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UA 126/11
Mexiko
Abgeschlossen am 16. Juni 2011

Anschläge auf indigene Gemeinschaft

AI-Index: AMR 41/025/2011

Die in Cherán im Bundesstaat Michoacan im Westen Mexikos ansässige indigene Gemeinschaft hat sich zum Schutz vor Banden der organisierten Kriminalität verbarrikadiert. Die Banden agieren in geheimem Einverständnis mit den örtlichen Behörden und der Polizei. Am 15. April wurde ein Angehöriger der Gemeinschaft angeschossen, am 27. April fielen zwei weitere Indigene einem Anschlag zum Opfer.

Seit mehreren Jahren verschleppt und ermordet eine bewaffnete Bande mit Verbindungen zu dem mächtigsten Drogenkartell in Michoacan immer wieder Angehörige der indigenen Gemeinschaft der Purépucha in Cherán. Die Bande holzt auf dem Land der Indigenen illegal Bäume ab und handelt dabei in Absprache mit den örtlichen Behörden und der Polizei.

Am 15. April hielten Angehörige der Gemeinschaft in Cherán Lastwagen an, die illegal gefälltes Holz geladen hatten. Die Indigenen brachten fünf Holzfäller in ihre Gewalt. Nachdem die Gemeinschaft die örtlichen Behörden über das Geschehen informiert hatte, trafen zwei Stunden später ein Fahrzeug der örtlichen Polizei und zwei Lastwagen mit mindestens 14 schwer bewaffneten Männern in der Stadt ein. Die Männer eröffneten das Feuer auf die BewohnerInnnen und trafen dabei Eugenio Sánchez Tiandón am Kopf. Der Mann ist seitdem ohne Bewusstsein.

Die Indigenen errichteten in Reaktion auf den Zwischenfall Strassensperren und verbarrikadierten auf diese Weise den Zugang zur Stadt. Mit Unterstützung von MenschenrechtsanwältInnen nahmen SprecherInnen der Gemeinschaft mit den Behörden des Bundes und des Bundesstaates Michoacan Verhandlungen über die Sicherheit in Cherán auf. Die Gespräche dauern derzeit noch an. Am 23. April übergaben die Indigenen die fünf Holzfäller VertreterInnen der Bundesstaatsanwaltschaft (Procuraduría General de la República). Ausserdem überreichten sie der Staatsanwaltschaft 140 von den BewohnerInnen der Stadt verfasste Beschwerden.

Am 27. April hinderten nach vorliegenden Meldungen Angehörige der Gemeinschaft in Cherán ein weiteres Mal Holzfäller am Betreten ihres Landes. Die Holzfäller griffen daraufhin zu ihren Waffen und töteten Pedro Huárez Urbina sowie Armando Hernández Estrada. Nach Kenntnis von Amnesty International sind keine Massnahmen ergriffen worden, um die an den Anschlägen beteiligten Kriminellen und PolizistInnen zu verhaften und vor Gericht zu stellen. Angehörige der Purépucha berichteten vielmehr, ihren SprecherInnen seien von der Bande Vergeltungsschläge angedroht worden. Die Gemeinschaft hat bei der Bundespolizei um Schutzmassnahmen gebeten.

Hintergrundinformationen

Die in Cherán im Bundesstaat Michoacan lebende indigene Gemeinschaft umfasst mindestens 16.000 Menschen. Vor den jüngsten Geschehnissen sind seit 2009 sieben Angehörige der Gemeinschaft ermordet und fünf weitere dem Verschwindenlassen zum Opfer gefallen. Verantwortlich für diese Taten sollen Mitglieder einer kriminellen Bande sein, die in geheimer Absprache mit der lokalen Polizei agieren. Obwohl Anzeigen bei den bundesstaatlichen und den mexikanischen Bundesbehörden eingegangen sind, darunter wegen illegaler Rodungen bei der Behördenstelle gegen Umweltstraftaten, sind gegen die Verantwortlichen bislang keine Massnahmen eingeleitet worden. Somit ist die Gemeinschaft derzeit schutzlos weiteren Angriffen ausgeliefert und hat keine Hoffnung, mit rechtlichen Mitteln gegen illegale Aktivitäten von Banden vorzugehen.

Seit 2007 nehmen Gewaltverbrechen im Zusammenhang mit organisierter Kriminalität in Mexiko immer mehr zu. Regierungsberichten zufolge sind in diesem Zeitraum mehr als 34.000 Menschen getötet worden. Kriminelle Banden, die in geheimer Absprache mit der Polizei und den Lokalbehörden operieren, verüben in zahlreichen Gemeinschaften Entführungen und andere Gewalttaten, um ihren Einflussbereich zu erweitern. Da die Mehrzahl dieser Verbrechen unaufgeklärt bleibt, entsteht ein Klima der Straflosigkeit und Unsicherheit bei den indigenen Gemeinschaften, die in den meisten Fällen nicht darauf hoffen können, dass die Sicherheitskräfte sie schützen und gegen kriminelle Banden vorgehen. Michoacan gehört zu den mexikanischen Bundesstaaten, die davon am schwersten betroffen sind.

 



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