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Startseite Urgent Actions 2011 03 Prosecutor opposes Arizona death sentence
UA 076/11
USA (Arizona)
Abgeschlossen am 5. April 2011

Staatsanwalt gegen Todesurteil

AI-Index: AMR 51/019/2011

Nach 23 Jahren im Todestrakt ist für den 5. April die Hinrichtung des 1988 zum Tode verurteilten Gefangenen Daniel Cook anberaumt worden. Der leitende Staatsanwalt im Prozess gegen Daniel Cook erklärte, er hätte damals die Todesstrafe ganz sicher nicht beantragt, wenn ihm bekannt gewesen wäre, dass Daniel Cook in seiner Kindheit schwer missbraucht worden war und in seiner geistigen Entwicklung zurückgeblieben ist.

In der Nacht vom 19. auf den 20. Juli 1987 wurden in dem von Daniel Cook und John Matzke bewohnten Apartment in Lake Havasu City im Bundesstaat Arizona die beiden Männer Carlos Cruz-Ramos und Kevin Swaney missbraucht und getötet. Am 21. Juli 1987 wandte sich John Matzke an die Polizei und machte eine Aussage über die Tat. Daraufhin suchten PolizeibeamtInnen die Wohnung auf, entdeckten dort die Leichen der beiden Opfer und nahmen den damals 25-jährigen Daniel Cook fest.

John Matzke gab zu, Carlos Cruz-Ramos getötet zu haben und bekannte sich des Mordes zweiten Grades (mit bedingtem Vorsatz) in einem Fall für schuldig. Daraufhin wurde er zu 20 Jahren Freiheitsentzug verurteilt. Als Gegenleistung für seine Daniel Cook belastende Aussage zog die Staatsanwaltschaft die beiden gegen John Matzke wegen Mordes ersten Grades (mit Vorsatz) vorgebrachten Anklagepunkte zurück. Daniel Cook war in der Zwischenzeit ein Rechtsanwalt zur Seite gestellt worden, der damals an einer manisch-depressiven Erkrankung litt und regelmässig grosse Mengen Alkohol zu sich nahm. Wenige Wochen vor Eröffnung des Prozesses beschloss Daniel Cook, von seinem Recht auf anwaltliche Vertretung keinen Gebrauch zu machen. Später gab er an, er sei davon ausgegangen, ihm stünden nur zwei Optionen offen: Entweder die Zusammenarbeit mit einem von ihm als unfähig erachteten Rechtsanwalt fortzusetzen oder sich selbst zu verteidigen. Er habe sich für die zweite Option entschieden (der Rechtsanwalt blieb in „beratender Funktion“ für ihn tätig). Die Geschworenen befanden Daniel Cook des zweifachen vorsätzlichen Mordes schuldig. Sein Antrag auf Hinzuziehung eines psychiatrischen Sachverständigen wurde vom Richter abgewiesen. Daniel Cook selbst legte dem Gericht keine Beweise für seine verminderte Schuldfähigkeit vor.

Der Richter verhängte gegen Daniel Cook die Todesstrafe. Er hatte zwar Zugang zu einigen Unterlagen über die eingeschränkte geistige Verfassung des Angeklagten und wusste um dessen mehrfache Selbstmordversuche; allerdings sind seit Ende des Prozesses noch weitaus mehr Informationen bekannt geworden. So stellte sich erst nach Abschluss des Verfahrens heraus, dass Daniel Cook im Kindes- und Jugendalter durch Familienangehörige und andere Personen wiederholt schwerem körperlichen und sexuellen Missbrauch ausgesetzt gewesen war. Bei ihm wurde eine organische Funktionsstörung des Gehirns und eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert (siehe Hintergrundinformationen).

In einer eidesstattlichen Versicherung aus dem Jahr 2010 gab der leitende Staatsanwalt des damaligen Prozesses gegen Daniel Cook an, er hätte „auf keinen Fall die Todesstrafe beantragt“, wären ihm zum Zeitpunkt des Verfahrens die strafmildernden Umstände bekannt gewesen. So beispielsweise die Tatsache, dass der in seiner Kindheit erlittene Missbrauch „sich in den Umständen des Verbrechens widerspiegelt“. Über den damaligen Rechtsanwalt des Angeklagten äusserte sich der Staatsanwalt mit den Worten: „Auf einer Kompetenzskala für die Verteidigung in einem gewöhnlichen Strafverfahren ist sein Wert am unteren Ende anzusiedeln. Er schien weder in der Lage noch willens zu sein, die Anstrengungen auf sich zu nehmen, die zur Vertretung der Interessen eines des Mordes beschuldigten Angeklagten notwendig sind“. Daniel Cook, so der Staatsanwalt, „war eindeutig damit überfordert, sich selbst zu verteidigen.“

 

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