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Startseite Urgent Actions 2017 04 Dutch-Iranian prisoner denied heart surgery
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Iran
Abgeschlossen am 9. Juni 2017

Gefangener braucht Herzoperation

AI-Index: MDE 13/6153/2017

Dem niederländisch-iranischen Staatsangehörigen Sabri Hassanpour wird eine dringend nötige Herzoperation von den iranischen Behörden verweigert. Er befindet sich seit seiner Festnahme am 19. April 2016 im Evin-Gefängnis in Teheran. Im November 2016 hatte er im Gefängnis einen Herzinfarkt.

Der 60-Jährige niederländisch-iranische Staatsangehörige Sabri Hassanpour ist seit über einem Jahr im Evin-Gefängnis inhaftiert. Er ist schwer krank. Er erlitt am 15. November 2016 in Haft einen Herzinfarkt und wurde in ein Krankenhaus ausserhalb des Gefängnisses gebracht, wo eine Kardiologin ihm sagte, er benötige dringend eine Operation am offenen Herzen. Er hatte eine Vorerkrankung des Herzens, deretwegen er bereits mehrere arterienerweiternde Operationen am Herzen hatte. Zurzeit hat er ständig Schmerzen in der Brust und in der Herzgegend. Seine Mithäftlinge haben ihn bereits mehrmals in die Gefängnisklinik gebracht, doch die ÄrztInnen dort behandeln ihn nur mit intravenösen Flüssigkeiten und schicken ihn dann zurück in die Zelle zurück. Mehrmals ist er im Gefängnis bewusstlos zusammengebrochen. Die Behörden haben ihm mitgeteilt, dass er die Herzoperation selbst bezahlen muss, woraufhin er erklärt hat, dass er sich die Operation nicht leisten kann. Das verstösst gegen das Völkerrecht, in dem festgeschrieben ist, dass der Staat die medizinische Versorgung aller seiner Häftlinge kostenfrei und ohne Diskriminierung zu tragen hat.

Sabri Hassanpour wurde am 19. April 2016 von den Revolutionsgarden in der Wohnung seiner Schwester in Teheran festgenommen. Das war zwei Wochen nachdem er das erste Mal seit 30 Jahren wieder in den Iran gereist war. Die BeamtInnen gaben keine Gründe für seine Festnahme an. Sie brachten ihn in das Evin-Gefängnis, wo er im Trakt 2A zwei Monate lang in Einzelhaft festgehalten wurde. Während dieser Zeit hatte seine Familie keine Informationen über seinen Verbleib und er hatte keinen Zugang zu einem Rechtsbeistand, obwohl er wiederholt verhört wurde. Während der Verhöre wurde er unter Druck gesetzt, schriftliche Aussagen zu unterschreiben. Er weigerte sich jedoch, dies zu tun. Abgesehen von einem kurzen Treffen mit seinem Rechtsbeistand im Oktober 2016 hatte Sabri Hassanpour keinen rechtlichen Beistand. Im November 2016 wurde er in der Abteilung 15 des Revolutionsgerichts in Teheran vor Gericht gestellt. Dort brach er nach einer mündlichen Auseinandersetzung mit dem Richter zusammen. Seither wurde keine weitere Anhörung angesetzt.

Die Vorwürfe gegen Sabri Hassanpour sind Amnesty International nicht klar. Sie könnten jedoch mit seinen politischen Aktivitäten in den Niederlanden zu tun haben, bei denen er für eine politische Veränderung im Iran und dabei auch für die Trennung von Religion und Staat eintritt. Er ist der Geschäftsführer und Moderator des in den Niederlanden ansässigen persischsprachigen Online-Netzes Sima-ye Rahayi (Vision der Befreiung), in dem er Kritik an den iranischen Behörden und dem System der Islamischen Republik übt.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN (AUF ENGLISCH)

Sabri Hassanpour was moved to one of the general wards of Evin prison about two months after his arrest. He has been denied the right to be brought promptly before a judge and the right to challenge the lawfulness of his detention.
Under Iran’s prison regulations, the prison administration is required to provide prisoners with regular medical check-ups, and ensure that their medical needs are addressed. The regulations also provide for prisoners to be granted medical leave or transferred to treatment centres outside prison when the care they need is not available in prison. Iran’s Code of Criminal Procedure further authorizes judges to postpone the implementation of a prison sentence when imprisonment would exacerbate the illness of the prisoner, or to issue an alternative sentence if the individual is deemed too ill to serve it. The reality in Iran’s prisons, however, is very different. Amnesty International’s research shows that, in general, these provisions are flouted in practice and prisoners are often denied adequate medical care.

Furthermore, under Iranian law, prisoners must bear the financial costs associated with the treatment of conditions and illnesses that do not require urgent or immediate care or are “their own fault”. This is in breach of international law, which requires that states provide medical care for all prisoners, free of charge and without discrimination.

As a state party to the International Covenant on Economic, Social and Cultural Rights, Iran is legally obliged to respect, protect and fulfil “the right of everyone to the enjoyment of the highest attainable standard of physical and mental health”. Rule 24 of the UN Standard Minimum Rules for the Treatment of Prisoners (Nelson Mandela Rules) clarifies that the “provision of health care for prisoners is a State responsibility” and that prisoners “should enjoy the same standards of health care that are available in the community” and without discrimination. The Mandela Rules also provide that prisoners who require specialist treatment must be transferred to specialized institutions or outside hospitals when such treatment is not available in prison (Rule 27). Under the UN Body of Principles for the Protection of All Persons under Any Form of Detention or Imprisonment as well as the Mandela Rules, health care provided to individuals in custody must be free of charge (Principle 24).

The denial of medical treatment to prisoners may also violate the absolute prohibition of torture and other cruel, inhuman or degrading treatment or punishment, including under Article 7 of the International Covenant on Civil and Political Rights, to which Iran is also a state party. The UN Committee against Torture, in its General Comment 2, has affirmed that “States bear international responsibility for the acts and omissions of their officials and others”. This means that conduct such as depriving someone of basic needs, including medical attention, can violate the prohibition on torture and other ill-treatment. Whenever such deprivation is intentional, causes “severe pain or suffering” and meets the other requirements of the torture definition, it would constitute torture.

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