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Startseite Urgent Actions 2011 03 Eight activists detained Further arrests of activists and doctors
FI 079/11-1
Bahrain
Abgeschlossen am 11. April 2011

Weitere Festnahmen von Aktivisten und Aerzten

AI-Index: MDE 11/015/2011

In Bahrain gehen die Sicherheitskräfte weiterhin brutal gegen Oppositionelle und MedizinerInnen vor. Innerhalb der vergangenen Tage kam es zu sechs weiteren Festnahmen. Amnesty International geht davon aus, dass die Betroffenen einzig und allein wegen ihrer kritischen Haltung und Teilnahme an Protesten inhaftiert wurden und betrachtet sie daher als gewaltlose politische Gefangene.

Der Oppositionelle Salah ‘Abdullah al-khawaja wurde am 21. März in seinem Haus festgenommen. Seine Familienangehörigen wissen nicht, wo er sich zur Zeit aufhält. Berichten zufolge hat Salah ‘Abdullah al-khawaja in Interviews mit arabischen Fernsehsendern unlängst scharfe Kritik an den von Sicherheitskräften geführten Angriffen auf Protestierende geäussert und sich an der Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen beteiligt.

Am 17. März wurde Dr. ‘Ali al-‘Ekri, der im Krankenhaus al-Salmaniya in Manama als Arzt arbeitet, festgenommen. Die bahrainischen Behörden haben den Aufenthaltsort von Dr. ‘Ali al-‘Ekri und die seiner Kollegen Dr. Bassem Dhaif, Dr. Ghassan Dhaif, Dr. Nada Dhaif und Dr. Mahmood Ashgar bislang nicht bekannt gegeben. EinE KollegIn der fünf Gefangenen, der/die ebenfalls festgenommen worden war, ist inzwischen wieder freigelassen worden. Einige der Inhaftierten hatten zuvor Fernsehinterviews gegeben, in denen sie die Sicherheitskräfte wegen des brutalen Vorgehens gegen Protestierende kritisierten und angegeben, dass sie von Angehörigen der Sicherheitskräfte daran gehindert worden seien, Verwundete zu versorgen und Verletzte zur medizinischen Versorgung ins Krankenhaus zu bringen. Zudem erklärten sie, dass MitarbeiterInnen des Krankenhauses daran gehindert worden sein sollen, das Krankenhaus zu verlassen, um Protestierende medizinisch zu versorgen.

Im Gespräch mit Amnesty International am 23. März berichtete ein ebenfalls im Krankenhaus al-Salmaniya beschäftigter Arzt, dass viele seiner KollegInnen und KrankenpflegerInnen in den vergangenen Tagen SMS erhalten hätten, in denen ihnen mit dem Tod gedroht wurde. Ein Text lautete beispielsweise: „Bleib dem Krankenhaus fern. Wenn du zur Arbeit gehst, wirst du einen Verkehrsunfall haben und sterben.“

Hintergrundinformationen

Seit dem 14. Februar 2011 finden in Bahrain nach dem Vorbild von Tunesien und Ägypten Proteste statt. An diesem Tag war zu einem „Tag des Zorns“ aufgerufen worden, der zum 10. Jahrestag der bahrainischen National Action Charter – einem nationalen Reformprogramm – stattfinden sollte. Angehörige der schiitischen Mehrheitsgemeinschaft, die rund 70% der Bevölkerung ausmachen, bildeten den Grossteil der Demonstrierenden. Sie beklagen, dass sie von der herrschenden Minderheit der Sunniten diskriminiert und marginalisiert werden. Die Demonstrierenden verlangen eine neue Verfassung, eine gewählte Regierung und mehr Freiheiten und Möglichkeiten. Im Februar wurden sieben Protestierende von Sicherheitskräften getötet. Hunderte weitere wurden verletzt, zum Teil durch von der Bereitschaftspolizei eingesetzte Gummigeschosse und Schrotflinten. Es stellte sich eine kurze Atempause ein, als die Regierung einen nationalen Dialog mit Oppositionellen und politischen Vereinigungen vorschlug. Dies änderte sich allerdings vergangene Woche, als Saudi-Arabien zur Unterstützung der bahrainischen Regierung 1.000 Soldaten und 500 Polizeikräfte schickte. Mithilfe dieser ausländischen Unterstützung begannen die bahrainischen Sicherheitskräfte, brutal gegen Demonstrierende vorzugehen. Im Zuge dieser Auseinandersetzungen kam es zu weiteren Todesfällen und Verletzten. Der König verkündete einen dreimonatigen Ausnahmezustand, und in grossen Teilen Bahrains unterliegen die BewohnerInnen de facto einer Ausgangssperre. Mindestens zwei Minister der Regierung, fünf Mitglieder des Schura-Rats, ein Berater des Königs sowie viele Richter der Schari’a-Gerichte (al-Ja’fariya) – alle bahrainische schiitische Muslime – haben aus Protest gegen die unverhältnismässige Gewaltanwendung von Seiten der Behörden ihr Amt niedergelegt.

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