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Startseite Urgent Actions 2010 12 Civilian population threatened
UA 254/10
Kolumbien
Abgeschlossen am 24. Januar 2011

Zivilistinnen bedroht

AI-Index: AMR 23/037/2010

Eine paramilitärische Gruppierung bedroht im Südwesten Kolumbiens die Zivilbevölkerung eines Dorfes und hat einen Kleinbauern getötet. Sie besetzen das Dorf seit dem 28. November. Inzwischen konnten 60 BewohnerInnen fliehen, die verbliebenen Personen befinden sich jedoch in grosser Gefahr, genau wie andere Kleinbauern in diesem Verwaltungsbezirk.

Am 28. November blockierten etwa 120 schwer bewaffnete Angehörige einer paramilitärischen Gruppierung, die meisten von ihnen in Tarnbekleidung, das Dorf Las Perlas im Verwaltungsbezirk Argelias (Departement Cauca). Bekannte Paramilitärs sind bei Gesprächen und Patrouillen mit Soldaten gesehen worden. Gemeinsam haben sie an der Strasse, die ins Dorf führt, Kontrollpunkte errichtet.

Am 30. November konnten etwa 60 Personen aus Las Perlas fliehen, darunter auch Kinder. Die paramilitärischen Einheiten halten den Grossteil der BewohnerInnen aber noch immer eingeschlossen. Sie bedrohen die Zivilbevölkerung und drohen den Frauen mit sexuellen Übergriffen. Den verbliebenen BewohnerInnen wurde gesagt „wenn die Guerilla kämpft und einer von uns stirbt, werdet ihr auch sterben“. (si la guerrilla combate y muere uno de nosotros, ustedes también se mueren).

Am 2. Dezember wurde der Kleinbauer Milton Díaz Cabezas von zwei Paramilitärs ermordet, nachdem sie ihn aus seinem Haus im nahegelegenen Dorf El Porvenir verschleppt hatten. Dort hatten in der Nacht zuvor Kämpfe zwischen Guerillaeinheiten und Paramilitärs stattgefunden.

Die Paramilitärs kündigten an, dass sie die Region kontrollieren wollen und sagten „es ist unser Ziel, die Gegend um El Plateado noch vor Ende dieses Jahres einzunehmen“. (nuestro objetivo es tomarnos el Corrigimiento de El Plateado antes de que termine el año). Sie haben auch ZivilistInnen in anderen Gemeinden im Verwaltungsbezirk Argelia bedroht, in Las Cumbres, Cristales Altos, Cristales Bajos, Mirolindo, La Playa, La Primavera und Campo Alegre.

Obwohl die Gegend stark militarisiert ist, wurden offenbar keine Massnahmen ergriffen, um den paramilitärischen Gruppierungen Einhalt zu gebieten.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Die ländliche Gegend im Verwaltungsbezirk Argelia ist in den vergangenen Jahren immer stärker militarisiert worden, um die Guerillastreitkräfte in der Region aktiv zu bekämpfen. Auch paramilitärische Gruppierungen, die mit der Armee zusammenarbeiten, sind in der Gegend aktiv. Zu den Einheiten der Armee, die in der Region operieren, gehören die Bataillone José Hilario López, Boyacá, batallón de Alta Montaña 4, Grupo Cabal Mecanizado, die Anti-Guerilla-Bataillone 37 und 57 der 29. Brigade in Popayán und die mobilen Brigaden 14 und 19 der 3. Division der Armee.
Die paramilitärischen Gruppierungen in Kolumbien sind angeblich im Rahmen des von der Regierung finanzierten Demobilisierungsprozesses, der im Jahr 2003 begann, aufgelöst worden. Diese Gruppen operieren aber nach wie vor und begehen weiterhin schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen an MenschenrechtsverteidigerInnen und anderen ZivilistInnen. Manchmal geschieht dies sogar in geheimer Absprache mit den Sicherheitskräften oder mit deren Einverständnis.
In Argelia sind in den vergangenen Jahren viele Menschen von paramilitärischen Gruppierungen getötet oder bedroht worden. Am 6. Dezember nahmen Paramilitärs das Haus des Gemeindesprechers Orlando Bolaños ein. Er wurde dazu gezwungen, in eine Stadt im Departement Cauca zu fliehen, wo Paramilitärs ihn jedoch weiterhin bedrohen. Sein Haus im Dorf Cristales Altos wurde von paramilitärischen Gruppierungen schon mehrmals als Zentrale für ihre Operationen eingenommen.
Die Armee, paramilitärische Gruppierungen und Guerillastreitrkräfte begegnen ZivilistInnen mit Misstrauen und Feindseligkeit, wenn diese ihr Recht verteidigen, nicht in den bewaffneten Konflikt in Kolumbien hineingezogen zu werden, und sich weigern, sich für eine der Konfliktparteien zu entscheiden. Das Recht der Zivilbevölkerung, nicht in den Konflikt hineingezogen zu werden, wurde wiederholt verletzt: ZivilistInnen sind gezwungen worden, sich zwischen den Parteien zu entscheiden oder wurden getötet, wenn sie sich weigerten, dies zu tun.

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