Benutzerspezifische Werkzeuge
Amnesty Urgent Actions
Startseite Urgent Actions 2013 01 Website founder on trial for «apostasy» Raif Badawi flogged in vicious act of cruelty
FI 003/13-7
Saudi Arabien
Abgeschlossen am 19. Januar 2015

Öffentliche Auspeitschung von Raif Badawi

AI-Index: MDE 23/002/2015

Raif_Briefmarathon

Der gewaltlose politische Gefangene Raif Badawi ist am 9. Januar öffentlich ausgepeitscht worden. Der saudi-arabische Aktivist erhielt auf einem Platz vor der Al-Jafali-Moschee in Jeddah 50 Hiebe. Die noch gegen ihn ausstehenden 950 Peitschenhiebe könnten im Laufe der kommenden Wochen vollstreckt werden.

Raif Badawi hat am 9. Januar die ersten 50 Peitschenhiebe erhalten. Laut Augenzeuginnen führte man ihn nach den Freitagsgebeten in Fussfesseln aus einem Bus auf einen öffentlichen Platz vor der Moschee. Umringt von Zivilpersonen und einigen Sicherheitsbeamtinnen versetzte man ihm 50 aufeinanderfolgende Peitschenhiebe auf den Rücken und die Beinen. Die Tortur dauerte etwa 15 Minuten. Anschliessend wurde er mit dem Bus wieder abtransportiert.

Es wird befürchtet, dass Raif Badawi bereits innerhalb der kommenden zwei Wochen die nächsten Peitschenhiebe erhalten wird. Gemäss dem gegen ihn erlassenen Urteil soll eine Sitzung nicht mehr als 50 Hiebe umfassen. Zwischen den Sitzungen ist eine Pause von mindestens einer Woche einzuhalten. Auspeitschung verstösst gegen das völkerrechtliche Verbot von Folter und anderer grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung.

Raif Badawi war am 7. Mai 2014 vom Strafgericht in Jeddah zu zehn Jahren Haft und 1000 Peitschenhieben verurteilt worden. Des Weiteren wurde ihm ein anschliessendes Reiseverbot von zehn Jahren, ein Verwendungsverbot für Medienkanäle und eine Geldstrafe von einer Million Saudi-Riyal (etwa 195 000 Euro) auferlegt. Er war wegen der Gründung der Website der «Saudi-Arabischen Liberalen» und «Beleidigung des Islams» schuldig gesprochen und verurteilt worden. Die Website wurde auf Anordnung des Gerichts geschlossen. Am 1. September bestätigte das Berufungsgericht in Jeddah das Urteil.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Raif Badawis Gerichtsverfahren begann im Juli 2012 vor dem allgemeinen Gericht in Jeddah. Dieses erklärte sich für nicht zuständig, da es befand, dass Raif Badawi den Islam nicht beleidigt habe und daher keine Anklage gegen ihn wegen «Apostasie» (Abfall vom Glauben) erhoben werden könne. Daher übergab das allgemeine Gericht den Fall am 21. Januar 2013 dem Strafgericht in Jeddah. Der Generalstaatsanwalt bestand jedoch darauf, dass Raif Badawi wegen «Apostasie» vor Gericht gestellt werden müsse. Der Fall wurde daraufhin einem Berufungsgericht überstellt, welches ermitteln sollte, ob der Fall dem Strafgericht in Jeddah oder einem anderen Gericht, wie dem für Fälle von «Apostasie» zuständigen allgemeinen Gericht in Jeddah, übergeben werden solle. Das Berufungsgericht in Jeddah übergab den Fall dem Strafgericht, welches Raif Badawi am 29. Juli 2013 zu einer Gefängnisstrafe von sieben Jahren und 600 Peitschenhieben verurteilte. Raif Badawis Rechtsbeistand legte gegen dieses Urteil Berufung ein, mit der Begründung, der Fall sei von einem nicht unparteiischen Vertretungsrichter verhandelt worden. Am 11. Dezember 2013 entschied das Berufungsgericht, dass der Fall neu zu verhandeln sei und schickte diesen zurück an das Strafgericht in Jeddah. Am 25. Dezember entschied der Richter des Strafgerichts schliesslich, dass der Fall nicht in seinen Zuständigkeitsbereich falle, da es sich um Anklagen wegen «Apostasie» handle. Der Fall wurde zurück an das Berufungsgericht in Jeddah überstellt, welches entscheiden sollte, ob es den Fall wieder an das Strafgericht übergeben oder ihn selbst untersuchen solle. Das Berufungsgericht schickte den Fall zurück an das Strafgericht in Jeddah, das Raif Badawi am 7. Mai 2014 zu zehn Jahren Haft, 1.000 Peitschenhieben und einer Geldstrafe von einer Million Saudi-Riyal (etwa 195 000 Euro) verurteilte. Raif Badawi legte daraufhin Rechtsmittel ein. Am 1. September 2014 bestätigte das Berufungsgericht das Urteil.
Die saudischen Behörden gehen weiterhin vermehrt gegen zivilgesellschaftliche Aktivistinnen und Menschenrechtsverteidigerinnen vor – per Gerichtsverfahren oder mit aussergerichtlichen Massnahmen wie Reiseverboten. Am 6. Juli 2014 wurde Raif Badawis Rechtsbeistand, der bekannte Menschenrechtsverteidiger Waleed Abu al-Khair, vom Sonderstrafgericht in Riad zu einer 15-jährigen Haftstrafe und einem anschliessenden Reiseverbot von 15 Jahren verurteilt. Die Anklagen gegen ihn lauten «Ungehorsam gegenüber dem Herrscher und der Versuch, seine Legitimität zu untergraben», «Kritik an der Justiz und Infragestellung der Integrität der Richter», «Gründung einer nicht genehmigten Organisation», «Schädigung des Rufs des Staates durch den Austausch mit internationalen Organisationen» und «Aufbereitung, Speicherung und Übermittlung von Informationen, die die öffentliche Ordnung beeinträchtigen». Waleed Abu al-Khair wurde am 15. April festgenommen, nachdem er zur fünften Anhörung in seinem Verfahren vor dem Sonderstrafgericht in der Hauptstadt Riad erschienen war. Zuvor war er vom Strafgericht in Jeddah zu einer dreimonatigen Haftstrafe verurteilt worden. Am 6. Februar 2014 bestätigte das Berufungsgericht in Mekka das Urteil aufgrund ähnlicher Anklagen (siehe UA-098/014, https://www.amnesty.de/urgent-action/ua-098-2014/bei-anhoerung-festgenommen).

Online-Aktion:
Fordern Sie vom saudischen König die Freilassung des kritischen Bloggers und ein Ende der barbarischen Auspeitschung. Jetzt mitmachen.

Action en ligne: Demandez au roi d’Arabie Saoudite et au Ministre de l’intérieur de mettre un terme à cette peine injuste et cruelle. Participer maintenant

48 Briefe verschickt  
My Urgent Actions
Fürs Mitzählen lassen Ihres Briefes und Update-Funktion zu nutzen müssen Sie sich
einloggen oder
anmelden
Downloads
UA 003/13-7 english
Microsoft Word Document, 63.0 kB
UA 003/13-7 français
Microsoft Word Document, 70.0 kB
UA 003/13-7 deutsch
Microsoft Word Document, 66.0 kB
Mehr zum Thema

Folter

Warum ist Folter immer falsch und nutzlos? Wie engagiert sich Amnesty für die Wahrung des absoluten Folterverbots? Mehr