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Amnesty Urgent Actions
Startseite Urgent Actions 2010 10 Execution looms after 23 years on death row
UA 221/10
USA (Tennessee)
Abgeschlossen am 1. Dezember 2010
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Execution date postponed !

Drohende Hinrichtung

AI-Index: AMR 51/097/2010

Update :
Der Hinrichtungstermin wurde auf den 30. November verschoben ! Appelle können weiterhin versendet werden !


Im US-Bundesstaat Tennessee ist die Hinrichtung von Stephen West für den 9. November um 22 Uhr anberaumt worden. Der heute 48-jährige Mann war für schuldig befunden worden, 1986 im Alter von 23 Jahren zwei Menschen ermordet zu haben. Die letzten 23 Jahre hat er im Todestrakt verbracht. Ärzte haben bei ihm eine schwere psychische Erkrankung diagnostiziert.

Am 17. März 1986 wurden Wanda Romines und ihre 15-jährige Tochter Sheila in der gemeinsamen Wohnung der beiden im Osten des US-Bundesstaates Tennessee mit mehreren Messerstichen getötet. Das Mädchen war zuvor vergewaltigt worden. Der Tat angeklagt wurden Stephen West und der 17-jährige Ronald Martin, die sich beide unbestritten zum Tatzeitpunkt am Ort des Verbrechens aufgehalten hatten. Die Männer wurden in getrennten Verfahren vor Gericht gebracht. Als erstes begann der Prozess gegen Stephen West, in dessen Verlauf seine Verteidiger geltend machten, Ronald Martin sei der Drahtzieher des Verbrechens gewesen. Ihr Mandant Stephen West habe die Tat geschehen lassen, weil ihm von dem jüngeren Mann Gewalt angedroht worden sei. Stephen West wurde im März 1987 zum Tod verurteilt. Ronald Martin hatte zum Zeitpunkt der Tat noch nicht das Alter von 18 Jahren erreicht, so dass gemäss der Gesetzeslage in Tennessee die Todesstrafe nicht gegen ihn verhängt werden konnte. Das Gericht verurteilte ihn stattdessen zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. In der Untersuchungshaft hatte Ronald Martin mit einem Zellengenossen über das Verbrechen gesprochen. In dem per Audiotape festgehaltenen Gespräch hatte er erzählt, nicht Stephen West, sondern er selbst habe die Frau und ihre Tochter getötet. Der Richter hatte das Audioband nicht als Beweismittel zugelassen und seine Entscheidung damit begründet, es handele sich dabei um einen Beweis vom Hörensagen.

Stephen West wurde vor Gericht von zwei Rechtsanwälten vertreten, die zum ersten Mal einen Mandanten in einem Todesstrafenprozess verteidigten. Sie hatten es unterlassen, Beweismittel über die von schweren Übergriffen seitens der Eltern geprägte Kindheit von Stephen West beizubringen – ein Umstand, der im Berufungsverfahren eine wesentliche Rolle spielte. Mehrere PsychologInnen waren zu der Erkenntnis gelangt, dass Stephen West durch die frühkindlichen Gewalterfahrungen schwere Traumata davongetragen hatte, die sein Verhalten zum Zeitpunkt des Verbrechen beeinflusst hatten. Dieser Umstand hätte im Prozess gegen die Verurteilung des Angeklagten wegen Mordes geltend gemacht oder als strafmildernd vorgebracht werden können.

Im Mai 2010 befasste sich im Auftrag der Rechtsanwälte von Stephen West ein Arzt nochmals intensiv mit den medizinischen Befunden, die über den Gefangenen vorliegen. Er entnahm den Unterlagen, dass bei Stephen West während seines Aufenthalts im Todestrakt schwere psychische Erkrankungen festgestellt worden waren, darunter schwere Depressionen, paranoide Schizophrenie und eine schizoaffektive Störung.

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