Benutzerspezifische Werkzeuge
Amnesty Urgent Actions
Startseite Urgent Actions 2013 09 Death threats for human rights defenders
UA 265/13
Kolumbien
Abgeschlossen am 6. November 2013

Morddrohungen gegen vier Menschenrechtsverteidigerinnen

AI-Index: AMR 23/043/2013

Vier Menschenrechtsverteidigerinnen aus dem Südwesten Kolumbiens haben Morddrohungen erhalten. Die Frauen fordern Gerechtigkeit für schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen, die unter Beteiligung der Streitkräfte begangen wurden.

Am 15. September wurde eine schriftliche Morddrohung unter der Tür des Büros der Menschenrechtsorganisation NOMADESC (Asociación para la Investigación y Acción Social) in Cali im Departamento Valle de Cauca durchgeschoben. Dort fand zu dieser Zeit gerade ein gemeinsamer Workshop der NOMADESC und des Komitees der Zuckerrohrarbeiterinnen (Comité de Mujeres Corteras de la Caña) statt.

Die Drohung enthielt die Namen der beiden NOMADESC-Mitglieder Berenice Celeyta und Olga Araújo sowie den von Alfamir Castillo, einem Mitglied des Komitees der Zuckerrohrarbeiterinnen. Ausserdem wurde in dem Drohbrief auch Martha Giraldo namentlich erwähnt. Sie gehört der Nationalen Bewegung der Opfer von staatlichen Verbrechen (Movimiento Nacional de Víctimas de Crímenes de Estado – MOVICE) im Departamento Valle de Cauca an.

Alle vier Menschenrechtsverteidigerinnen setzen sich für Gerechtigkeit in Fällen schwerwiegender Menschenrechtsverletzungen ein. In einigen dieser Fälle sind Angehörige der Streitkräfte wegen aussergerichtlicher Hinrichtungen für schuldig befunden worden. NOMADESC arbeitet zudem eng mit afro-kolumbianischen, indigenen und kleinbäuerlichen Gemeinschaften zusammen, die im Rahmen von gross angelegten Wirtschaftsvorhaben, u. a. in den Bereichen Bergbau, Wasserkraft und Agrarindustrie, zum Opfer von schweren Menschenrechtsverletzungen durch Angehörige paramilitärischer Gruppierungen und der Sicherheitskräfte geworden sind. Am 22. September leiteten die vier Frauen ein öffentliches Treffen zur Stärkung von Frauen, die sich für ökonomische, soziale, kulturelle und ökologische Rechte in Cali einsetzen.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Berenice Celeyta und Olga Araújo erhalten bereits seit vielen Jahren immer wieder Drohungen. Im Juni 2013 klagte die Generalstaatsanwaltschaft drei Angehörige der Streitkräfte im Zusammenhang mit der „Operation Drache“ an. Im Rahmen dieser vom Militärgeheimdienst koordinierten Operation sollten MenschenrechtsverteidigerInnen, GewerkschafterInnen und linksgerichtete PolitikerInnen getötet werden. Auch die Namen von Berenice Celeyta und Olga Araújo waren auf einer Liste von Zielpersonen vermerkt. Alfamir Castillo und Martha Giraldo sind ebenfalls schon mehrfach bedroht worden.
Alfamir Castillo ist die Mutter von Davey Mosquera Castillo, der am 8. Februar 2008 zusammen mit Alex Hernando Ramírez Hurtado von Angehörigen der kolumbianischen Armee im ländlich gelegenen Manziales im Departamento Caldas getötet wurde. SoldatInnen des 57. Bataillons zur Guerillabekämpfung Martíres de Puerres der VIII. Brigade der kolumbianischen Streitkräfte waren an dem Mord beteiligt. Sieben Angehörige der kolumbianischen Streitkräfte wurden wegen ihrer Beteiligung an der aussergerichtlichen Hinrichtung von Davey Mosquera Castillo und Alex Hernando Ramírez Hurtado für schuldig befunden. Gegen diese Urteile läuft derzeit ein Rechtsmittelverfahren. Im August wurde eine Anhörung anberaumt, im Rahmen derer die Verantwortung hochrangiger Offiziere an den Tötungen geklärt werden soll.
Martha Giraldo ist die Tochter des Kleinbauern José Orlando Girlado Becerra, der am 11. März 2006 von Angehörigen der III. Brigade im Verwaltungsbezirk Golondrinas in Cali (Departamento Valle de Cauca) getötet wurde. Man bezeichnete ihn anschliessend als im Kampf gefallenen Guerillakämpfer. Dieses Vorgehen, bei dem ZivilistInnen rechtswidrig von den Sicherheitskräften getötet und dann als im Kampf gefallene Guerillakämpfer präsentiert werden, wird „falsos positivos“ („falsche Erfolgsmeldungen“) genannt. Im August 2013 bestätigte ein Gericht das Urteil gegen einen ehemaligen Leiter des Militärgeheimdienstes des Battallón de Alto Montaña 3 wegen der aussergerichtlichen Hinrichtung von José Orlando Girlado Becerra. Gegen andere Angehörige der Streitkräfte wird noch immer wegen der vermeintlichen Beteiligung an der Tötung des Kleinbauern ermittelt.
Im Laufe des bewaffneten innerstaatlichen Konflikts in Kolumbien, der sich schon über vier Jahrzehnte hinzieht, haben die Sicherheitskräfte systematisch zahlreiche Menschen aussergerichtlich hingerichtet. Das Vorgehen der Sicherheitskräfte ist Teil ihrer Strategie zur Bekämpfung von Aufständen. Die Generalstaatsanwaltschaft Kolumbiens untersucht mehr als 4.000 Fälle aussergerichtlicher Hinrichtungen, für welche die Sicherheitskräfte verantwortlich sein sollen. Dazu zählen auch zahlreiche sogenannte „falsos positivos“. In Kolumbien werden Menschen, die Gerechtigkeit für die Opfer von aussergerichtlichen Hinrichtungen einfordern, immer wieder von den Sicherheitskräften oder ihren paramilitärischen Verbündeten mit dem Tod bedroht oder ermordet.
Im Dezember 2012 wurde eine Verfassungsreform verabschiedet, die die Befugnisse der Militärjustiz erweiterte. Im Juni 2013 verabschiedete der kolumbianische Kongress ein Gesetz zur Umsetzung dieser Reform. Es wird befürchtet, dass diese Reform die Straffreiheit bei Verstössen gegen Menschenrechtsabkommen und das humanitäre Völkerrecht, die von kolumbianischen Sicherheitskräften begangen werden, erhöhen wird. Weitere Informationen dazu finden Sie in der englischen Presseerklärung: http://www.amnesty.org/en/for-media/press-releases/colombia-congress-should-reject-law-reforming-military-justice-system-2013-).

 

15 Briefe verschickt  
My Urgent Actions
Fürs Mitzählen lassen Ihres Briefes und Update-Funktion zu nutzen müssen Sie sich
einloggen oder
anmelden
Downloads
UA 265/13 english
Microsoft Word Document, 60.5 kB
UA 265/13 français
Microsoft Word Document, 60.5 kB
UA 265/13 espagnol
Microsoft Word Document, 193.5 kB
UA 265/13 deutsch
Microsoft Word Document, 63.0 kB
Mehr zum Thema

Menschenrechtsverteidiger

Grundlegende Infos über die Menschenrechte und die verschiedenen internationalen Abkommen. Mehr