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Amnesty Urgent Actions
Startseite Urgent Actions 2013 08 Stop enforced disappearance by Mexican navy
UA 222/13
Mexiko
Abgeschlossen am 27. September 2013

Marinesoldaten verschleppen einen Mann

AI-Index: AMR 41/050/2013

Armando del Bosque Villarreal wurde am 3. August von Angehörigen der Marine verschleppt. Seither ist er nicht mehr gesehen worden. Die Marinebehörden bestreiten, ihn in Haft zu halten. Somit sind in der Grenzstadt Nuevo Laredo bzw. in deren Umgebung seit dem 29. Juli bereits vier Menschen „verschwunden“.

Augenzeugenberichten zufolge fuhr Armando del Bosque Villarreal am 3. August durch die Stadt Colombia im Bundesstaat Nuevo León (wenige Minuten von Nuevo Laredo entfernt), als sein Fahrzeug von MarinesoldatInnen angehalten wurde. Sie zerrten den 33-Jährigen aus seinem Auto, legten ihm Handschellen an und fuhren ihn mit einem Militärfahrzeug weg. Zwei Angehörige der örtlichen Polizei waren bei der Festnahme anwesend. Armando del Bosque Villarreal wurde in eine provisorische Einrichtung der Marine ausserhalb der Stadt gebracht. Dorthin ging sein Vater einige Minuten später und wurde dort von einem Hauptmann darüber in Kenntnis gesetzt, dass sein Sohn festgenommen worden sei und nun verhört werde. Der Hauptmann sicherte dem Vater zu, ihn über die Situation seines Sohnes auf dem Laufenden zu halten.

Eine Stunde später traf der Vater den Militärangehörigen erneut. Diesmal bestritt der Hauptmann, dass Armando del Bosque Villarreal festgenommen worden war, und lehnte es auch ab, dem Vater weitere Informationen zu geben. Andere Angehörige der Marine haben ebenfalls widersprüchliche Angaben gemacht. So hiess es in einer der Angaben, Armando del Bosque Villarreal sei zuletzt gesehen worden, als er in Richtung Nuevo Laredo gefahren sei, einer anderen Angabe zufolge hatte er bei der Festnahme fliehen können. Keine dieser Behauptungen konnte durch Augenzeugenberichte belegt werden.

Armando del Bosque Villarreal ist seit seiner Festnahme nicht mehr gesehen worden. Familienangehörige haben bei der Generalstaatsanwaltschaft und der staatlichen Menschenrechtskommission Anzeige erstattet, die durch Angaben von vier AugenzeugInnen gestützt wird. Es gibt keine Beweise dafür, dass eine wirksame Suche nach Armando del Bosque Villarreal bzw. eine Untersuchung seines mutmasslichen Verschwindenlassens eingeleitet wurde.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Die Zahl von in Mexiko verschwundenen Personen – entweder von kriminellen Banden entführt oder dem Verschwindenlassen durch RegierungsbeamtInnen zum Opfer gefallen – ist seit Dezember 2006 stark angestiegen. Damals begann eine gross angelegte Kontrolloperation der mexikanischen Regierung zur Bekämpfung des organisierten Verbrechens, bei der im ganzen Land Militär stationiert wurde. Die aktuelle Regierung unter Präsident Enrique Peña Nieto hat im Februar 2013 eine Liste von über 26.000 Personen veröffentlicht, die seit 2006 vermisst gemeldet worden sind. Die Regierung hat jedoch keinerlei weitere Angaben zum Verbleib dieser Personen gemacht.

Amnesty International hat die Fälle von mindestens 152 seit 2007 verschwundenen Personen dokumentiert. In mindestens 85 dieser Fälle liegt ausreichendes Beweismaterial über die Beteiligung von BeamtInnen vor, um nach dem Völkerrecht den Tatbestand des Verschwindenlassens zu erfüllen. Die staatliche Mexikanische Menschenrechtskommission hat im Juni 2013 eingeräumt, dass ihr 2400 Fälle von Verschwindenlassen vorliegen, an denen BehördenvertreterInnen beteiligt sein sollen.

Das mutmassliche Verschwindenlassen von Armando del Bosque Villarreal ist der vierte Fall von „Verschwundenen“ in Nuevo Laredo seit dem 29. Juli (s. UA-216/2013 unter http://www.amnesty.de/urgent-action/ua-219-2013/drei-personen-verschleppt). Angehörige der mexikanischen Marine waren auch 2011 für das Verschwindenlassen von sechs Männern in derselben Region verantwortlich. Obwohl die Nationale Menschenrechtskommission in Mexiko diese sechs Fälle als Verschwindenlassen anerkannt hat und eine umfassende Untersuchung empfahl, ist bislang weder das Schicksal der sechs Männer bekannt noch sind Angehörige des Militärs zur Verantwortung gezogen worden (siehe auch UA-177/2011-1: http://www.amnesty.de/urgent-action/ua-177-2011-1/sechs-maenner-verschwunden).

Die Regierung von Präsident Peña Nieto erkennt zwar in Teilbereichen die Schwere der Situation an, nicht aber das Ausmass der Beteiligung von BeamtInnen an dem Verschwindenlassen und das anhaltende Versagen der Behörden, zielführende Untersuchungen durchzuführen. Darüber hinaus leugnen auch zahlreiche Bundesstaaten bislang rundweg die Beteiligung der Behörden.

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