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Startseite Urgent Actions 2012 07 «Murder suspect» tortured to confess 26 year sentence for high profile murder
FI 220/12-1
Tadschikistan
Abgeschlossen am 20. Mai 2013

Nach Folter zu 26 Jahren verurteilt

AI-Index: EUR 60/004/2013

Der Mordprozess gegen einen Mann, der beschuldigt wird, den Schwager des tadschikischen Präsidenten getötet zu haben, fand von Dezember 2012 bis Januar 2013 hinter verschlossenen Türen statt. Dilovarsho Qosimov wurde schuldig befunden und zu 26 Jahren Gefängnis verurteilt, obwohl sein „Geständnis“ unter Folter und anderer Misshandlung erzwungen worden sein soll.

Der Prozess gegen Dilovarsho Qosimov fand hinter verschlossenen Türen statt. Er war nach seiner Festnahme im Zusammenhang mit dem Mord an dem Schwager von Präsident Rahmon Berichten zufolge gefoltert und in anderer Weise misshandelt worden. Das Verfahren soll am 24. Dezember 2012 begonnen haben und fand in einer Untersuchungs- und Einzelhafteinrichtung unter der Zuständigkeit des Justizministeriums (SIZO) statt. Er wurde des Mordes, illegalen Waffenbesitzes und der Polygamie für schuldig befunden und am 18. Januar zu 26 Jahren Gefängnis verurteilt.

Laut Angaben seines Anwalts wurde Dilovarsho Qosimov gezwungen sich selbst zu belasten, nachdem man ihn in der Untersuchungshaft gefoltert und in anderer Weise misshandelt hatte. Vor dem Gerichtverfahren hatte er sein „Geständnis“ widerrufen. Am 13. Juni wurde der Ehemann der älteren Schwester von Präsident Rahmon mit mehreren Kopfschüssen tot aufgefunden. Am 13. Juli nahmen die Behörden den damals 45 Jahre alten Dilovarsho Qosimov unter dem Verdacht des Mordes und der Beteiligung an einem terroristischen Anschlag (§ 104 und §179, Absatz 3 des Strafgesetzbuchs) in Haft, nachdem vor seiner Wohnung in einem Wassertank Munition entdeckt worden war. Dilovarsho Qosimov gab an, die Munition gehöre ihm nicht, sondern sei von der Polizei dort deponiert worden, als die Ordnungskräfte sein Anwesen ein drittes Mal durchsuchten. Zu Beginn der ersten Vernehmung von Dilovarsho Qosimov war ein Rechtsbeistand zugegen, vom 16. bis 21. Juli wurde ihm jedoch kein Zugang zu rechtlicher Vertretung gewährt. Aus Quellen vor Ort verlautete, der Mann sei in der Hafteinrichtung der Polizeiwache von Duschanbe, wo er derzeit noch immer festgehalten wird, schwer gefoltert worden. Man habe ihm feste und flüssige Nahrung verweigert, ihm die Nase gebrochen und Schläge auf die Ohren versetzt, ihn am Schlafen gehindert und gezwungen, die gesamte Nacht stehend auszuharren. Darüber hinaus ist der Mann psychologischer Folter ausgesetzt, indem man unter anderem seine Familie mit Drohungen drangsalierte.

Wir werden den Fall weiter beobachten und gegebenenfalls weitere Aktionen einleiten.

Vielen Dank allen, die sich bislang für Dilovarsho Qosimov eingesetzt haben.

 

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