Benutzerspezifische Werkzeuge
Amnesty Urgent Actions
Startseite Urgent Actions 2012 01 Human rights defender’s life danger Human rights defenders threatened
FI 014/12-1
Kolumbien
Abgeschlossen am 19. März 2012

Menschenrechtsverteidiger bedroht

AI-Index: AMR 23/006/2012

Mitglieder der Menschenrechtsorganisation CREDHOS in Barrancabermeja haben weitere Morddrohungen von Paramilitärs erhalten.

Als Wilfran Cadena, Vizepräsident der Menschenrechtsorganisation Corporación Regional para la Defensa de los Derechos Humanos (CREDHOS), am 1. Februar im Büro der Organisation in Barrancabermeja im Departamento Santander ankam, fand er dort mehrere Flugblätter vor, die man dort hinterlassen hatte. Die Flugblätter waren von der paramilitärischen Gruppierung „Comandos Urbanos“ unterzeichnet und mit dem Bild zweier Toten-schädel versehen worden. Auf diesen Flugblättern bezeichneten die Paramilitärs CREDHOS-Mitglieder als Guerillakämpfer und erklärten, sie wollen die Stadt von solchen Guerillakämpfern säubern.

Auf dem Flugblatt tauchen die Namen der beiden CREDHOS-Mitglieder David Ravelo Crespo und seiner Cousine María Ravelo Grimaldo auf. Ausserdem richtet es sich an die Kleinbauernorganisation Asociación Campesina del Valle del Río Cimitarra (ACVC). Wörtlich heisst es: „Du Cousine eines Gonorrhö-Guerilleros, dieses David Ravelo, wir wissen, dass du durch die Stadtviertel ziehst, um Leute für diesen Menschenrechtsscheiss zu rekrutieren. María Ravelo, die Dinge werden jeden Moment eine andere Wendung nehmen, wir wissen von deinen Bildern und dass du mit den Hurensöhnen von der ACVC verkehrst“ ("usted … la prima del gonorrea guerrillero ese del David Ravelo usted anda por los barrios de barranca [sic] invitando a gente a meterse en esa mierda de los derechos humanos … yen [sic] cualquier momento señora maría [sic] Ravelo le va a caer el tablón … sabemos de sus fotos y de sus compañeros perros hijueputas de la ACVC"). Zwei bewaffnete Männer näherten sich am 1. Februar Anny Lizeth Vera Ravelo, der Tochter von María Ravelo. Sie gaben ihr ein Flugblatt und sagten, ihre Mutter solle das “Spiel” beenden.

Hintergrundinformationen

CREDHOS ist eine regional tätige Menschenrechtsorganisation, die sich in der Gegend von Barrancabermejo und in Magdalena Medio dafür einsetzt, dass Menschenrechtsverletzungen geahndet werden. In den zurückliegenden Jahren sind CREDHOS-AktivistInnen immer wieder mit dem Tod bedroht worden. Der CREDHOS-Mitarbeiter David Ravelo Crespo befindet sich seit September 2010 unter der Anschuldigung in Haft, Verbindungen zu Guerillagruppen zu unterhalten. Menschenrechtsorganisationen vermuten hinter der Anklage gegen David Ravelo Crespo den Versuch, CREDHOS zum Schweigen zu bringen und das Ansehen der Organisation zu diskreditieren. Die Sicherheitskräfte und paramilitärische Gruppen haben in der Vergangenheit Menschenrechtsorganisationen und Gewerkschaften immer wieder als Kollaborateure oder Unterstützer der Guerilla gebrandmarkt und ihre Mitglieder bedroht, verschleppt oder getötet. Auch Guerillagruppierungen haben MenschenrechtsverteidigerInnen und GewerkschafterInnen bedroht und getötet, weil sie diese verdächtigten, mit dem Feind zu kooperieren. Die aktuellen Morddrohungen gegen CREDHOS erfolgten kurz nach der Teilnahme der Organisation an der Gedenkfeier anlässlich des 23. Jahrestags des so genannten „Massakers von La Rochela“. Am 18. Januar 1989 waren dabei zwölf JustizmitarbeiterInnen von Paramilitärs, die mit den Streitkräften zusammenarbeiteten, im Departamento Santander getötet worden.

Abelardo Sánchez Serrano und andere CREDHOS-Mitglieder erhielten in diesem Zusammenhang Morddrohungen. Am 13. Januar war Abelardo Sánchez Serrano auf dem Weg zum CREDHOS-Büro, als sich ihm zwei Männer auf einem Motorrad näherten. Einer der Männer richtete eine Pistole auf ihn und sagte ihm, er habe 72 Stunden um die Stadt zu verlassen.

María Ravelo Grimaldo ist Vorsitzende der Niederlassung der Menschenrechtsorganisation Asociación Nacional de Ayuda Solidaria (ANDAS), in Barrancabermeja. ANDAS unterstützt Vertriebene. María Ravelo Grimaldo arbeitete in den vergangenen Monaten mit Vertriebenen in der Gemeinde Villa Dignidad im Verwaltungsbezirk Barrancabermeja. MenschenrechtsverteidigerInnen, die sich für vertriebene Menschen einsetzen, werden immer wieder von Sicherheitskräften und Paramilitärs, die wiederum von den Sicherheitskräften unterstützt werden, mit dem Tode bedroht oder anderen schweren Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt.

Im Laufe des bewaffneten innerstaatlichen Konfliktes in Kolumbien, der sich schon über vier Jahrzehnte hinzieht, haben die Sicherheitskräfte systematisch zahlreiche Menschen aussergerichtlich hingerichtet. Das Vorgehen der Sicherheitskräfte ist Teil ihrer Strategie der Aufstandsbekämpfung. Die Generalstaatsanwaltschaft Kolumbiens untersucht mehr als 2000 Fälle aussergerichtlicher Hinrichtungen, für welche die Sicherheitskräfte verantwortlich sein sollen. In Kolumbien sind immer wieder Menschen, die Gerechtigkeit für die Opfer von aussergerichtlichen Hinrichtungen eingefordert haben, von den Sicherheitskräften oder ihren paramilitärischen Verbündeten mit dem Tod bedroht oder ermordet worden.

 

7 Briefe wurden verschickt
My Urgent Actions
Downloads
UA 014/12-1 english
Microsoft Word Document, 60.0 kB
UA 014/12-1 français
Microsoft Word Document, 59.5 kB
UA 014/12-1 deutsch
Microsoft Word Document, 61.5 kB
UA 014/12-1 espagnol
Microsoft Word Document, 191.0 kB
Aktionsabfolge
Mehr zum Thema

Menschenrechtsverteidiger

Grundlegende Infos über die Menschenrechte und die verschiedenen internationalen Abkommen. Mehr