Benutzerspezifische Werkzeuge
Amnesty Urgent Actions
Startseite Urgent Actions 2011 12 Saudi men sentenced to amputation
UA 363/11
Saudi Arabien
Abgeschlossen am 26. Januar 2012

Amputationsstrafen für sechs Männer

AI-Index: MDE 23/030/2011

Ein Gericht in Riad hat sechs Männer wegen «Wegelagerei» zur Amputation ihrer rechten Hand und ihres linken Fusses verurteilt. Die Urteile wurden nach vorliegenden Meldungen im Berufungsverfahren im Oktober 2011 aufrecht erhalten. Nun müssen sie noch vom Obersten Gerichtshof bestätigt werden. Dies kann jederzeit geschehen, so dass mit einem baldigen Vollzug der Amputationsstrafen gerechnet werden muss.

Barzan bin Raheel al-Shammari, Amer bin Eid al-Jarba’, Muhammad bin Ali al-Shammari, Muhammad bin Dhiyab Maddhi, Abdullah bin Dhiyab Maddhi und Bandar bin Abbas al-As’adi sind alle Angehörige von Beduinengemeinschaften. Sie wurden im Oktober 2010 in der saudischen Hauptstadt Riad unter der Anschuldigung der «Wegelagerei» festgenommen und sind in das Malaz-Gefängnis gebracht worden. Die Männer sollen unter Schlägen zu einem Geständnis gezwungen worden sein.

Amer bin Eid al-Jarba’ ist Berichten zufolge über einen Zeitraum von acht Tagen hinweg geschlagen worden. Ihm wurde angedroht, dass man auch seine drei Brüder festnehmen werde, sollte er kein Geständnis ablegen. Anscheinend unterzeichnete Amer bin Eid al-Jarba’ daraufhin ein Geständnis, ohne dessen Inhalt zu kennen. Anschliessend wurde er 33 Tage lang in Einzelhaft gehalten.

Der Prozess gegen die sechs Männer fand ohne Rechtsbeistand vor einem Gericht in Riad statt. Das Gericht verurteilte die Angeklagten im März wegen «Wegelagerei» jeweils zur Amputation ihrer rechten Hand und ihres linken Fusses. Im Oktober soll ein Berufungsgericht Urteil und Strafmass aufrecht erhalten haben. Es heisst, der Fall sei nun in letzter Instanz vor dem Obersten Gerichtshof anhängig.

Sollte das Oberste Gericht die Urteile bestätigen und der saudische König sie ratifizieren, droht den Männern wenig später die Amputation. Diese Form der Körperstrafe kommt der Folter gleich.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Amputationsstrafen werden in Saudi-Arabien vor allem für die Tatbestände des «Diebstahls» und der «Wegelagerei» verhängt. Die überführten TäterInnen werden zur Amputation der rechten Hand beziehungsweise zur Amputation sowohl der rechten Hand als auch des linken Fusses verurteilt.

Körperstrafen wie die Amputation von Gliedmassen verstossen gegen das in Artikel 5 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verankerte Verbot der Folter und grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe. In Artikel 5 heisst es: «Niemand darf der Folter oder grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe unterworfen werden. » Mit der Verhängung von Körperstrafen setzt sich Saudi-Arabien zudem über seine Verpflichtungen als Vertragsstaat des Übereinkommens gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe hinweg. Der UN Sonderberichterstatter über Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe hat unmissverständlich klar gemacht: «Körperstrafen sind mit dem Verbot der Folter und grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe unvereinbar».

Die Gerichtsverfahren in Saudi-Arabien werden internationalen Standards für einen fairen Prozess im Allgemeinen nicht gerecht. So steht Angeklagten meist kein Rechtsbeistand zu Seite. Vielfach werden sie zudem über den Fortgang ihres Verfahrens nicht unterrichtet. Angeklagte können allein auf der Grundlage von Geständnissen schuldig gesprochen werden, die unter Zwang wie etwa unter Folter oder Misshandlung erlangt worden sind oder durch Täuschung zustande gekommen sind.

 

14 Briefe verschickt  
My Urgent Actions
Fürs Mitzählen lassen Ihres Briefes und Update-Funktion zu nutzen müssen Sie sich
einloggen oder
anmelden
Downloads
UA 363/11 english
Microsoft Word Document, 58.5 kB
UA 363/11 français
Microsoft Word Document, 59.0 kB
UA 363/11 deutsch
Microsoft Word Document, 60.5 kB
Aktionsabfolge
Mehr zum Thema

Folter

Warum ist Folter immer falsch und nutzlos? Wie engagiert sich Amnesty für die Wahrung des absoluten Folterverbots? Mehr