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Startseite Urgent Actions 2011 05 Ukrainian forcibly hospitalised by Police
UA 146/11
Ukraine
Abgeschlossen am 16. Juni 2011

Zwangseinweisung in die Psychiatrie

AI-Index: EUR 50/007/2011

Die Polizei hat den 32-jährigen Rostislav Chapran gegen seinen Willen in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Von den Eltern verlangt sie im Gegenzug für die Freilassung des Mannes ein Schmiergeld in Höhe von 3000 Euro.

Nachdem er von Familienangehörigen erfahren hatte, dass die Polizei nach ihm sucht, ohne dafür Gründe benannt zu haben, meldete sich Rostislav Chapran am 4. April auf der Polizeiwache von Lvov. Ein bei der Polizei tätiger Freund hatte gemeint, man wolle wahrscheinlich nur ein Gespräch mit ihm führen. Der Vater von Rostislav Chapran gab ihm „für den Fall der Fälle“ 60 US-Dollar mit auf den Weg, da es in der Ukraine durchaus üblich ist, dass die Polizei Schmiergelder verlangt.

Nach seinem Eintreffen auf der Wache wurde gegen Rostislav Chapran Anklage wegen„Rowdytums“ erhoben und eine Strafe von 15 Tagen Verwaltungshaft verhängt. Die Polizei behauptete, er habe auf der Strasse herumgebrüllt. Rostislav Chapran wurde in eine Untersuchungshafteinrichtung in Lvov gebracht. Nach Ablauf seiner Strafe am 19. April teilte man ihm mit, gegen ihn sei im Zusammenhang mit einem Vorfall aus dem Jahr 1999 Anklage wegen Mordversuchs erhoben worden. Damals war Rostislav Chapran an einer tätlichen Auseinandersetzung beteiligt gewesen.

Ebenfalls am 19. April erhielten Mutter und Stiefvater von Rostislav Chapran, die beide in Belgien leben und arbeiten, eine Nachricht mit einer Telefonnummer und der Aufforderung, dort anzurufen, um mit ihrem Sohn zu sprechen. Nachdem sie die Nummer gewählt hatten, erfuhren sie, dass sie mit einem Ermittler der Polizei verbunden waren. Mutter und Stiefvater berichteten Amnesty International, der Ermittler habe für die Freilassung von Rostislav Chapran 3000 Euro von ihnen verlangt. Im Hintergrund, so die Erinnerung der beiden, seien Musik und die lallenden Stimmen betrunkener Menschen zu hören gewesen. Rostislav Chapran blieb ohne rechtliche Grundlage weitere zehn Tage in Haft.

Ende April wurde Rostislav Chapran in eine psychiatrische Klinik verlegt. Dort wird er derzeit nach Angaben der Behörden gegen seinen Willen psychiatrisch untersucht. Der Familie von Rostislav Chapran und seinem Rechtsbeistand ist bislang nicht mitgeteilt worden, auf welcher rechtlichen Grundlage die Inhaftierung des 32-Jährigen beruht.

Der von der Familie eingeschaltete Rechtsanwalt ist von BehördenvertreterInnen daran gehindert worden, Rostislav Chapran im Krankenhaus aufzusuchen. Dem jungen Mann gelang es jedoch, seinen Vater anzurufen. In dem Gespräch teilte er ihm mit, in der Klinik befänden sich noch andere junge Leute, deren Eltern im Ausland arbeiten würden und von denen ebenfalls Geld verlangt werde.

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