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Startseite Urgent Actions 2011 04 Colombian peace community threatened
UA 103/11
Kolumbien
Abgeschlossen am 16. Mai 2011

Morddrohungen gegen „Friedensgemeinde“

AI-Index: AMR 23/009/2011

Angehörige der kolumbianischen Streitkräfte und Paramilitärs haben die „Friedensgemeinde“ (Comunidad de Paz) San José de Apartadó wiederholt bedroht. Nachdem am 22. März mit Bernardo Rios Londoño ein Mann getötet wurde, der enge Verbindungen zu der Gemeinde unterhielt, fürchtet Amnesty International um die Sicherheit der BewohnerInnen.

Am 2. April suchten Angehörige paramilitärischer Gruppierungen den Weiler Arenas Altas auf, der zu Friedensgemeinde San José de Apartadó gehört, und beschuldigten die BewohnerInnen, Mitglieder der Guerilla zu sein. Sie bedrohten die dort lebenden Menschen und sagten ihnen unter anderem, dass sie für ihre Taten teuer bezah-len und sich die Dinge von nun an ändern würden. Den Aussagen mehrerer BewohnerInnen zufolge landete später ein Helikopter mit bewaffneten Sicherheitskräften, die die Leichen mehrerer Paramilitärs bargen, die am Tag zuvor im Kampf mit Guerillaeinheiten in Arenas Altas getötet worden waren.

Am 22. März folgten zwei Angehörige der Paramilitärs dem Wagen des juristischen Beraters der Friedensgemeinde Jesús Emilio Tuberquia auf seinem Weg zur Gemeinde. Als der Wagen das Gebiet Tierra Amarilla durchquerte, fuhren die Paramilitärs dicht an das Fahrzeug heran; angesichts der Tatsache, dass Jesús Emilio Tuberquia mit ausländischen BegleiterInnen im Auto sass, gaben sie die Verfolgung jedoch auf. Einige Minuten später fuhr Bernardo Rios Londoño auf seinem Fahrrad vorbei. Bernardo Rios Londoños Kinder leben in der Friedensgemeinde; an diesem Tag hatte er sich mit Jesús Emilio Tuberquia getroffen. Er wurde von den Paramilitärs getötet. Am 14. März hatten zwei Männer auf der Suche nach Jesús Emilio Tuberquia dessen Haus in San Josecito aufgesucht. Einer der Männer wurde einige Tage später in Begleitung Angehöriger der XVII. Brigade der kolumbianischen Armee gesehen.

Die Friedensgemeinde San José de Apartadó feierte am 23. März ihr 14-jähriges Bestehen. An diesem Tag droh-ten Angehörige paramilitärischer Gruppierungen, dass die BewohnerInnen, falls sie nicht aus der Region ver-schwänden, mit weiteren Tötungen rechnen müssten. Die Paramilitärs sagten weiter, dass sie bereits gemeinsam mit Sicherheitskräften einen Plan zur „Ausrottung“ der Friedensgemeinde entwickelt hätten.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Die „Friedensgemeinde“ San José de Apartadó setzt sich aus BewohnerInnen mehrerer Weiler und Dörfer zusammen, die in der Gemeinde Apartadó des im Nordwesten Kolumbiens gelegenen Departamento Antioquia liegen. Die BewohnerInnen der Region verteidigen sowohl gegenüber den Sicherheitskräften als auch den Guerillaeinheiten ihr Recht, nicht in den bewaffneten Konflikt Kolumbiens hineingezogen zu werden und wehren sich dagegen, für eine der Seiten Partei ergreifen zu müssen. Dementsprechend verweigern die BewohnerInnen auch das Tragen von Waffen und liefern keiner der beiden Seiten Informationen oder logistische Unterstützung. Als Gegenleistung verlangt die Friedensgemeinde, dass die an dem bewaffneten Konflikt beteiligten Parteien sich von ihrem Land fernhalten und ihre neutrale Position respektieren.
Die „Friedensgemeinde“ San José de Apartadó wurde am 23. März 1997 gegründet. Seitdem sind über 170 BewohnerInnen der Friedensgemeinde getötet worden oder dem „Verschwindenlassen“ zum Opfer gefallen, weitere Personen wurden bedroht oder sexuell missbraucht. Die BewohnerInnen der Friedensgemeinde befinden sich daher in ständiger Gefahr. Die Mehrzahl der Tötungen wurde von Paramilitärs mit Billigung und Unterstützung bewaffneter Truppen in der Region begangen. In anderen Fällen wurden die Tötungen von Guerillagruppen verübt. In den vergangenen zehn Jahren wurden neben BewohnerInnen auch Menschen getötet, die lediglich nahe des von der Friedensgemeinde besiedelten Gebietes lebten oder enge Verbindungen zu den BewohnerInnen unterhielten. Oftmals gingen den Tötungen Phasen intensiver Drohungen gegen BewohnerInnen der Friedensgemeinde voraus. Allem Anschein nach sollen die Menschen durch solche Massnahmen eingeschüchtert werden.
Personen, die die Teilnahme an dem bewaffneten Konflikt verweigern und für keine der beiden Seiten Partei ergreifen, sehen sich Verdächtigungen und Feindseligkeiten auf Seiten der Paramilitärs, der Armee und der Guerillatruppen gegenüber. Das Recht der Zivilbevölkerung, nicht in den bewaffneten Konflikt hineingezogen zu werden, wird seit Jahren systematisch untergraben und Menschen, die sich beiden Parteien gegenüber neutral verhalten, werden oftmals getötet. Die paramilitärischen Gruppen in Kolumbien sind angeblich im Rahmen des von der Regierung finanzierten Demobilisierungsprozesses, der im Jahr 2003 begann, aufgelöst worden. Drohungen und Tötungen von MenschenrechtsverteidigerInnen in ganz Kolumbien zeigen jedoch, dass diese Gruppen nach wie vor aktiv sind.
Während des andauernden bewaffneten Konflikts in Kolumbien haben Sicherheitskräfte und Paramilitärs Mitglieder von Menschenrechtsorganisationen und Gewerkschaften häufig als Guerillakollaborateure oder GuerillaunterstützerInnen bezeichnet und die Betroffenen bedroht, entführt oder ermordet. Allerdings nehmen auch Guerillagruppen MenschenrechtsverteidigerInnen, GewerkschafterInnen und andere ins Visier, wenn sie diese als UnterstützerInnen ihrer Feinde betrachten.

 

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