Benutzerspezifische Werkzeuge
Amnesty Urgent Actions
Startseite Urgent Actions 2013 09 Government urged to halt paramilitaries
UA 247/13
Kolumbien
Abgeschlossen am 25. Oktober 2013

Paramilitärs drohen mit Mord und Vertreibung

AI-Index: AMR 23/041/2013

Paramilitärs drohen damit, Angehörige der afro-kolumbianischen Gemeinschaft in der Cacarica-Flussregion im Nordosten Kolumbiens zu töten. Die Gemeinschaft befindet sich in unmittelbarer Gefahr, vertrieben zu werden.

Am 12. September erreichten Paramilitärs die Umgebung von Bijao und El Limón sowie die beiden humanitären Schutzzonen (Zonas Humanitarias) Nueva Vida und Nueva Esperanza en Dios in der Cacarica-Flussregion der Bezirkshauptstadt Ríosucio im Departemento Chocó. Paramilitärs haben angegeben, in Besitz einer Liste von Namen von GemeinschaftssprecherInnen zu sein, die ihrer Ansicht nach mit Guerillaeinheiten kollaborieren. Personen, die von Sicherheitskräften oder Paramilitärs in Kolumbien als Guerillakollaborateure bezeichnet werden, werden oft zu Opfern von Menschenrechtsverletzungen. Dazu gehören Drohungen, Verschwindenlassen, Vertreibungen und außergerichtliche Hinrichtungen.

Am 3. September machte sich eine große Gruppe von Paramilitärs aus dem Verwaltungsbezirk Unguía im Departamento Chocó zum Fluss Cacarica auf, um den dortigen BewohnerInnen eine „Lektion zu erteilen“. Diesem Vorfall waren Zeugenaussagen vorausgegangen, wonach rund 100 Paramilitärs beim Besteigen mindestens eines Bootes im Hafen der Stadt Turbo im benachbarten Departamento Antioquia gesehen worden waren. In dieser Gegend herrscht durchgängig eine hohe Polizeipräsenz. Am 9. September erreichten Paramilitärs die Cacarica-Flussregion und durchquerten dabei das Gebiet Puente América. An diesem Ort finden regelmäßig Kontrollen durch die Armee statt. Als die Paramilitärs in dieses Gebiet kamen, war dieser Kontrollpunkt jedoch entfernt worden.

Die kolumbianische Regierung ist auf das jüngste Vorgehen der Paramilitärs aufmerksam gemacht worden, hat aber bislang keine entscheidenden Schritte eingeleitet, um ihnen entgegenzutreten. Paramilitärische Kräfte zeigen seit Jahren eine hohe Präsenz im Norden des Departamento Chocó und arbeiten eng mit der 17. Brigade der kolumbianischen Streitkräfte zusammen. Kolumbianische Menschenrechtsorganisationen und internationale NGOs verurteilen diese Zusammenarbeit bereits seit den neunziger Jahren.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Mehr als 3000 Angehörige der afro-kolumbianischen Gemeinschaft in der Cacarica-Flussregion wurden im Zuge der von der 17. Brigade koordinierten „Operation Génesis“ im Februar 1997 von Paramilitärs vertrieben. Der Großteil der Vertriebenen begann Anfang der 2000-Jahre, wieder in die Cacarica-Flussregion zurückzukehren, nachdem sie mehrere Jahre in der Gemeinde Turbo im Departamento Antioquia und anderen Gebieten verbracht hatten.

Um ihre Sicherheit zu gewährleisten, die aufgrund der andauernden Morddrohungen und Menschenrechtsverletzungen der Sicherheitskräfte und Paramilitärs gefährdet ist, gründeten die Angehörigen der betroffenen Gemeinschaften die beiden humanitären Schutzzonen (Zonas Humanitarias) Nueva Vida und Nueva Esperanza en Dios. Sie bestehen auf ihr Recht, als Zivilpersonen nicht in den Konflikt hineingezogen zu werden.

Seit ihrer Rückkehr nach Cacarica in den frühen 2000-er Jahren ist die afro-kolumbianische Gemeinschaft immer wieder Morddrohungen und Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt. Die jüngsten Drohungen und Menschenrechtsverletzungen stehen im Zusammenhang mit einer Anhörung im Verfahren zur „Operación Génesis“ vor dem Interamerikanischen Gerichtshof für Menschenrechte (Inter-American Court of Human Rights - IACtHR) im April 2013. Die paramilitärischen Einsätze finden darüber hinaus zu einer Zeit statt, in der die afro-kolumbianische Gemeinschaft für ihre Rechte angesichts der wirtschaftlichen Interessen eintritt, die mit der Rohstoffgewinnung und Infrastrukturprojekten zusammenhängen.

In dem seit langem andauernden bewaffneten Konflikt in Kolumbien bezeichnen Sicherheitskräfte und Paramilitärs Mitglieder von Menschenrechtsorganisationen, Gewerkschaften und anderen gesellschaftlichen Organisationen häufig als KollaborateurInnen oder UnterstützerInnen von Guerillagruppen. In der Folge werden sie häufig bedroht, entführt oder getötet. Auch Guerillagruppen haben jedoch schon mehrere MenschenrechtsverteidigerInnen bedroht oder getötet, da sie der Ansicht waren, diese würden mit ihren GegnerInnen zusammenarbeiten.

13 Briefe verschickt  
My Urgent Actions
Fürs Mitzählen lassen Ihres Briefes und Update-Funktion zu nutzen müssen Sie sich
einloggen oder
anmelden
Downloads
UA 247/13 english
Microsoft Word Document, 61.0 kB
UA 247/13 deutsch
Microsoft Word Document, 61.5 kB
UA 247/13 français
Microsoft Word Document, 58.5 kB
UA 247/13 espagnol
Microsoft Word Document, 191.5 kB