus der Region geflohen. In den vergangenen Jahren wurden die GegnerInnen der Baumassnahmen wiederholt von den Sicherheitskräften als GuerillakämpferInnen bezeichnet und daraufhin willkürlich in Haft genommen. Diejenigen, die als UnterstützerInnen von Guerillagruppen gelten, sind häufig Opfer von Menschenrechtsverletzungen geworden, darunter aussergerichtliche Hinrichtungen, Drohungen, Verschwindenlassen und Vertreibung. BergarbeiterInnen und andere BewohnerInnen der zwölf Gemeinden, die von dem Bau des Damms betroffen sind, befürchten, dass sie dadurch ihre Lebensgrundlage verlieren.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Die Ríos Vivos-Bewegung wird von kolumbianischen Gemeinden getragen, die von gross angelegten Energieprojekten betroffen sind. Diese umfassen überwiegend Staudämme und weitere Projekte, die laut den GemeindebewohnerInnen ihren Zugang zu Wasserressourcen einschränken. Die Organisation setzt sich zudem für den Schutz der Lebensgrundlage der BewohnerInnen der von den Energieprojekten betroffenen Gemeinden ein. Ihr Ziel ist die Verteidigung der bürgerlichen, politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und ökologischen Rechte der von den gross angelegten Projekten betroffenen Menschen. Im Fall des Departmento Antioquia sind verschiedene soziale Organisationen, Gruppen und Einzelpersonen der von dem Bau des Staudamms betroffenen Gemeinden Ituango, San Andrés de Cuerquía, Toledo, Briceño, Yarumal, Sabanalarga, Liborina und Olaya, Teil der Ríos Vivos Antioquia-Bewegung.

Der Hidroituango-Staudamm wird in einem Gebiet gebaut, das vom bewaffneten Konflikt betroffen ist. Dort verübten in den 90-Jahren Paramilitärs in Absprache mit den Sicherheitskräften der Gemeinde Ituango eine Reihe von Massakern. Viele dieser Menschenrechtsverstösse wurden bislang nicht vor Gericht gebracht und diejenigen, die sich für eine Untersuchung der Verbrechen einsetzen, werden aufgrund ihres Kampfes gegen die Straffreiheit bedroht.

In dem seit langem andauernden bewaffneten Konflikt in Kolumbien bezeichnen Sicherheitskräfte und Paramilitärs Mitglieder von Menschenrechtsorganisationen, Gewerkschaften und anderen gesellschaftlichen Organisationen häufig als KollaborateurInnen oder UnterstützerInnen von Guerillagruppen. In der Folge werden sie häufig bedroht, entführt oder getötet. Auch Guerillagruppen haben jedoch schon mehrere MenschenrechtsverteidigerInnen bedroht oder getötet, da sie der Ansicht waren, diese würden mit ihren GegnerInnen zusammenarbeiten.

12 Briefe verschickt  
My Urgent Actions
Fürs Mitzählen lassen Ihres Briefes und Update-Funktion zu nutzen müssen Sie sich
einloggen oder
anmelden
Downloads
UA 266/13 english
Microsoft Word Document, 58.0 kB
UA 266/13 espagnol
Microsoft Word Document, 191.5 kB
UA 266/13 deutsch
Microsoft Word Document, 60.5 kB
UA 266/13 français
Microsoft Word Document, 58.5 kB