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Amnesty Urgent Actions
Startseite Urgent Actions 2013 06 Florida sets execution of ‘non-triggerman’ Execution carried out in Florida
FI 148/13-1
USA (Florida)
Abgeschlossen am 13. Juni 2013

Hinrichtung vollzogen

AI-Index: AMR 51/037/2013

William Van Poyck wurde am 12. Juni in Florida hingerichtet. Er war 1988 wegen Mordes an einem Gefängniswärter zum Tode verurteilt worden.

Am 24. Juni 1987 wurde der Gefängniswärter Fred Griffis erschossen, als er zusammen mit einem anderen Wärter einen Häftling zu einem Arzt ausserhalb des Gefängnisses brachte. Die beiden Männer, die an dem Ausbruchsversuch dieses Häftlings beteiligt waren, William Van Poyck und Frank Valdes, wurden nach einer Verfolgungsjagd mit der Polizei in Haft genommen, des Mordes angeklagt und zum Tode verurteilt.

Frank Valdes erlag 1999 seinen schweren Verletzungen, die ihm GefängniswärterInnen zugefügt haben sollen, als er in einer Einzelzelle im Hochsicherheitsflügel des Florida-State-Gefängnisses inhaftiert war. 2002 wurden drei GefängniswärterInnen in diesem Fall freigesprochen, und Anklagen gegen fünf weitere wegen Verabredung zum Mord wurden fallen gelassen. Weitere Informationen hierzu finden Sie in dem englischen Bericht USA: Amnesty International deeply disturbed by apparent impunity for guards in Frank Valdes killing, online unter: http://www.amnesty.org/en/library/info/AMR51/076/2002/en.

Die Rechtsbeistände von William Van Poyck legten eine Reihe letztinstanzlicher Rechtsmittel ein, um eine Hinrichtungsaussetzung zu erwirken und um zu erreichen, dass erneut den Fragen nachgegangen wird, William Van Poyck sei vor Gericht nicht angemessen vertreten worden und sei zudem nicht der Schütze der Mordwaffe gewesen. Das Oberste Gericht Floridas wies diese Rechtsmittel am 6. Juni zurück und lehnte auch einen Hinrichtungsaufschub ab. Die Rechtsbeistände von William Van Poyck wandten sich daraufhin an den Obersten Gerichtshof der USA, welcher sich jedoch am 12. Juni ebenfalls gegen eine Aussetzung der Hinrichtung aussprach.

Am 12. Juni bat zudem einer der Rechtsbeistände bei Gouverneur Rick Scott schriftlich „ein letztes Mal um eine Begnadigung“. In dem Brief beschrieb der Anwalt erneut die Beweise dafür, dass William Van Poyck nicht der Schütze der Mordwaffe gewesen ist, mit der Fred Griffis getötet wurde. Das Schreiben enthielt darüber hinaus eine eidesstattliche Erklärung der Ehefrau von Frank Valdes, Wanda Valdes, mit Unterschrift vom 16. Mai. Darin versicherte sie, ihr Mann habe ihr anvertraut, dass er derjenige gewesen sei, der Fred Griffis erschossen habe, und dass William Van Poyck ihn nach der Tat gefragt habe, warum er ihn getötet habe. In der Erklärung führte sie weiter aus: „Ich habe versprochen, es niemandem zu sagen, doch Frank ist tot und ich möchte ehrlich sein. Ich kann nicht zulassen, dass jemand stirbt, obwohl ich die Wahrheit kenne.“

Der Anwalt wies darauf hin, dass er William Van Poyck seit 21 Jahren ehrenamtlich vertrete, und brachte erneut Nachweise dafür vor, dass den Geschworenen eine Reihe von Beweisen für mildernde Umstände vorenthalten worden waren, da die Prozessvertretung von William Van Poyck es versäumt habe, diese zu untersuchen. Der Anwalt endete das Schreiben mit den Worten: „[William] Van Poyck ist heute schlichtweg rehabilitiert, trotz aller Umstände, die zu seiner derzeitigen Situation geführt haben. Er hat unter äusserst schwierigen Umständen unglaublich viel erreicht“ – so hat er beispielsweise andere Gefängnisinsassen unterstützt und einige Kurzgeschichten und Romane veröffentlicht.

Der Gouverneur soll angeordnet haben, die Hinrichtung von 18.00 auf 19.00 Ortszeit zu verschieben. Nachdem der Oberste Gerichtshof die Hinrichtungsaussetzung abgelehnt hatte, wurde William Van Poyck im Florida-State-Gefängnis eine Giftspritze gesetzt. Er wurde 23 Minuten später, um 19.24 Uhr Ortszeit, für tot erklärt.

In den USA wurden in diesem Jahr bisher 15 Todesurteile vollstreckt, davon drei im Bundesstaat Florida. Seit der Wiederaufnahme von Hinrichtungen in den USA im Jahr 1977 wurden dort insgesamt 1.335 Todesurteile vollstreckt, 77 davon in Florida.

Vielen Dank allen, die versucht haben, die Hinrichtung von William Van Poyck zu verhindern.

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