Benutzerspezifische Werkzeuge
Amnesty Urgent Actions
Startseite Urgent Actions 2011 08 Unfair trial leads to imminent execution
UA 260/11
Taiwan
Abgeschlossen am 12. Oktober 2011

Drohende Hinrichtung nach unfairem Gerichtsverfahren

AI-Index: ASA 38/004/2011

Der Taiwanese Chiou Ho-Shun schwebt in akuter Gefahr, hingerichtet zu werden. Er war 1989 nach einem unfairen Prozess zum Tod verurteilt worden. Am 25. August 2011 hat die Generalstaatsanwaltschaft einen auf besondere Umstände gestützten Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens gegen Chiou Ho-Shun abgelehnt.

Chiou Ho-Shun war 1988 im Zusammenhang mit der Entführung und Tötung von Lu Cheng sowie dem Mord an Ko Hung Yu-Lan festgenommen und zum Tod verurteilt worden. Gemeinsam mit ihm hatten elf weitere Angeklagte vor Gericht gestanden, gegen die Freiheitsstrafen verhängt worden waren. Seine Mitangeklagten befinden sich mit Ausnahme eines in der Haft verstorbenen Mannes inzwischen wieder in Freiheit.

Chiou Ho-Shun und seine Mitangeklagten geben an, sie seien in den ersten vier Monaten ohne Kontakt zur Aussenwelt in Haft gehalten und während dieser Zeit gefoltert worden, um von ihnen Geständnisse zu erpressen. Später zogen sie ihre Geständnisse zurück.

Nach offiziellen Ermittlungen wurden 1994 zwei StaatsanwältInnen und zehn PolizistInnen, die seinerzeit mit dem Fall der Entführung und des gewaltsamen Todes von Lu Cheng befasst gewesen waren, für schuldig befunden, unter Anwendung der Folter Geständnisse erpresst zu haben. Im Jahr 2003 räumte die Polizei ein, sie habe die Tatsache für sich behalten, dass ein anderer Todestraktinsasse kurz vor seiner Hinrichtung den Mord an Lu Cheng gestanden hatte.

In den 23 Jahren Haftzeit sind die Akten des Gefangenen Chiou Ho-Shun nicht weniger als elf Mal zwischen dem Oberen Gericht und dem Obersten Gerichtshof hin und her geschoben worden.

Obwohl Chiou Ho-Shun sein Geständnis unter Folter abgelegt hat, haben die Gerichte es als Beweismittel zugelassen. Der Aussage des anderen Todestraktinsassen, der sich für den Tod von Lu Cheng verantwortlich erklärt hatte, sind sie nicht nachgegangen.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

In den Todestrakten Taiwans sitzen derzeit mehr als 50 Menschen ein. Die Familien von zum Tod verurteilten Gefangenen werden nicht im Vorfeld über den Hinrichtungstermin unterrichtet. Sie erfahren erst im Nachhinein vom Tod ihrer Angehörigen, wenn ihnen eine Nachricht zugeht, dass sie den Leichnam aus dem Leichenschauhaus abholen können.

Die Regierung in Taiwan hat seit dem Jahr 2000 wiederholt ihre Absicht bekundet, die Todesstrafe abschaffen zu wollen. Am 30. April 2010 wurden dessen ungeachtet mit der Hinrichtung von vier Menschen erstmals seit 2005 wieder Todesurteile vollstreckt.

Im laufenden Jahr sind bereits fünf Menschen von Erschiessungskommandos exekutiert worden. Es handelt sich um Wang Chih-huang, Wang Kuo-hua, Chuang Tien-chu, Guang Chung-yen und Chung Teh-shu. Die Männer waren Verbrechen schuldig gesprochen worden, die sie zwischen 1988 und 2005 begangen hatten.

In Taiwan zum Tod verurteilte Menschen haben unter Verstoss gegen den Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte keine Möglichkeit, einen Antrag auf Begnadigung oder auf Umwandlung der Strafe zu stellen. Als Vertragsstaat des Pakts ist Taiwan zur Einhaltung der darin verbrieften Rechte verpflichtet.

Amnesty International lehnt die Todesstrafe ungeachtet der Schwere eines Verbrechens und der vom Staat praktizierten Hinrichtungsmethode unter allen Umständen ab.

7 Briefe verschickt  
My Urgent Actions
Fürs Mitzählen lassen Ihres Briefes und Update-Funktion zu nutzen müssen Sie sich
einloggen oder
anmelden
Downloads
UA 260/11 english
Microsoft Word Document, 59.0 kB
UA 260/11 deutsch
Microsoft Word Document, 60.5 kB
UA 260/11 français
Microsoft Word Document, 60.5 kB
Mehr zum Thema

Todesstrafe

In welchen Ländern existiert die Todesstrafe noch immer? Wie viele Menschen werden jährlich weltweit hingerichtet? Mehr

Folter

Warum ist Folter immer falsch und nutzlos? Wie engagiert sich Amnesty für die Wahrung des absoluten Folterverbots? Mehr