Benutzerspezifische Werkzeuge
Amnesty Urgent Actions
Startseite Urgent Actions 2011 03 Eight activists detained
UA 079/11
Bahrain
Abgeschlossen am 23. März 2011

Oppositionelle festgenommen

AI-Index: MDE 11/014/2011

Acht führende Vertreter der Opposition wurden festgenommen. Dies geschah im Zuge des Vorgehens gegen RegierungskritikerInnen, wobei bahrainische Sicherheitskräfte mit Unterstützung saudi-arabischer Truppen exzessive Gewalt gegen Protestierende anwendeten. Am 16. März wurden ausserdem sechs Personen getötet und Hunderte verletzt. Amnesty International betrachtet die acht Inhaftierten als gewaltlose politische Gefangene und fordert ihre sofortige und bedingungslose Freilassung. In der Haft droht den Männern Folter.

Hassan Mshaima’, Dr ‘Abdel-Jalil al-Singace, ‘Abdel-Wahab Hussain, Sa’eed al-Nuri, Ibrahim Sharif, ‘Abdel-Hadi al-Mukhodher und Hassan al-Haddad wurden am 17. März in den frühen Morgenstunden festgenommen. Dr ‘Ali al-‘Ekri wurde etwas später am selben Tag festgenommen. Die Behörden haben bisher keine Angaben zum Aufenthaltsort der Männer gemacht, und Amnesty International ist in Sorge um ihre Sicherheit. Vier der acht Oppositionellen waren 2010 schon einmal festgenommen worden, und einige von ihnen gaben damals an, in der Haft gefoltert und in anderer Weise misshandelt worden zu sein. Berichten zufolge wurden die acht Männer von bahrainischen und saudi-arabischen Sicherheitskräften ohne vorgelegte Haftbefehle festgenommen. Ein Familienmitglied von Dr ‘Abdel-Jalil al-Singace sagte gegenüber Amnesty International, die Sicherheitskräfte hätten die Haustüre von Dr ‘Abdel-Jalil al-Singace zertrümmert, wären hineingestürmt und hätten ihn mit Gewalt aus dem Schlafzimmer gezerrt. Dabei hätten sie weder Gründe für die Festnahme genannt noch gesagt, wo sie ihn hinbrächten. Als seine Frau und seine Tochter protestierten, hätten sich die Sicherheitskräfte ihnen gegenüber aggressiv verhalten. Ausserdem sollen sie den Laptop und das Mobiltelefon von Dr ‘Abdel-Jalil al-Singace mitgenommen haben.

Die Festnahmen sind eine Folge zunehmender Spannungen und Gewaltausbrüche in Bahrain. Am 15. März wurden bei Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften in Sitra zwei Protestierende getötet. PolizeibeamtInnen gingen unter anderem gegen Protestierende vor, die sich vor dem Eingang des dortigen Krankenhauses aufhielten, und verwehrten Verletzten den Zugang zur Klinik. Tags darauf, am 16. März, wurden bei Auseinandersetzungen zwischen Protestierenden und bahrainischen und saudi-arabischen Sicherheitskräften sechs Personen getötet, darunter zwei SicherheitsbeamtInnen. Amnesty International liegt ein Augenzeugenbericht vor, dem zufolge zehn Protestierende im Stadtteil al-Qadim durch scharfe Munition von Sicherheitskräften verwundet wurden. Gleichzeitig wurden in vielen Teilen von Manama SicherheitsbeamtInnen stationiert, besonders in Stadtteilen und Vororten, die hauptsächlich von Schiiten bewohnt werden. Wie es hiess, sollen diese Sicherheitskräfte am 16. März das Krankenhaus al-Salmaniaya in Manama umstellt haben. Sie sollen kranken Personen den Zugang zu medizinischer Behandlung verwehrt und etwa 100 Krankenhausangestellte am Verlassen der Klinik gehindert haben.

