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Startseite Urgent Actions 2010 09 Afro-Descendant communities threatened
UA 201/10
Kolumbien
Abgeschlossen am 26. Oktober 2010

Afro-kolumbianische Gemeinden bedroht

AI-Index: AMR 23/029/2010

Im Westen Kolumbiens wurden mindestens zwei Angehörige afro-kolumbianischer Gemeinden durch Paramilitärs getötet und einige weitere bedroht. MenschenrechtsverteidigerInnen, die mit den Gemeinden zusammenarbeiten, wurden ebenfalls bedroht und als GuerillaunterstützerInnen bezeichnet, um sie zu diskreditieren.

Afro-kolumbianische Gemeinden, die im Besitz kollektiver Landtitel für Territorien in Calima und im nahe gelegenen San Juan (Departements Valle del Cauca und Chocó) sind, erhielten Drohungen von paramilitärischen Gruppen, die sich ‚Los Rastrojos’ und ‚Águilas Negras’ (Schwarze Adler) nennen. Sie kündigten an, das Gebiet im Oktober unter ihre Kontrolle bringen zu wollen. Seit Juli sind mindestens zwei Angehörige dieser Gemeinden, nämlich Juan Bautista Murillo und Edwin Pedroza, getötet worden.

Am 31. August erfuhr die Menschenrechtsorganisation ‚Comisión Intereclesial de Justicia y Paz’, die die beiden Gemeinschaften und andere afro-kolumbianische Gemeinden begleitet, dass Paramilitärs die Anwohner, die die Morde angezeigt haben, mit dem Tod bedroht hätten. Sie forderten Angehörige der Gemeinden ausserdem auf, keine Informationen an ‚Justicia y Paz’ weiterzugeben und die von der Organisation abgehaltenen Aufklärungsworkshops zu Menschenrechten nicht weiter zu besuchen. Die Paramilitärs hatten ausserdem im August eine schriftliche Todesdrohung in Umlauf gebracht, in der ein örtlicher Priester und ‚Justicia y Paz’ zu „militärischen Zielen“ erklärt und sie aufgefordert worden waren, die Gegend zu verlassen.

Die Sorge um die Sicherheit der Mitglieder von ‚Justicia y Paz’ hat sich jüngst intensiviert, nachdem die Organisation in den Medien wiederholt beschuldigt wurde, mit der Guerillaorganisation FARC (‚Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia’) im Rahmen eines scheinbaren Mordversuchs an Germán Marmolejo am 31. August zusammengearbeitet zu haben. Germán Marmolejo setzte sich für die Anpflanzung afrikanischer Palmen und für die wirtschaftliche Erschliessung von Grundstücken ein, die afro-kolumbianische Gemeinschaften im Besitz der kollektiven Landtitel von Curvaradó und dem benachbarten Jiguamiandó für sich beanspruchen. Diese Landtitel liegen im Departement Chocó und die dortigen Gemeinden werden ebenfalls von ‚Justicia y Paz’ unterstützt. Erfahrungsgemäss werden in Kolumbien als Guerillakollaborateure bezeichnete Personen häufig durch die Sicherheitskräfte oder paramilitärische Gruppen bedroht oder getötet.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

In den vergangenen Jahren wurden afro-kolumbianische Gemeinden in den Departements an der Pazifikküste Kolumbiens wiederholt mit dem Tode bedroht, getötet oder vertrieben. Dies geschieht entweder durch selbständig operierende Paramilitärs oder in Zusammenarbeit dieser mit Sicherheitskräften, die die Gemeinden als Guerillakollaborateure bezeichnen. Durch diese Menschenrechtsverletzungen soll häufig die Kontrolle über rohstoffreiche oder anderweitig wirtschaftlich interessante Grundstücke gesichert werden. Viele dieser Gebiete gehören von Rechts wegen den afro-kolumbianischen Gemeinden, die über kollektive Landtitel verfügen. Paramilitärs haben Angehörige dieser Gemeinschaften schon oft kurz vor oder direkt nach Erhalt solcher Landrechte bedroht oder getötet. Auch Guerilla-Streitkräfte haben bereits Mitglieder dieser Gemeinden getötet oder bedroht, da sie sie der Zusammenarbeit mit Sicherheitskräften bzw. paramilitärischen Gruppen verdächtigten.

‚Justicia y Paz’ unterstützt die afro-kolumbianischen Gemeinden im Kampf für Gerechtigkeit für begangene Menschenrechtsverletzungen. Sie setzen sich für den Schutz der kollektiven Landtitel dieser Gemeinden ein und haben eine Verbindung zwischen Menschenrechtsverletzungen und wirtschaftlichen Interessen aufgezeigt. Während der Ausübung ihrer Arbeit wurden Mitglieder der Organisation wiederholt mit dem Tode bedroht und mit den Guerilla-Streitkräften in Verbindung gebracht. Am 8. September wurde Danilo Rueda, ein Mitarbeiter der Organisation, in Bogotá von zwei Männern auf einem Motorrad mit dem Seitenspiegel der Maschine gestreift. Einer der beiden sagte zu ihm: „Dies ist eine Warnung – weil du dich in Dinge einmischst, die dich nichts angehen.“ In den vergangenen Jahren haben sowohl ‚Justicia y Paz’ als auch Angehörige der afro-kolumbianischen Gemeinden sehr häufig Morddrohungen durch Paramilitärs erhalten, und mehrere Gemeindemitglieder wurden sogar getötet.

Die Gemeinden von Jiguamiandó und Curvaradó haben den Diebstahl ihres Landes durch Paramilitärs, Unternehmen für die Anpflanzung afrikanischer Palmen sowie andere wirtschaftlichen Interessensvertretern angezeigt. Angehörige dieser Gemeinden und Mitglieder von ‚Justicia y Paz’ wurden von paramilitärischen Gruppen und Sicherheitskräften wiederholt als GuerillaunterstützerInnen bezeichnet. Es wurde darüber hinaus mehrfach erfolglos versucht, unbegründete strafrechtliche Anklagen gegen sie zu erheben. Amnesty International ist besorgt über die Versuche, ‚Justicia y Paz’ mit der FARC in Verbindung zu bringen und in den Mordversuch an Germán Marmolejo zu verwickeln und befürchtet, dass damit die Organisation diskreditiert und in ihren Fähigkeiten, die Gemeinden von Jiguamiandó und Curvaradó zu unterstützen, eingeschränkt werden soll. Dies geschieht genau zu dem Zeitpunkt, als juristische Bemühungen unternommen werden, um die Unternehmen für die Anpflanzung afrikanischer Palmen sowie andere wirtschaftliche Interessensvertreter zur Aufgabe ihrer illegalen Machenschaften zu bringen und die Grundstücke zu verlassen, die sich von Rechts wegen im kollektiven Besitz der afro-kolumbianischen Gemeinden befinden.

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