Familienangehörige bedroht
Die Familien von zwei im mexikanischen Bundesstaat Guerrero entführten UmweltschützerInnen werden nach eigenen Angaben bedroht und verfolgt, seitdem sie das „Verschwinden“ ihrer Angehörigen zur Anzeige gebracht haben. Amnesty International ist um die Sicherheit der beiden Frauen und weiterer Verwandter der verschleppten UmweltaktivistInnen besorgt.
Am 7. Dezember wurden Eva Alarcón und Marcial Bautista, Mitglieder der Umweltorganisation Organización de Campesinos Ecologistas de la Sierra de Petatlán y Coyuca de Catalán (OCESP), von bewaffneten Männern aus einem Bus verschleppt, als sie sich auf dem Weg nach Mexiko-Stadt befanden. ZeugInnen haben unter den EntführerInnen PolizistInnen ausgemacht, über den Verbleib der beiden UmweltschützerInnen herrscht dennoch Ungewissheit. Am 28. Dezember 2011 wurde der Leiter der Justizpolizei von Tepcán de Galena, jener Gegend, in der die beiden UmweltschützerInnen entführt worden waren, im Zusammenhang mit dem Vorfall festgenommen. Anklage ist gegen ihn nicht ergangen, allerdings bleibt er bis zum Abschluss weiterer Ermittlungen des Dezernats für Organisierte Kriminalität der Generalstaatsanwaltschaft vorläufig in Verwaltungshaft.
Victoria Bautista Bueno und Coral Rojas Alarcón, die volljährigen Töchter der zwei verschleppten AktivistInnen, erstatteten bei den Staatsanwaltschaften des Bundes und des Bundesstaates Guerrero Anzeige und forderten die Aufnahme von Ermittlungen. Am 20. Dezember wurden beide Töchter von einem anonymen Anrufer gewarnt und aufgefordert, den Vorfall auf sich beruhen zu lassen. Seitdem ist Victoria Bautista Bueno und Coral Rojas Alarcón nach eigenen Angaben mehrfach von Unbekannten nachgestellt worden. Die Behörden des Bundes haben den Familien der zwei „verschwundenen“ UmweltschützerInnen in gewissem Mass Schutz bereit gestellt. Dieser Schutz ist jedoch nicht umfassend.
Bei der Untersuchung des Todes von Trinidad de la Cruz Crisóforo zeichnen sich keine Fortschritte ab. Der Aktivist war am 7. Dezember 2011 mit Schussverletzungen und Folterspuren tot aufgefunden worden.
HINTERGRUNDINFORMATIONEN
Am 7. Dezember 2011 wurden Eva Alarcón und Marcel Bautista, Mitglieder der Umweltorganisation Organizacíon de Campesinos Ecologistas de la Sierra de Petatlán y Coyuca de Catalán (OCESP), aus einem Bus im Bundesstaat Guerrero entführt, als sie sich auf dem Weg nach Mexiko-Stadt befanden. Bewaffnete Männer verschafften sich zu dem Bus Zutritt, machten die beiden UmweltschützerInnen anhand ihres Namens ausfindig und zwangen sie mit vorgehaltener Waffe zum Aussteigen. Die Behörden haben zwar eine Untersuchung eingeleitet, über den Verbleib von Eva Alarcón und Marcel Bautista herrscht aber noch immer Ungewissheit. Zusätzlich zu ihrem Engagement bei OCESP unterstützen die beiden auch die Friedensbewegung Movimiento por la Paz con Justicia y Dignidad (MPJD). In Mexiko-Stadt wollten sie an Treffen mit anderen MPJD-AktivistInnen teilnehmen.
Am 6. Dezember 2011 waren bei einem anderem Zwischenfall zwölf MPJD-AktivistInnen in einen Hinterhalt geraten. Die MPJD-Mitglieder aus Mexiko-Stadt waren zu einem Besuch der indigenen Gemeinschaft der Nahuatl nach Santa María Ostula in den Bundesstaat Michoacán gereist, um sich einen Eindruck zu ver-schaffen, inwieweit Bemühungen um die Beilegung von Landstreitigkeiten vorankommen. Der Konflikt hat seit 2009 bereits mehr als 27 Menschenleben gefordert. Berichten zufolge griffen bewaffnete Männer die AktivistInnen an und verschleppten den 73 Jahre alten Trinidad de la Cruz Crisóforo, Gemeindesprecher von Santa Maria Ostula und MPJD-Anhänger. Am 7. Dezember wurde er tot aufgefunden. Der 73-Jährige war erschossen und allem Anschein nach zuvor gefoltert worden. Der Vorfall hatte sich ereignet, nachdem kurz zuvor ein für den Schutz der Gruppe verantwortlicher Bundespolizist den Ort des Geschehens verlassen hatte.
Die Friedensbewegung Movimiento por la Paz con Justicia y Dignidad wurde von dem Dichter Javier Silicia gegründet, dessen Sohn von einer kriminellen Bande getötet wurde. Er leitet eine nationale Kampagne zur Beendigung von Gewalt, Menschenrechtsverletzungen und Straflosigkeit, die in vielen Teilen Mexikos inzwischen an der Tagesordnung sind. Viele Opfer von Gewalt und Menschenrechtsverletzungen sind dieser Bewegung beigetreten.

