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Startseite Urgent Actions 2010 09 Family of dead man intimidated by police
UA 213/10
Honduras
Abgeschlossen am 9. November 2010

Familie eingeschüchtert

AI-Index: AMR 37/014/2010

Mario Orlando Sequeira Canales starb am 1. Juni 2010 im Gewahrsam der Polizei. Nun wird seine Familie eingeschüchtert. Wiederholt ist ein Polizeifahrzeug beobachtet worden, das um das Haus der Familie fuhr. Die PolizistInnen, denen die Tötung von Mario Sequeira zur Last gelegt wird, sollen vor Gericht gestellt werden, befinden sich aber noch auf freiem Fuss.

Mario Orlando Sequeira war honduranischer Staatsbürger, lebte jedoch in den USA. Er wurde am Abend des 1. Juni 2010 in Siguatepeque, Zentral-Honduras, festgenommen. Er hielt sich in Honduras auf, um seine Familie zu besuchen. Wenige Stunden nach seiner Festnahme starb er in Polizeigewahrsam. Die gerichtsmedizinische Untersuchung kam zu dem Schluss, dass er geschlagen und erstickt worden war.

Die Polizei nahm ihn am 1. Juni fest, weil er betrunken gewesen sein soll und die Gäste im Hotel, in dem er übernachtete, durch sein Verhalten belästigte. Ein Verwandter war Zeuge der Festnahme und ging zur Polizei-wache, um sich zu erkundigen, warum Mario Sequeira festgenommen worden war. Er hörte die Schreie von Mario Sequeira aus seiner Zelle, erfuhr aber von der Polizei nichts über die Gründe für die Festnahme, sondern wurde lediglich aufgefordert, am folgenden Tag wiederzukommen. Als er am nächsten Tag zur Polizeiwache kam, verwies man ihn an die Staatsanwaltschaft. Dort erfuhr er, dass sich der Leichnam von Mario Sequeira im Leichenschauhaus von Tegucigalpa befände. Nachdem die Familie den Leichnam dort vorfand, erstattete sie bei der Staatsanwaltschaft Anzeige und forderte Ermittlungen zur Todesursache von Mario Sequeira.

Seitdem wird die Familie Sequeira Canales immer wieder auf einschüchternde Weise beschattet. So fuhren dieselben PolizistInnen, die Mario Sequeira festgenommen hatten, im Juni wiederholt mit einem Polizeifahr-zeug am Haus der Familie vorbei. Zudem hat die Familie Autos ohne Nummernschilder beobachtet, die um das Haus herumfuhren. Seit dem 6. September wird die Familie erneut eingeschüchtert und beschattet. Kurz darauf sollte das Gerichtsverfahren gegen die PolizistInnen, denen die Tötung von Mario Sequeira zur Last gelegt wird, beginnen. Die mutmasslich verantwortlichen PolizistInnen befinden sich nach wie im Dienst in der Stadt Siguatepeque.

Angehörige der Familie Sequeira Canales haben sowohl beim Innenministerium als auch bei der Staatsanwalt-schaft zwei Mal Schutzmassnahmen beantragt. Die Behörden haben bislang aber keine Schritte eingeleitet, um die Familie während des Gerichtsverfahrens zu schützen. Die Familie ist nach wie vor in Gefahr, da in der Vergangenheit in Fällen, in denen PolizistInnen wegen Menschenrechtsverletzungen vor Gericht gestellt wurden, ZeugInnen während der Ermittlungen und Gerichtsverfahren häufig eingeschüchtert und tätlich angegriffen wurden. Als im März 2010 eine Transgender-Frau einen Polizisten wegen versuchten Mordes vor Gericht brachte, wurde sie während des Prozesses mehrfach Opfer von Drohungen und sogar Anschlägen.

Hintergrundinformationen


In Honduras herrscht nach wie vor Straffreiheit in vielen Fällen von Menschenrechtsverletzungen. Fälle von exzessiver Gewalt der Sicherheitskräfte werden nur selten untersucht. Im Dezember töteten Polizeiangehörige die beiden Umweltschützer Heraldo Zúñiga und Roger Iván Cartagena, die beide der Umweltbewegung Environmentalist Movement of Olancho (MAO) angehörten. Als sich Familienangehörige der beiden Umweltschützer und weitere MAO-Mitglieder für die Aufklärung der Morde einsetzten, wurden sie eingeschüchtert und ständig beschattet. Angehörige der Polizei sollen im Vorfeld des Gerichtsverfahrens Beweise am Tatort manipuliert haben. 2008 wurden die vier Polizisten, die der Morde für schuldig befunden waren, bis zur Festsetzung des Strafmasses in einer Militärkaserne inhaftiert. Am 22. Juli 2008 gelang zwei der Polizisten die Flucht, wenige Tage später konnte der dritte entkommen.

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