Hintergrundinformationen

Hassan Mshaima’ ist Vorsitzender der schiitischen Oppositionsgruppierung „Haq-Bewegung für Freiheit und Demokratie“ (Haq Movement) und lebte bis vor kurzem in Grossbritannien im Exil. Vor etwa drei Wochen kehrte er nach Bahrain zurück, nachdem König Hamad bin ‘Issa Al Khalifa eine Generalamnestie erteilte, die auch ihm galt. Vier der acht nun festgenommenen Männer – Dr ‘Abdel-Jalil al-Singace (auch eine führende Persönlichkeit der Haq-Bewegung), Sa’eed al-Nuri, ‘Abdel Hadi al-Mukhodher und Hassan al-Haddad – hatten sich alle von August 2010 bis Ende Februar 2011 in Haft befunden und waren dann im Zuge derselben Amnestie freigelassen worden. Dr ‘Ali al-‘Ekri ist ein Arzt des Krankenhauses al-Salmaniaya und einer der Organisatoren der jüngsten Proteste. Ibrahim Sharif ist Vorsitzender der säkularistischen politischen Oppositionsgruppe National Democratic Action Society (Wa’ad); und ‘Abdel-Wahab Hussain ist der Präsident der Wafa-Bewegung (al-Wafa’ Islamic Movement).
Seit dem 14. Februar 2011 finden in Bahrain nach dem Vorbild von Tunesien und Ägypten Proteste statt. An diesem Tag war zu einem „Tag des Zorns“ aufgerufen worden, der zum 10. Jahrestag der bahrainischen National Action Charter – einem nationalen Reformprogramm – stattfinden sollte. Angehörige der schiitischen Mehrheitsgemeinschaft, die rund 70% der Bevölkerung ausmachen, bildeten den Grossteil der Demonstrierenden. Sie beklagen, dass sie von der herrschenden Minderheit der Sunniten diskriminiert und marginalisiert werden. Die Demonstrierenden verlangen eine neue Verfassung, eine gewählte Regierung und mehr Freiheiten und Möglichkeiten. Im Februar wurden sieben Protestierende von Sicherheitskräften getötet. Hunderte weitere wurden verletzt, zum Teil durch von der Bereitschaftspolizei eingesetzte Gummigeschosse und Schrotflinten. Es stellte sich eine kurze Atempause ein, als die Regierung einen nationalen Dialog mit Oppositionellen und politischen Vereinigungen vorschlug. Dies änderte sich allerdings vergangene Woche, als Saudi-Arabien zur Unterstützung der bahrainischen Regierung 1.000 Soldaten und 500 Polizeikräfte schickte. Mithilfe dieser ausländischen Unterstützung begannen die bahrainischen Sicherheitskräfte, brutal gegen Demonstrierende vorzugehen. Im Zuge dieser Auseinandersetzungen kam es zu weiteren Todesfällen und Verletzten. Der König verkündete einen dreimonatigen Ausnahmezustand, und in grossen Teilen Bahrains unterliegen die BewohnerInnen de facto einer Ausgangssperre. Mindestens zwei Minister der Regierung, fünf Mitglieder des Schura-Rats, ein Berater des Königs sowie viele Richter der Schari’a-Gerichte (al-Ja’fariya) – alle bahrainische schiitische Muslime – haben aus Protest gegen die unverhältnismässige Gewaltanwendung von Seiten der Behörden ihr Amt niedergelegt.
Seit dem 14. Februar 2011 finden in Bahrain nach dem Vorbild von Tunesien und Ägypten Proteste statt. An diesem Tag war zu einem „Tag des Zorns“ aufgerufen worden, der zum 10. Jahrestag der bahrainischen National Action Charter – einem nationalen Reformprogramm – stattfinden sollte. Angehörige der schiitischen Mehrheitsgemeinschaft, die rund 70% der Bevölkerung ausmachen, bildeten den Grossteil der Demonstrierenden. Sie beklagen, dass sie von der herrschenden Minderheit der Sunniten diskriminiert und marginalisiert werden. Die Demonstrierenden verlangen eine neue Verfassung, eine gewählte Regierung und mehr Freiheiten und Möglichkeiten. Im Februar wurden sieben Protestierende von Sicherheitskräften getötet. Hunderte weitere wurden verletzt, zum Teil durch von der Bereitschaftspolizei eingesetzte Gummigeschosse und Schrotflinten. Es stellte sich eine kurze Atempause ein, als die Regierung einen nationalen Dialog mit Oppositionellen und politischen Vereinigungen vorschlug. Dies änderte sich allerdings vergangene Woche, als Saudi-Arabien zur Unterstützung der bahrainischen Regierung 1.000 Soldaten und 500 Polizeikräfte schickte. Mithilfe dieser ausländischen Unterstützung begannen die bahrainischen Sicherheitskräfte, brutal gegen Demonstrierende vorzugehen. Im Zuge dieser Auseinandersetzungen kam es zu weiteren Todesfällen und Verletzten. Der König verkündete einen dreimonatigen Ausnahmezustand, und in grossen Teilen Bahrains unterliegen die BewohnerInnen de facto einer Ausgangssperre. Mindestens zwei MinisterInnen der Regierung, fünf Mitglieder des Schura-Rats, ein Berater des Königs sowie viele RichterInnen der Schari’a-Gerichte (al-Ja’fariya) – alles bahrainische schiitische Muslime – haben aus Protest gegen die unverhältnismässige Gewaltanwendung von Seiten der Behörden ihr Amt niedergelegt.

 



11 Briefe verschickt  
My Urgent Actions
Fürs Mitzählen lassen Ihres Briefes und Update-Funktion zu nutzen müssen Sie sich
einloggen oder
anmelden
Downloads
UA 079/11 english
Microsoft Word Document, 60.0 kB
UA 079/11 français
Microsoft Word Document, 61.0 kB
UA 079/11 deutsch
Microsoft Word Document, 66.5 kB
UA 079/11 espagnol
Microsoft Word Document, 138.0 kB
Aktionsabfolge
Mehr zum Thema

Folter

Warum ist Folter immer falsch und nutzlos? Wie engagiert sich Amnesty für die Wahrung des absoluten Folterverbots? Mehr