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Startseite Urgent Actions 2017 03 Paramilitary invasion of humanitarian zones Continued paramilitary presence in Chocó
FI 062/17-1
Kolumbien
Abgeschlossen am 30. Mai 2017

Paramilitärs weiter in Chocó

AI-Index: AMR 23/6082/2017

BewohnerInnen von Puerto Lleras im Gemeinschaftsgebiet Jiguamiandó im Departamento Chocó berichten von Drohungen und Hausdurchsuchungen durch Paramilitärs nahe der humanitären Zone Pueblo Nuevo, mit denen alle BewohnerInnen in Gefahr gebracht werden.

Am 15. April berichtete die Menschenrechtsorganisation Comisión Intereclesial de Justicia y Paz (CIJP), dass eine nicht genau bekannte Anzahl von Paramilitärs der Gruppe Autodefensas Gaitanista de Colombia (AGC) in das Dorf Puerto Lleras auf dem Gemeindeland Jiguamiandó im Departamento Chocó im Nordwesten Kolumbiens eingedrungen sei. Laut Angaben von CIJP trieben die Paramilitärs die Gemeinschaft zusammen und teilten ihr mit, dass sie die Kontrolle über die zuvor von der FARC (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia) kontrollierten Gebiete übernähmen und dass sie der Guerillagruppe Ejército de Liberación Nacional (ELN) den Zugang zum Gebiet nicht gestatten würden.

Die CIJP berichtete, dass die Paramilitärs jeder Person für einen Beitritt zu ihrer Gruppe 800.000 Kolumbianische Pesos (etwa 264 Euro) anboten und die Gemeinschaft anwies, Kokasträucher auf ihrem Land anzubauen. Sie kündigten zudem an, auf weitere 100 Männer zu warten, die von Pavarandó zu ihnen stossen und in das Dorf Pueblo Nuevo gehen würden, welches einen Teil der humanitären Zone bildet. Laut Angaben der CIJP hat das um diese Zonen herum stationierte kolumbianische Militär nichts dagegen unternommen. Im Gegenteil, die paramilitärischen Gruppen konnten sich völlig frei in das Gebiet hinein- und wieder hinausbewegen.

Trotz der Tatsache, dass den humanitären Zonen des Uradá Jiguamiandó-Reservats, Pueblo Nuevo und Nueva Esperanza, Schutzmassnahmen der Interamerikanischen Menschenrechtskommission und des kolumbianischen Verfassungsgerichts gewährt wurden, berichten deren BewohnerInnen, dass es weiterhin zu Durchsuchungen durch paramilitärische Gruppen kommt und diese seit Anfang März zugenommen haben. Zusätzlich hatten führende Gemeinschaftsmitglieder aus Jiguamiandó über im März dieses Jahres erfolgte Drohungen gegen sie berichtet. Zu den Bedrohten gehören Manuel Denis Blandón, Melkin Romaña, Romualdo Salcedo, Félix Álvarado, Erasmo und Benjamín Sierra sowie der Indigenensprecher Argemiro Bailarín.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Die Menschenrechts-NGO Comisión Intereclesial de Justicia y Paz arbeitet zusammen mit indigenen und afro-kolumbianischen Gemeinden, die in den Flussgebieten Curvadó und Jiguamiandó leben und ihr Gebiet zurückzufordern. Seit 2005 besetzen Paramilitärs das Land von indigenen und afro-kolumbianischen Gemeinden.
Viele Menschen, die Ende der 1990er Jahre von Paramilitärs und Sicherheitskräften mit Gewalt von ihrem Land vertrieben wurden, sind inzwischen in das Flussgebiet Curvadó und Jiguamiandó zurückgekehrt. Die Gemeinden versuchen, ihr Recht auf das Land zu verteidigen und die Ausweitung illegaler Ölpalmplantagen und anderer Wirtschaftstätigkeiten in ihren Gebieten zu stoppen. Daraufhin wurden viele Gemeinschaftsmitglieder bedroht oder ermordet. Trotz wiederholter Anordnungen des Verfassungsgerichts wurde das Land nicht an die Gemeinschaften zurückgegeben.
Im April 2006 wurde die erste von vielen verschiedenen „humanitären Zonen“ gegründet. Das sind klar markierte Zonen, in denen die BewohnerInnen verlangen, dass die Konfliktparteien ihre Entscheidung respektieren, nicht in den Konflikt hineingezogen werden zu wollen. Sie sind ein Mittel zum Schutz und eine Botschaft für die Konfliktparteien, dass die Rechte der BewohnerInnen als Zivilpersonen respektiert werden sollten. Die humanitären Zonen im Reservat Urada Jiguamiandó, Pueblo Nuevo und Nueva Esperanza liegen im Flussgebiet Jiguamiandó. Die BewohnerInnen forderten das Recht ein, nicht in den Konflikt hineinzogen zu werden.
Seit 2015 gibt es Berichte über paramilitärische Gruppen in dem Gebiet, die unter den BewohnerInnen Angst verbreiten und die AnführerInnen der Gemeinschaften bedrohen. In seinem jüngsten Risikobericht wies der Ombudsmann insbesondere auf die kritische Situation der führenden Angehörigen der ethnischen Gemeinschaft dieses Gebietes, der indigenen Behörden und den Bewegungen für Gemeinschaftsrechte hin, insbesondere in den ländlichen Bereichen der Gemeinden Alto, Medio und Bajo Baudó, Litoral de San Juan, Nuquí und Juradó. Seit dem 5. März sind die Ermordung von zwei führenden Gemeinschaftsmitgliedern; die Ausweitung und Stärkung der ELN in den Zonen, die zuvor von der FARC kontrolliert wurden, und ein Anstieg der AGC-Truppen verzeichnet worden. In einem Interview mit örtlichen Medien warnte der Ombudsmann am 17. April, dass sich der Konflikt in Chocó in jüngster Zeit zugespitzt habe und mehr als 2.000 Menschen davon betroffen seien. Es komme täglich zu Entführungen und 20 bis 30 Gemeinden in dem Departamento sind aufgrund des Machtkampfs bewaffneter Konfliktparteien um die territoriale Kontrolle in Gefahr.

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