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FI 201/10-1
Kolumbien
Abgeschlossen am 27. Juni 2011

Paramilitärs bedrohen Gemeinden

AI-Index: AMR 23/016/2011

Im Departamento Chocó im Nordwesten Kolumbiens werden afro-kolumbianische und indigene Gemeinden im Flussbecken der Flüsse Curvaradó und Jiguamiandó von Paramilitärs bedroht und eingeschüchtert.

Am 20. April 2011 errichteten im Departamento Chocó rund 150 Paramilitärs an den Ausläufern des Flusses Curvaradó ein Lager, das sie seitdem als Basis für Operationen in der Umgebung nutzen. Obwohl die kolumbianischen Streitkräfte in der Region starke Präsenz zeigen und die XVIII. Brigade der Armee dort Patrouillen durchführt, haben die Behörden keine erkennbaren Anstrengungen unternommen, um den Paramilitärs Einhalt zu gebieten.

Am 5. Mai 2011 kreisten elf Paramilitärs die Frauen Sixta Tulia Pérez und Blanca Rebolledo ein, zwei führende Mitglieder der afro-kolumbianischen Gemeinde in Caracolí am Ausläufer des Flusses Curvadaró. Die Paramilitärs versuchten, den Frauen die Kleider vom Leib zu reissen, und griffen nach einem Kind, das sie bei sich hatten. Einer der Männer schlug mit einer Peitsche auf Sixta Tulia Pérez ein. Die Angreifer bedrohten die Frauen mit den Worten: „Seid gewarnt... der Boss hat genug Geld, um der Regierung diktieren zu können, was sie zu tun hat um euch hier rauszuschaffen“. Später am Tag bedrohten dieselben Paramilitärs vor den Augen von Soldaten der XVII. Brigade weitere Frauen. Die Soldaten schritten nicht ein, als die Frauen sie um Hilfe baten. Am 7. Mai waren es wieder dieselben Paramilitärs, die Blanca Rebolledo erneut zu umzingeln versuchten. Sie konnte den Angreifern jedoch entkommen und fand bei der Gemeindesprecherin Lina Rosa García Zuflucht. Als den Paramilitärs gewahr wurde, dass die Frauen telefonisch um Hilfe gebeten hatten, drohten sie, Lina Rosa García den Kopf abzutrennen.

Am 4. Mai beschuldigte ein Polizist den Sekretär des Gouverneurs der indigenen Gemeinde von Alto Guayabal, Albeiro Jumi, der Guerilla anzugehören. Dieser befand sich zu dem Zeitpunkt auf dem Weg in die im Departamento Antioquia gelegene Stadt Mutatá. Die Gemeinde ist Teil des Indigenenreservats (resguardo) von Urada-Jiguamiandó, welches an das von Afro-Kolumbianern bewohnte Gebiet von Jiguamiandó angrenzt. BewohnerInnen des Reservats sind erst kürzlich von Soldaten der XVII. Brigade als „Guerrilleros und Scheissinformanten“ beschimpft worden. Amnesty International befürchtet, dass solche Anschuldigungen angesichts der massiven Militärpräsenz in der Region zu Anschlägen auf BewohnerInnen des Reservats ermutigen könnten. Besonders gefährdet sind womöglich diejenigen, die dem Abbau von Bodenschätzen in der Region durch internationale Unternehmen ablehnend gegenüberstehen.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Seit den 1990er Jahren haben Paramilitärs in den Gegenden von Jiguamiandó und Curvaradó sowie im Schutzgebiet Urada-Jiguamiandó Afro-Kolumbianer und Indigene mit dem Tod bedroht, getötet oder vertrieben. Dies geschieht entweder durch selbständig operierende Paramilitärs oder in Zusammenarbeit dieser mit Sicherheitskräften. In der Hoffnung auf mehr Sicherheit haben die afro-kolumbianischen Gemeinden von Jiguamiandó und Curvaradó „humanitäre Zonen“ ausgerufen, um ihr Recht als Zivilisten zu wahren, nicht in den Konflikt hineingezogen zu werden. Die Gemeinden haben ihre Landrechte zu verteidigen und zu verhindern versucht, dass auf ihrem Land illegale Palmpflanzungen und andere wirtschaftliche Aktivitäten immer mehr um sich greifen. Viele der Gemeindemitglieder sind in der Folge bedroht und getötet worden. In den vergangenen Jahren haben trotz massiver Präsenz der Armee Paramilitärs immer wieder Menschen getötet, die sich über die Ausbeutung ihrer Ländereien durch die Zucht afrikanischer Palmen und anderweitige wirtschaftliche Nutzung beschwert haben. Auch die BewohnerInnen des Reservats von Urada-Jiguamiandó sind seit Ende der 1990er Jahre immer wieder bedroht und mehrere von ihnen getötet worden.
Die massive Präsenz paramilitärischer Einheiten in einer Region, die nur rund eine Stunde von den humanitären Zonen von Caracolí, Tesoro-Camelias und Caño Claro-Andalucía sowie der Gegend von El Firme und No Hay Como Dios im Flussbecken des Curvaradó entfernt liegt, ist die Folge eines Besuchs von Kabinettsmitgliedern in dem Gebiet. Sie verpflichteten sich dort zur Rückgabe von Länderein, das sich Paramilitärs im Interesse örtlich tätiger Palmenzüchter, Bananenanbauer und Viehzüchter widerrechtlich und oftmals unter Einsatz von Gewalt angeeignet haben. Das Verfassungsgericht hatte mit Urteil vom Mai 2010 die Rückübertragung der Ländereien angeordnet. Berichte lassen befürchten, dass Paramilitärs Mordanschläge auf Afro-Kolumbianer planen, die sich für die Rückgabe gestohlenen Landes engagieren. In den zurückliegenden Wochen sind wiederholt Anschläge auf in den humanitären Zonen lebende SprecherInnen und weitere Personen verübt worden. Im Jahr 2008 hatten Paramilitärs Walberto Hoyos Rivas getötet, damals Sprecher der afro-kolumbianischen Gemeinde im Flussbecken des Curvaradó. Unter dem seit Jahren in Kolumbien tobenden bewaffneten Konflikt haben vor allem afro-kolumbianische Gemeinschaften, die indigene Bevölkerung und Kleinbauern zu leiden. Sie fallen dem „Verschwindenlassen“ durch die Sicherheitskräfte oder oftmals mit ihnen verbündeter Paramilitärs zum Opfer oder werden von Guerrillagruppen verschleppt. Der Interamerikanische Gerichtshof für Menschenrechte der Organisation Amerikanischer Staaten hat die kolumbianischen Behörden wiederholt aufgerufen, geeignete Massnahmen zum Schutz der afro-kolumbianischen Bevölkerung in Curvaradó und Jiguamiandó zu ergreifen. Dieser Forderung sind die Behörden jedoch nur halbherzig nachgekommen.

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