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UA 021/12
Sudan
Aktiv seit 24. Januar 2012 | Noch 12 Tage Laufzeit

Student in Haft ohne Kontakt zur Aussenwelt

AI-Index: AFR 54/003/2012

Am 30. Dezember 2011 wurde der Student und Aktivist Taj Alsir Jaafar in der sudanesischen Hauptstadt Khartum von Sicherheitskräften festgenommen. Er hat keinen Kontakt zur Aussenwelt, und ihm drohen Folter und andere Misshandlungen. Taj Alsir Jaafar ist möglicherweise ein gewaltloser politischer Gefangener, da er lediglich aufgrund der Ausübung seiner Rechte auf freie Meinungsäusserung und Versammlungsfreiheit inhaftiert wurde. Nachdem seine Mutter versucht hatte, ihn zu besuchen, erhielt sie Drohungen.

Am 30. Dezember 2011 wurde der 25-jährige Taj Alsir Jaafar als er sich auf dem Weg von der Universität nach Hause befand von SicherheitsbeamtInnen in Khartum festgenommen. Laut einer Zeugenaussage, befand sich Taj Alsir Jaafar im Bus, als er von SicherheitsbeamtInnen gezwungen wurde auszusteigen. Seine Mutter erhielt die Information, dass Taj Alsir Jaafar vom syrischen Geheimdienst (National Intelligence and Security Services - NISS) gefangen gehalten wird. Dennoch ist sein Aufenthaltsort unbekannt. Nach einigen Versuchen, ihren Sohn ausfindig zu machen, erlaubte man schliesslich der Mutter am 21. Januar ein Paket mit seiner Kleidung zu dem Hautquartier des NISS in Khartum zu bringen. Sie durfte ihn jedoch nicht sehen. Seit der Inhaftierung von Taj Alsir Jaafar, ist seine Mutter bereits mindestens zweimal von Personen in Zivilkleidung, bei denen es sich vermutlich um NISS-Agenten handelt, mündlich bedroht worden. Man sagte ihr, sie solle aufhören sich nach ihrem Sohn zu erkundigen. Sie könnte sich gefährden, wenn sie weiter nach ihm sucht.

Taj Alsir Jaafar ist studentischer Koordinator der oppositionellen Studierendenbewegung „The Movement of New Demokratic Forces“ an der Universität Khartum (auch als HAQU - Arabisch: „richtig“ - bekannt). Vermutlich wurde er aufgrund seiner Teilnahme an studentischen Protesten vom 22. bis 25. Dezember 2011, bei denen eine Sitzblockade an der Universität veranstaltet wurde, festgenommen. Falls sich Taj Alsir Jaafar lediglich aufgrund seiner Teilnahme an friedlichen Protesten in Haft befindet, betrachtet Amnesty International ihn als einen gewaltlosen politischen Gefangenen. Er war bereits im Jahr 2009 sowie im Januar 2011 von der NISS festgenommen und während seiner Haft im Jahr 2009 mutmasslich gefoltert worden. Grund dafür waren seine politischen Aktivitäten. In beiden Fällen wurde er ohne Anklage freigelassen.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Von Mitte Dezember 2011bis in den Januar 2012 hielten Studierende der Universität Khartum friedliche Demonstrationen ab, damit brachten sie ihre Solidarität mit der ethnischen Gruppe der Manaseer zum Ausdruck, die aufgrund des Baus des Merowe-Staudamms im sudanesischen Bundesstaat Nahr an-Nil, gewaltsam von ihrem Land vertrieben worden war. Am 22. Dezember lösten Polizei- und Sicherheitskräfte die Demonstrationen mit Schlagstöcken und Tränengas gewaltsam auf. Viele Studierende wurden während und nach den Demonstrationen festgenommen. Durch die massive Gewalt der Sicherheitskräfte, erlitten zahlreiche Demonstrierende schwere Verletzungen.
Die Proteste im Nahen Osten und Nordafrika begannen Anfang Januar 2011 in Tunesien und dehnten sich auf eine Reihe weiterer Hauptstädte der Region aus. Angeregt durch diese Proteste kam es auch im Sudan 2011 vielerorts zu Demonstrationen mit Forderungen nach Demokratie und einer Verbesserung der sozio-ökonomischen Lebensbedingungen. Die Polizei und der Staatsicherheitsdienst NISS im Sudan nehmen häufig friedliche Demonstrierende fest und misshandeln sie, insbesondere wenn sie die Einhaltung ihrer Rechte fordern. Studierendenbewegungen und ihre Organisationen werden regelmässig zur Zielscheibe des NISS.
Aufgrund des in 2010 verabschiedeten Nationalen Sicherheitsgesetzes hat der NISS weiterhin weitreichende Festnahme- und Inhaftierungsbefugnisse und kann Menschen über vier Monate ohne gerichtliche Aufsicht gefangen halten. Zudem profitieren NISS-Agenten von der Straflosigkeit.

 

Empfohlene Aktionen

Schreiben Sie bitte faxe oder Luftpostbriefe Mit folgenden Forderungen

  • Ich bitte Sie hiermit, Taj Alsir Jaafar unverzüglich und bedingungslos freizulassen, wenn er lediglich aufgrund seiner Teilnahme an friedlichen Protesten inhaftiert wurde.
  • Ich fordere Sie auf, sofern er aufgrund einer strafbaren Handlung angeklagt wurde, die nicht im Zusammenhang mit friedlichen Protesten steht, unverzüglich ein Gerichtsverfahren gegen ihn zu eröffnen, dass den internationalen Standards für einen fairen Prozess entspricht.
  • Bitte stellen Sie sicher, dass Taj Alsir Jaafar vor Folter und anderen Misshandlungen geschützt wird und Zugang zu seiner Familie, einem Rechtsbeistand seiner Wahl und, falls notwendig, medizinische Versorgung erhält.
  • Ich bitte Sie, der Mutter von Taj Alsir Jaafar nach ihren Wünschen und aufgrund der Drohungen gegen Sie Schutzmassnahmen zu treffen.
  • Ich appelliere an die sudanesische Regierung, die Drangsalierung und Inhaftierung von AktivistInnen umgehend zu stoppen und ihre Rechte auf freie Meinungsäusserung und Versammlungsfreiheit zu respektieren.

 

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 6. März 2012 keine Appelle mehr zu verschicken.

 

Appelle an


Justizminister
Mr Mohammed Bushara Dousa
Ministry of Justice
PO Box 302, Al Nil Avenue
Khartoum
SUDAN
Fax: (00 249) 183 764 168
(korrekte Anrede: Your Excellency / Exzellenz)

Innenminister
Mr Ibrahim Mohamed Hamed
Ministry of Interior
PO Box 873
Khartoum,
SUDAN
(korrekte Anrede: Your Excellency / Exzellenz)

Kopien an


Präsident
HE President
Omar Hassan Ahmed Al Bashir
Office of the President
People's Palace, PO Box 281
Khartoum,
SUDAN
Fax: (00 249) 183 770 621
E-Mail: info@sudan.gov.sd

Ambassade de la République du Soudan,
Avenue Blanc 51-53, 3ème étage,
1202 Genève.
Fax: 022 731 26 56 // 022 716 19 70
E-mail: mission.sudan@bluewin.ch

6 Briefe wurden verschickt
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