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Startseite Urgent Actions 2013 09 Woman leaves hair uncovered, risks flogging
UA 253/13
Sudan
Abgeschlossen am 21. September 2013
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Trial postponed until 4 November

Amira Osman Hamed, a Sudanese women’s rights activist, has had her trial postponed until 4 November 2013. She was arrested in August and charged with ‘indecent dress’ for refusing to wear her headscarf. If convicted, she risks receiving up to 40 lashes.

Drohende Auspeitschung wegen unbedecktem Haar

AI-Index: AFR 54/020/2013

Die sudanesische Frauenrechtlerin Amira Osman Hamed muss am 19. September vor Gericht, weil sie sich geweigert hat, in der Öffentlichkeit ihr Haar zu bedecken. Ihr drohen bis zu 40 Peitschenhiebe wegen „anstössiger oder unmoralischer Kleidung“.

Amira Osman Hamed wurde am 27. August von der Polizei für öffentliche Ordnung festgenommen und beschuldigt, sich „anstössig oder unmoralisch gekleidet“ zu haben, weil sie sich geweigert hatte, ihr Haar mit einem Kopftuch zu bedecken. Die Bauingenieurin arbeitete gerade in Jabal Awliya, einem Vorort von Khartum, als sich ihr zehn PolizistInnen näherten und ihr drohten, sie zur Wache zu bringen, da sie kein Kopftuch trage. Sie fuhren sie dann zum Büro des Staatsanwalts und dort wurde wegen „anstössiger Kleidung“ Anklage nach Artikel 152 des sudanesischen Strafgesetzbuchs von 1991 gegen sie erhoben. Die Polizei hielt sie noch vier Stunden auf der Polizeiwache fest und liess sie dann gegen Kaution frei.

Das Verfahren gegen Amira Osman Hamed ist für den 19. September anberaumt. Falls sie schuldig gesprochen wird, könnte sie zu körperlicher Züchtigung in Form von 40 Peitschenhieben verurteilt werden. Der ursprüngliche Termin für die Anhörung vor Gericht am 1. September wurde verschoben, da Berichten zufolge der Richter erkrankt war.

Amira Osman Hamed wurde auf Grundlage desselben Gesetzes bereits 2002 angeklagt und zu einer Geldstrafe verurteilt, weil sie Hosen getragen hatte. Amnesty International hat bereits mehrere Fälle von Frauen und Mädchen dokumentiert, die wegen „anstössiger oder unmoralischer Kleidung“ verurteilt wurden, denn diese gesetzliche Vorschrift wird in diskriminierender Weise und unverhältnismässig oft gegen Frauen eingesetzt.

Amnesty International setzt sich gegen die Prügelstrafe ein, da sie nach dem internationalen Gewohnheitsrecht einen Verstoss gegen das uneingeschränkte Verbot von Folter und anderweitiger grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe darstellt. Im UN-Übereinkommen gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe wird dieses Verbot ausgeführt. Als Vertragsstaat der Antifolterkonvention darf Sudan nicht gegen Ziel und Zweck des Übereinkommens verstossen.

Hintergrundinformationen

Der Fall der Journalistin Lubna Hussein 2009 rückte das Auspeitschen von Frauen im Sudan wegen „anstössiger oder unmoralischer Kleidung“ nach Artikel 152 des Strafgesetzbuchs von 1991 in das Licht der Öffentlichkeit.
Artikel 152 führt aus: „(1) Wer in der Öffentlichkeit eine anstössige Handlung begeht oder sich anstössig verhält oder in einer Weise, die der öffentlichen Moral zuwiderläuft oder anstössige oder unmoralische Kleidung trägt, die ein öffentliches Ärgernis erregt, wird mit bis zu 40 Peitschenhieben oder einer Geldbusse oder beidem bestraft. (2) Die Handlung läuft dann der öffentlichen Moral zuwider, wenn sie gemäss dem religiösen Standard der betreffenden Person oder den Sitten des Landes, in dem die Handlung stattfindet, als solche betrachtet wird.
Artikel 152 ist Teil einer Reihe von Gesetzen und Praktiken, die als das System der Öffentlichen Ordnung bekannt sind und die Verhängung von körperlichen Züchtigungsstrafen für Verhalten gestatten, das als unmoralisches Verhalten in der Öffentlichkeit oder manchmal auch im Privaten betrachtet wird. Diese Gesetze werden auf eine Vielzahl von Menschen, insbesondere Frauen, in ganz Sudan angewendet.
Das Gesetz über die öffentliche Ordnung führt nicht genau aus, was als anstössige oder unmoralische Kleidung zu betrachten ist, und gibt damit der Polizei für Öffentliche Ordnung (Public Order Police - POP) grosse Freiheit zu entscheiden, ob eine Person sich „in anstössiger Weise oder der öffentlichen Moral zuwiderlaufender Weise“ verhalten hat oder „anstössige oder unmoralische Kleidung trägt, die öffentliches Ärgernis erregt“. Das System der Öffentlichen Ordnung umfasst die POP und die Gerichte für Öffentliche Ordnung, die die Züchtigungsstrafen verhängen können.

8 Briefe verschickt  
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