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Startseite Urgent Actions 2011 04 Colombian peace community threatened Member’s of peace community held captive
FI 103/11-1
Kolumbien
Abgeschlossen am 12. Januar 2012

Friedensgemeinde schikaniert

AI-Index: AMR 23/035/2011

Am 28. November wurden BewohnerInnen der „Friedensgemeinde“ (Comunidad de Paz) San José de Apartadó mehrere Stunden lang gegen ihren Willen von Paramilitärs festgehalten. Die Gemeinde im Norden Kolumbiens besteht auf ihrem Recht, nicht in den bewaffneten Konflikt des Landes hineingezogen zu werden. Die BewohnerInnen der Gemeinde befinden sich in grosser Gefahr.

Am 28. November suchten beinahe 200 Paramilitärs den Weiler La Esperanza auf, der im Verwaltungsbezirk Apartadó im Departamento Antioquia liegt und gemeinsam mit mehreren anderen Weilern und Dörfern die Friedensgemeinde San José de Apartadó ausmacht. Die BewohnerInnen der Friedensgemeinde weigern sich, für irgendeine der am bewaffneten Konflikt beteiligten Seiten – Guerrillagruppen, Paramilitärs oder Streitkräfte – Partei zu ergreifen.

Ungefähr 50 Personen, darunter auch BewohnerInnen der Friedensgemeinde, wurden mehrere Stunden lang im Gesundheitszentrum von La Esperanza festgehalten. Die Paramilitärs notierten die Namen der festgehaltenen Personen und drohten mit einer „Ermittlung“. Die Basis der Paramilitärs befindet sich in Playa Larga, einem Weiler nahe La Esperanza, wo sie auch über Grundbesitz verfügen. Die Angehörigen der paramilitärischen Gruppe teilten den AnwohnerInnen mit, dass sie sich die Grundstücke nehmen würden, die sie bräuchten, und dass es keine Rolle spiele, was der jeweilige Eigentümer davon halte; dasselbe gelte für Grundstücke in den nahegelegenen Dörfern.

Am 19. und 20. November errichteten Paramilitärs Kontrollpunkte entlang der Strassen nahe La Esperanza und zwei weiteren Weilern in der Nähe der Friedensgemeinde. Sie hielten alle Benutzer dieser Strassen an, befragten sie und nahmen jegliche mitgeführten Lebensmittel an sich. Als Begründung gaben sie an, dass es den Betroffenen nicht erlaubt sei, Nahrungsmittel mit nach Hause zu nehmen. All dies geschieht vor dem Hintergrund einer offenbar verstärkten Präsenz von Paramilitärs in der Gegend nahe der Friedensgemeinde, obwohl die Region bereits stark militarisiert ist.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Die „Friedensgemeinde“ San José de Apartadó setzt sich aus BewohnerInnen mehrerer Weiler und Dörfer zusammen, die im Verwaltungsbezirk Apartadó des im Nordwesten Kolumbiens gelegenen Departamento Antioquia liegen. Die BewohnerInnen der Region verteidigen ihr Recht, nicht in den bewaffneten Konflikt Kolumbiens hineingezogen zu werden und wehren sich dagegen, für eine der Seiten Partei ergreifen zu müssen. Dementsprechend verweigern die BewohnerInnen auch das Tragen von Waffen und liefern keiner der beiden Seiten Informationen oder logistische Unterstützung. Als Gegenleistung verlangt die Friedensgemeinde, dass die an dem bewaffneten Konflikt beteiligten Parteien sich von ihrem Land fernhalten und ihre neutrale Position respektieren.

Die Friedensgemeinde San José de Apartadó wurde am 23. März 1997 gegründet. Seitdem sind über 170 ihrer BewohnerInnen getötet worden oder dem Verschwindenlassen zum Opfer gefallen. Weitere Personen wurden bedroht oder sexuell missbraucht. Die BewohnerInnen der Friedensgemeinde befinden sich in ständiger Gefahr. Die Mehrzahl der Tötungen wurde von Paramilitärs mit Billigung und Unterstützung der Streitkräfte in der Region begangen. In anderen Fällen wurden die Tötungen von Guerillagruppen verübt. In den vergangenen zehn Jahren wurden neben BewohnerInnen der Friedensgemeinde auch Menschen getötet, die nahe des von der Friedensgemeinde besiedelten Gebietes lebten oder enge Verbindungen zu den BewohnerInnen unterhielten. Oftmals gingen den Tötungen Phasen intensiver Drohungen gegen BewohnerInnen der Friedensgemeinde voraus. Allem Anschein nach sollen die Menschen durch solche Massnahmen eingeschüchtert werden.

Personen, die die Teilnahme an dem bewaffneten Konflikt verweigern und für keine der beiden Seiten Partei ergreifen, sind Verdächtigungen und Feindseligkeiten vonseiten der Paramilitärs, der Armee und der Guerillatruppen ausgesetzt.

Die paramilitärischen Gruppen in Kolumbien sind angeblich im Rahmen des von der Regierung unterstützten Demobilisierungsprozesses, der im Jahr 2003 begann, aufgelöst worden. Drohungen und Tötungen von MenschenrechtsverteidigerInnen in ganz Kolumbien zeigen jedoch, dass diese Gruppen nach wie vor aktiv sind. Während des andauernden bewaffneten Konflikts in Kolumbien haben Sicherheitskräfte und Paramilitärs Mitglieder von Menschenrechtsorganisationen und Gewerkschaften häufig als Guerillakollaborateure oder GuerillaunterstützerInnen bezeichnet und die Betroffenen bedroht, entführt oder ermordet. Allerdings nehmen auch Guerillagruppen MenschenrechtsverteidigerInnen, GewerkschafterInnen und andere ins Visier, wenn sie diese als UnterstützerInnen ihrer Feinde betrachten.

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