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Startseite Urgent Actions 2013 04 Families attacked, risk forced eviction
UA 098/13
Haiti
Abgeschlossen am 29. Mai 2013

Familien in Gefahr und drohende Zwangsräumung

AI-Index: AMR 36/008/2013

Hunderten Familien, die bei dem Erdbeben 2010 ihr Zuhause verloren hatten, droht unmittelbar die Vertreibung aus einem Notlager in der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince. Nach einem Brandanschlag und dem Tod eines Bewohners in Polizeigewahrsam sind ihre Leben in Gefahr.

Ein Mann, der geltend macht, einen Teil des Grundstücks zu besitzen, auf dem das Lager „Acra et Adoquin Delmas 33“, kam am 13. April zusammen mit einem Friedensrichter und etwa fünf PolizeibeamtInnen in das Notlager. Er kündigte den LagerbewohnerInnen in der Gemeinde Delmas der Hauptstadt Port-au-Prince an, dass sie das Lager verlassen müssten und er sie mit allen erforderlichen Mitteln vertreiben würde. Als er Schüsse in die Luft abfeuerte, begannen einige BewohnerInnen Steine zu werfen, woraufhin er den PolizeibeamtInnen anordnete, zwei von ihnen festzunehmen. Ihnen wurden Handschellen angelegt, doch gelang es den anderen BewohnerInnen bald, die Freilassung der beiden Personen zu erreichen.

Zwei Tage später gegen 2 Uhr morgens setzte eine Gruppe von Männern auf Motorrädern sieben Zelte in Brand mit dem Ziel, das Lager niederzubrennen. Den BewohnerInnen gelang es jedoch, die Feuer zu löschen, und niemand wurde verletzt. Einige BewohnerInnen baten um polizeiliche Unterstützung bei der weniger als 100 Meter entfernten Polizeistation in Delmas 33. Doch die Polizei erklärte, sie habe keine Mittel, dieser Bitte nachzukommen. Aus Protest gegen den Brandanschlag und die Gleichgültigkeit der Polizei, blockierten viele der BewohnerInnen die Strasse zwischen dem Lager und der Polizeistation. Laut Augenzeugen verhaftete die Polizei der Polizeistation Delmas 33 zwei der Demonstrierenden und schlugen einen der beiden, Civil Merius, so brutal zusammen, dass er in Polizeigewahrsam den Folgen seiner Verletzungen erlag. Der andere Festgenommene, Darlin Lexima, wurde am nächsten Tag ohne Anklage freigelassen und erzählte Amnesty International VertreterInnen in Haiti, dass er in Polizeigewahrsam geschlagen wurde.

Den LagerbewohnerInnen zufolge beheimatet das Lager etwa 5.000 Familien, insgesamt ca.32.000 Menschen. Nur etwa 100 Familien leben auf dem Grundstück, das vom vermeintlichen Landbesitzer beansprucht wird, doch der Brandanschlag hat bei allen BewohnerInnen die Angst ausgelöst, mit Gewalt vertrieben zu werden.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Am 12. Januar 2013 jährte sich das verheerende Erdbeben von Haiti zum dritten Mal. Mehr als 200 000 Menschen starben bei dem Erdbeben, etwa 2,3 Millionen wurden obdachlos. Sie hatten keine andere Wahl, als eigene Behelfsunterkünfte zu errichten, wo immer es ihnen möglich war. Drei Jahre später leben noch schätzungsweise 300 000 Menschen in provisorischen Lagern. Fast einem Viertel von ihnen droht die Zwangsräumung.

Brandanschläge auf Vertriebenenlager haben sich zu einem üblichen Verfahren entwickelt, um Familien von den Grundstücken, auf denen sie leben, zu vertreiben. Am frühen Morgen des 16. Februar wurde das Lager „Acra 1“ im Gebiet Pétion-Ville bei einem Brandanschlag zerstört. Der Anschlag erfolgte durch eine Gruppe bewaffneter Männer, die hunderte von Familien zur Flucht zwangen und obdachlos zurückliessen.

 

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