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Startseite Urgent Actions 2013 05 Two men on trial for "unnatural" sex
UA 124/13
Sambia
Abgeschlossen am 26. Juni 2013

Zwei Männer in Haft wegen sexueller Beziehung «wider die Natur»

AI-Index: AFR 63/001/2013

In Sambia wurden zwei junge Männer unter dem Vorwurf, „entgegen der natürlichen Ordnung“ eine sexuelle Beziehung unterhalten zu haben, festgenommen. Die Freilassung gegen Kaution wurde ihnen verweigert und sie befinden sich in Erwartung eines Verfahrens in Haft. Die Männer mussten gegen ihren Willen Untersuchungen im Analbereich über sich ergehen lassen.

Am 6. Mai nahmen Polizeikräfte die beiden 21-Jährigen Phil Mubiana und James Mwansa in der Ortschaft Ndeke in Kapiri Mposhi in der sambischen Zentralprovinz fest. Lokale Quellen berichteten Amnesty International, ein Nachbar habe die beiden Männer bei der Polizei gemeldet, woraufhin die Festnahme erfolgte. Dies ist das zweite Mal, dass Phil Mubiana und James Mwansa unter dem Vorwurf der Homosexualität inhaftiert worden sind. Homosexualität stellt im sambischen Strafgesetzbuch eine Straftat dar. Die erste Festnahme der beiden Männer erfolgte am 25. April dieses Jahres. Damals wurden sie bis zum 2. Mai in der Polizeistation von Kapiri Mposhi festgehalten und dann gegen Kaution freigelassen.

Da Phil Mubiana und James Mwansa nun zum zweiten Mal festgenommen worden sind, mussten sie sich Untersuchungen im Analbereich unterziehen, die von staatlichen Ärzten ohne ihre Einwilligung vorgenommen wurden. Möglicherweise wurden sie ausserdem gezwungen, ein „Geständnis“ abzulegen, um das Verfahren zu beschleunigen. Die beiden Männer werden derzeit im Untersuchungsgefängnis Mpima in Kabwe, der Hauptstadt der Zentralprovinz, festgehalten. Ihr Gerichtstermin ist für den 22. Mai angesetzt. Ihnen wird vorgeworfen, unter Verstoss gegen Abschnitt 155 des Strafgesetzbuches „entgegen der natürlichen Ordnung“ eine sexuelle Beziehung unterhalten zu haben. Phil Mubiana und James Mwansa plädieren auf „nicht schuldig“.

Die Festnahme einer Person aufgrund ihrer tatsächlichen oder vermeintlichen sexuellen Orientierung kommt einer diskriminierenden Handlung gleich und verstösst gegen die Rechte auf Gewissensfreiheit, freie Meinungsäusserung und Privatsphäre. Gesetze, die Homosexualität und bestimmte Geschlechtsidentitäten unter Strafe stellen, stellen damit auch die legitime Wahrnehmung dieser Rechte unter Strafe, welche jedoch in zahlreichen von Sambia ratifizierten Verträgen geschützt sind, so zum Beispiel dem Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte und der Afrikanischen Charta der Menschenrechte und der Rechte der Völker.

Gegen den Willen der Betroffenen durchgeführte Untersuchungen im Analbereich verstossen gegen das im Völkerrecht geltende absolute Verbot der Folter und anderer grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe. Derartige Untersuchungen sind als starke Verletzung der Privatsphäre und als Misshandlung zu betrachten, sie sind äusserst erniedrigend und werden aus Diskriminierungsgründen vorgenommen. Darüber hinaus kann anhand forensischer und analer Untersuchungen in keinster Weise nachgewiesen werden, ob einvernehmlicher Analsex stattgefunden hat.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Gleichgeschlechtliche sexuelle Handlungen werden im sambischen Strafgesetzbuch unter Strafe gestellt, und auch in der Gesellschaft herrscht eine stark homophobe Einstellung. Der Inhaftierung von Phil Mubiana und James Mwansa ging vor wenigen Wochen die Festnahme eines Menschenrechtsverteidigers in der Hauptsadt Lusaka voraus, nachdem dieser sich im Fernsehen für Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgendern und Intersexuellen stark gemacht hatte. Der Menschenrechtler befindet sich derzeit gegen Kaution wieder auf freiem Fuss.

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