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Startseite Urgent Actions 2010 08 Execution scheduled Execution in Washington State
FI 189/10-1
USA (Washington)
Abgeschlossen am 10. September 2010

Todesurteil vollstreckt

AI-Index: AMR 51/083/2010

Cal Brown wurde am 10. September 2010 im US-Bundesstaat Washington durch die Giftspritze hingerichtet. Er hatte mehr als 16 Jahre seines Lebens in der Todeszelle verbracht. Dies war die erste Hinrichtung in dem Bundesstaat seit neun Jahren.

Am 8. September lehnte Gouverneur Chris Gregoire das Gnadengesuch von Cal Brown ab. Die Hinrichtung wurde in den Morgenstunden des 10. September in der Justizvollzugsanstalt des Bundesstaates Washington vollstreckt. Der Gouverneur äusserte sich folgendermassen zu der Hinrichtung: „Als Gouverneur kommt mir die verfassungsmässige Pflicht zu, für den ordnungsgemässen Vollzug der Gesetze des Bundesstaates Washington Sorge zu tragen. Kraft meines Amtes bin ich ausserdem befugt, die Umwandlung eines Todesurteils in eine lebenslange Haftstrafe zu veranlassen. Die BürgerInnen des Bundesstaates haben den Gouverneur mit der Befugnis, Gnade zu gewähren, ausgestattet – für den Fall dass ausserordentliche Umstände die Strafmilderung eines Verurteilten begründen. Das Volk möchte hingegen nicht, dass der Gouverneur seine Macht dazu benutzt, die Gesetze des Bundesstaates durch persönliche Einschätzungen zu ersetzen“. Der Gouverneur fügte hinzu, dass er nach sorgfältiger Prüfung des Falles und „in Anbetracht der enormen Bedeutung dieser Angelegenheit“ entschieden habe nicht einzugreifen. Er begründete seine Entscheidung mit den Worten: „Meiner Meinung nach besteht in diesem Fall kein Grund für die Umwandlung des Todesurteils, da dieses von den Geschworenen in Übereinstimmung mit den Gesetzen unseres Bundesstaates verhängt wurde“.

Gouverneur Chris Gregoire erwähnte, man habe im Rahmen des Gnadengesuches „die Bitte an ihn gerichtet, die bei Cal Brown diagnostizierte psychische Störung zu berücksichtigen“ (Bei Cal Brown wurde eine bipolare Störung diagnostiziert). Der Gouverneur fügte hinzu: „Die Geschworenen haben diesen Sachverhalt in ihre Entscheidung einbezogen und untersucht, ob sich Cal Brown zum Zeitpunkt des Mordes an Holly Washa über den Unterschied zwischen Recht und Unrecht im Klaren war und seine Handlungen aktiv steuern konnte“.

Am 27. Mai 1991 hatte die Polizei im Bundesstaat Washington die Leiche der 21-jährigen Holly Washa im Kofferraum ihres Wagens gefunden. Cal Brown sagte der Polizei gegenüber aus, Holly Washa entführt, ausgeraubt, vergewaltigt, gefoltert und ermordet zu haben. Man stellte ihn wegen des Mordes an der jungen Frau vor Gericht und verurteilte ihn am 28. Januar 1994 zum Tode.

Cal Brown bekannte sich ebenfalls des versuchten Mordes an einer weiteren Frau in Kalifornien schuldig und wurde dort zu lebenslanger Haft verurteilt.

In seinen letzten Worten verwies Cal Brown auf die Widersprüche im Todesstrafensystem der USA. Er bemängelte, dass es Personen, die des mehrfachen Mordes für schuldig befunden worden waren, gelungen war, dem Todesurteil zu entgehen. Er sagte: „Ich habe nur einen Menschen getötet. Ich halte dieses System nicht für wirklich gerecht und ich hoffe, dass dieser Missstand irgendwann korrigiert wird“.

Die Todesstrafe im US-Bundesstaat Washington geriet in die Kritik, nachdem es Gary Ridgway 2003 gelungen war, durch ein Schuldeingeständnis dem Todesurteil zu entgehen. Er bekannte sich schuldig, 48 Frauen ermordet zu haben. Die Tatsache, dass er zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, während andere wegen Verbrechen mit weit weniger Opfern hingerichtet wurden, führte nach einer Einschätzung des Obersten Gerichtshofs des Bundesstaates Washington aus dem Jahr 2006 dazu, dass „viele in unserer Gesellschaft nun eindeutig in Frage stellen, ob die Todesstrafe aus Gründen der Fairness überhaupt noch gegen einen anderen Angeklagten angewendet werden kann“. Dennoch hielt das Gericht die Todesstrafe im Bundesstaat mit fünf zu vier Stimmen weiterhin aufrecht.

In diesem Jahr sind in den USA 38 Todesurteile vollstreckt worden. Seit der Wiederaufnahme von Hinrichtungen wurden in den USA 1226 Personen hingerichtet, fünf davon im Bundesstaat Washington.

Weitere Aktionen des Eilaktionsnetzes sind nicht erforderlich. Vielen Dank an alle, die mit Appellschreiben versucht haben, die Hinrichtung zu verhindern.

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