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Startseite Urgent Actions 2013 09 Over 150 refugees from Syria detained
UA 259/13
Ägypten
Abgeschlossen am 1. November 2013

Mindestens 150 Flüchtlinge aus Syrien inhaftiert

AI-Index: MDE 12/055/2013

Mindestens 150 Flüchtlinge sind in Ägypten inhaftiert worden, nachdem sie versucht hatten, Ägypten auf einem Boot zu verlassen. In der Gruppe befindet sich auch ein neunjähriger unbegleiteter Junge. Ägypten ist nach internationalem Recht verpflichtet, Menschen zu schützen, die vor dem bewaffneten Konflikt in Syrien fliehen.

Mehr als 150 syrische und palästinensische Flüchtlinge wurden festgenommen und inhaftiert, als die ägyptische Marine in den frühen Morgenstunden des 17. September ein Boot abfing und zur ägyptische Küste zurückschleppte, mit dem die Flüchtlinge aus Alexandria in Richtung Italien aufgebrochen waren. Zwei Menschen sollen bei dieser Operation durch Schüsse von MarinesoldatInnen zu Tode gekommen sein. Die Einzelheiten zu diesem Vorfall müssen jedoch erst noch bestätigt werden und auch die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen. Die Flüchtlinge wurden zur 2. Polizeiwache Montazah im Osten von Alexandria gebracht und werden derzeit dort festgehalten. Berichten zufolge ist ein Teil der Flüchtlinge an einem anderen Ort inhaftiert worden.

Der neunjährige Mahmoud Shawkat Ashram aus Aleppo in Nordsyrien ging am Abend des 16. September mit einem Freund seiner Familie an Bord des Bootes. Seine Mutter, sein Vater und seine Geschwister blieben im Hafen, um auf einem zweiten Boot zu folgen. Die Mutter von Mahmoud Shawkat Ashram hat Amnesty International berichtet, dass sie seit seiner Inhaftierung vor der 2. Polizeiwache Montazah in Alexandria ausharrt. Obwohl sie die PolizistInnen der Wache bereits mehrmals gefragt hat, ob sie ihren Sohn sehen kann, haben diese einen Besuch bislang mit der Begründung abgelehnt, sie dürfe während der laufenden Ermittlungen nicht zu ihm. Die Mutter konnte ihren Sohn jedoch per Handy erreichen und er berichtete ihr, dass er mit einer grossen Gruppe von Menschen festgehalten werde. Er erzählte ihr auch, dass er die Leichen der beiden Menschen gesehen habe, die auf dem Boot erschossen worden sein sollen.

Laut Amnesty International vorliegenden Informationen werden die Ermittlungen auf der 2. Wache Montazah von der ägyptischen Staatssicherheit durchgeführt.

Flüchtlinge werden über längere Zeiträume unter schlechten Bedingungen in Haft gehalten oder können auch unter Verstoss gegen Ägyptens Verpflichtung, Flüchtlingen Schutz zu gewähren, die vor einem Konflikt fliehen, aus Ägypten abgeschoben werden.

Hintergrundinformationen

Laut Angaben des UNHCR gibt es in Ägypten 117.470 Personen, die als Flüchtlinge aus Syrien registriert sind bzw. auf ihre Registrierung als Flüchtlinge warten. Nachdem das Militär Mohammed Mursi am 3. Juli entmachtet hatte, wurden umgehend strengere Richtlinien für SyrerInnen erlassen, die nach Ägypten einreisen. Sie brauchen seit dem 8. Juli ein Visum zur Einreise. Seit dem 1. Juli haben die ägyptischen Behörden Hunderte SyrerInnen und PalästinenserInnen aus Syrien festgenommen, von denen sich viele in Haft befinden. Mehr als 200 von ihnen wurden in die Türkei oder den Libanon abgeschoben. Am 26. Juli äusserte sich der UNHCR besorgt über die Situation der syrischen Flüchtlinge in Ägypten und warnte vor willkürlichen Festnahmen im Kontext einer „zunehmend anti-syrischen Stimmung“.

Zusätzlich zu 4,5 Millionen Binnenflüchtlingen im Land haben über zwei Millionen Flüchtlinge Syrien infolge des Konflikts verlassen. Mehr als die Hälfte der gut 530.000 in Syrien lebenden palästinensischen Flüchtlinge sind im Zuge der Kämpfe oder damit verbundenen Menschenrechtsverstössen vertrieben worden. Nach Angaben örtlicher AktivistInnen sind mindestens 1.400 von ihnen getötet worden, in der Mehrzahl Zivilpersonen.

 

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