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Startseite Urgent Actions 2013 09 Paramilitary abduction near peace community
UA 255/13
Kolumbien
Abgeschlossen am 30. Oktober 2013

Paramilitärs bedrohen Friedensgemeinde

AI-Index: AMR 23/042/2013

Kolumbianische Militärangehörige und Paramilitärs haben BewohnerInnen der Friedensgemeinde San José de Apartadó und andere Zivilpersonen in der Region bedroht. Ein Kleinbauer ist verschleppt worden, und zahlreiche Menschen wurden vertrieben.

SoldatInnen der Mobilen Brigade 24 der kolumbianischen Armee hielten am 11. September im Weiler La Resbalosa im Departamento Antioquia einen Bewohner der Friedensgemeinde San José de Apartadó an. Sie bedrohten ihn mit vorgehaltener Waffe und erklärten ihm, die Friedensgemeinde werde – mit Paramilitärs auf der einen Seite und der Armee auf der anderen – nicht mehr lange existieren. Zudem erlaube das Militärjustizsystem diesen beiden Gruppen, alles zu tun, was sie wollten.“ (el fuero military les iba a permitir hacer lo que quisieran). Nach einer halben Stunde liessen die Militärangehörigen den Mann wieder frei.

In jüngster Zeit ist immer wieder über die Präsenz von Paramilitärs und Streitkräften in der Region berichtet worden. Am 31. August wurde im Weiler La Hoz des Verwaltungsbezirks Apartadó der Kleinbauer Buenaventura Hoyos Hernández von Paramilitärs festgenommen. Zuletzt wurde er am 3. September gesehen, als Paramilitärs ihn gefesselt aus La Hoz fortbrachten. Seine Familie ist aus dem Ort geflohen. Seit dem 26. August haben über 50 weitere Personen den Ort verlassen, nachdem dort Paramilitärs einen Stützpunkt errichtet haben. Örtlichen Quellen zufolge sind Militärangehörige nur 400 Meter von La Hoz entfernt gesehen worden. Die SoldatInnen griffen jedoch nicht ein, um den Schutz der Zivilbevölkerung zu gewährleisten. In den vergangenen Wochen, vor allem Ende August, sind Paramilitärs in mehreren Orten der Friedensgemeinde aufgetaucht und haben anhand einer Namensliste nach Personen gefragt, die sie als Mitglieder der Guerilla bezeichneten.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Die „Friedensgemeinde“ San José de Apartadó setzt sich aus BewohnerInnen mehrerer Weiler und Dörfer zusammen, die in der Gemeinde Apartadó des nordwestlich gelegenen Departamento Antioquia liegen. Die BewohnerInnen der Region verteidigen sowohl gegenüber den Sicherheitskräften als auch den Guerillaeinheiten ihr Recht, nicht in den bewaffneten Konflikt Kolumbiens hineingezogen zu werden, und wehren sich dagegen, für eine der Seiten Partei ergreifen zu müssen. Dementsprechend verweigern die BewohnerInnen auch das Tragen von Waffen und liefern keiner der beiden Seiten Informationen oder logistische Unterstützung. Als Gegenleistung verlangt die Friedensgemeinde, dass die an dem bewaffneten Konflikt beteiligten Parteien sich von ihrem Land fernhalten und ihre neutrale Position respektieren.
Die Friedensgemeinde San José de Apartadó wurde am 23. März 1997 gegründet. Seitdem sind über 170 BewohnerInnen der Friedensgemeinde und ihrer Umgebung getötet worden oder dem Verschwindenlassen zum Opfer gefallen, weitere Personen wurden bedroht oder sexuell missbraucht. Die BewohnerInnen der Friedensgemeinde befinden sich daher in ständiger Gefahr. Die Mehrzahl der Tötungen wurde von Paramilitärs mit Billigung und Unterstützung der Streitkräfte in der Region begangen. In anderen Fällen wurden die Tötungen von Guerillagruppen verübt. In den vergangenen zehn Jahren wurden neben BewohnerInnen der Friedensgemeinde auch Menschen getötet, die lediglich nahe des von der Friedensgemeinde besiedelten Gebietes lebten oder enge Verbindungen zu den BewohnerInnen unterhielten. Oftmals gingen den Tötungen Phasen massiver Drohungen gegen BewohnerInnen der Friedensgemeinde voraus. Allem Anschein nach sollen die Menschen durch solche Massnahmen eingeschüchtert werden.
Personen, die ihre Teilnahme an dem bewaffneten Konflikt verweigern und für keine der Seiten Partei ergreifen, sehen sich Verdächtigungen und Feindseligkeiten vonseiten der Paramilitärs, der Armee und der Guerillagruppierungen gegenüber. Die paramilitärischen Gruppen in Kolumbien sind angeblich im Rahmen des von der Regierung unterstützten Demobilisierungsprozesses, der im Jahr 2003 begann, aufgelöst worden. Dass diese Gruppen dennoch weiterhin existieren und operieren, belegen die von ihnen in verschiedenen Teilen des Landes verübten Tötungen und ihre Drohungen gegen MenschenrechtsverteidigerInnen und andere Mitglieder der Zivilgesellschaft.
Im Dezember 2012 wurde eine Verfassungsreform verabschiedet, die die Befugnisse der Militärjustiz erweiterte. Im Juni 2013 verabschiedete der kolumbianische Kongress ein Gesetz zur Umsetzung dieser Reform. Es wird befürchtet, dass diese Reform die Straffreiheit bei Verstössen gegen Menschenrechtsabkommen und das humanitäre Völkerrecht, die von kolumbianischen Sicherheitskräften begangen werden, erhöhen wird.

 

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