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Startseite Urgent Actions 2010 10 Arizona set to kill man failed by trial lawyer
UA 224/10
USA (Arizona)
Abgeschlossen am 27. Oktober 2010

Drohende Hinrichtung

AI-Index: AMR 51/100/2010

Im US-Bundesstaat Arizona ist die Hinrichtung von Jeffrey Landrigan, einem 50-jährigen Indigenen, für den 26. Oktober um 10.00 Uhr anberaumt worden. 13 Bundesrichter haben bereits vorgebracht, dass er eine Anhörung zu seiner Behauptung hätte bekommen sollen, bei seinem Prozess im Jahr 1990 ungenügend vertreten worden zu sein. 2007 räumte die für das Verfahren zuständige Richterin ein, sie hätte nicht die Todesstrafe verhängt, wenn ihr das entlastende Beweismaterial vorgelegt worden wäre.

Am 15. Dezember 1989 wurde Chester Dyer in seiner Wohnung tot aufgefunden. Der Mord wurde Jeffrey Landrigan zur Last gelegt. Er konnte sich keine anwaltliche Vertretung leisten, so dass das Gericht jemanden bestimmte, der Jeffrey Landrigan vertreten sollte – einen Anwalt, der noch nie zuvor in einem Todesstrafenprozess gearbeitet hatte. Jeffrey Landrigan lehnte das Angebot der Staatsanwaltschaft ab, eine Haftstrafe von 20 Jahren im Gegenzug für ein Geständnis eines Mordes zweiten Grades anzunehmen. Die Geschworenen befanden ihn des Mordes ersten Grades für schuldig. Für die Phase des Gerichtsverfahrens, in der 1990 über das Strafmass entschieden wurde, hatte der Anwalt von Jeffrey Landrigan nur zwei Zeuginnen geladen, um auszusagen. Eine war Jeffrey Landrigans biologische Mutter (die ihn im Alter von sechs Monaten verliess) und die andere war seine Ex-Frau. Jeffrey Landrigan weigerte sich, die beiden aussagen zu lassen. Die Richterin verurteilte ihn zum Tode, obwohl sie feststellte, er habe nicht mit Vorsatz gehandelt.

Der Anwalt hatte keine Aussage eines Experten über Jeffrey Landrigans Vorgeschichte vorgelegt oder überhaupt danach gefragt. 1998 befand ein Neuropsychologe, dass eine Kombination ausvererbten Faktoren, der pränatalen Einnahme von Alkohol und Drogen, der frühen Zurückweisung durch die Eltern und eine gestörte Beziehung zu seiner Adoptivfamilie Jeffrey Landrigans Fähigkeit, in der Gesellschaft zu funktionieren, „erheblich beeinträchtigt“ habe. 1999 lehnte es ein Bundesbezirksgericht ab, ein Beweisaufnahmeverfahren zur Behauptung einzuleiten, der Strafverteidiger sei verfassungsrechtlich unwirksam gewesen, da er versäumte, entlastende Beweise zu Jeffrey Landrigans Geschichte der Entbehrungen und des Missbrauchs zu untersuchen und vorzulegen. 2005 kam ein Bundesberufungsgericht (US Court of Appeals for the Ninth Circuit) mit neun zu zwei Stimmen zu dem Schluss, die Richterin am Bezirksgericht habe ihre Ermessensfreiheit missbraucht, indem sie das Beweisaufnahmeverfahren abgelehnt hatte. Die Mehrheit entschied, es sei wahrscheinlich, dass die Richterin der ersten Instanz Jeffrey Landrigan nicht zum Tode verurteilt hätte, wenn ihr die entlastenden Beweise des Berufungsverfahrens vorgelegt worden wären (was sie später auch selbst sagte). Selbst die beiden RichterInnen, die sich gegen ein Beweisaufnahmeverfahren aussprachen, stimmten zu, dass die Vorbereitung des Strafverteidigers auf den Prozess professionelle Standards „unterschritten“ hatte.

2007 hob der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten das Urteil des Bundesberufungsgerichts mit fünf zu vier Stimmen auf, auf der Grundlage, dass Jeffrey Landrigan seinem Strafverteidiger nicht gestattet hätte, entlastende Beweismittel vorzulegen, die dieser möglicherweise hätte aufdecken können. Die vier RichterInnen, die diesem Urteil widersprachen, beschuldigten ihre KollegInnen der „Spekulation“.

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